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Frühling im Januar - aber es wird kälter: Die erste Woche 2014 war fünf Grad zu warm

Frühling im Januar - aber es wird kälter : Die erste Woche 2014 war fünf Grad zu warm

Schneeglöckchen blühen in den Vorgärten, Narzissen schieben Triebe aus der Erde. Die erste Woche des Jahres fiel in Deutschland fünf Grad milder aus als im langjährigen Durchschnitt - "das ist sehr viel", sagte Meteorologe Marcus Beyer vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach am Mittwoch.

Und es wird sogar noch ein bisschen wärmer: Für den Donnerstag sagte Beyer Temperaturen bis zu 17 Grad am Oberrhein voraus. Januar-Rekorde wurden aber noch nicht gebrochen. Noch sollte der Winter nicht ganz abgeschrieben werden: Ab Freitag wird es nämlich kälter. Und der Donnerstag fällt nur im Süden noch einmal frühlingshaft aus, im Norden wird es dann schon ungemütlich mit Regen und Sturm. Den Übergang vom Frühlingswetter mit Wind aus südlichen Richtungen zu winterlichen Verhältnissen markieren Gewitter, Regen und Sturm. Der Wind dreht auf West.

Januar und Februar sind normalerweise die kältesten Monate des Winters, Frost und Schnee können durchaus noch einmal zuschlagen. Für die nahe Zukunft prognostizieren die Meteorologen allmählich sinkende Temperaturen. "Es wird nach und nach kälter", sagte DWD-Expertin Magdalena Bertelmann. Mit Nachtfrösten müsse Anfang nächster Woche überall gerechnet werden. Ob sich der Frost auch tagsüber halte, sei aber noch unsicher. Schneewolken seien vorerst nicht in Sicht.

Aufatmen in den USA

Während die Deutschen im T-Shirt ausgehen können, haben die Menschen in den USA offenbar die schlimmste Kälte überstanden. Nach einem Dienstag mit historischen Tiefstwerten sagten Meteorologen für Mittwoch den Beginn einer Erwärmung voraus. Der Flugverkehr war unterdessen weiter stark beeinträchtigt.

Der nationale Wetterdienst kündigte einen Anstieg der Temperaturen ab Mittwoch an, ohne jedoch Zahlen zu nennen. Für die östlichen zwei Drittel der USA werde mit einer "Erwärmung" gerechnet, hieß es auf der Webseite der Behörde. Die für die extreme Kälte verantwortlichen arktischen Luftmassen würden langsamer. Dennoch bleibe es kalt: Die Temperaturen würden im nördlichen Teil des Mittleren Westens weiter unter dem Durchschnitt liegen.

Ganz Kanada und alle US-Bundesstaaten mit Ausnahme von Hawaii hatten am Dienstag Temperaturen unter dem Gefrierpunkt erreicht - also auch die sonnenverwöhnten Staaten Florida und Kalifornien. 49 US-Städte meldeten einen Kälterekord für einen 7. Januar. Der kälteste Ort der USA war Embarrass im Bundesstaat Minnesota mit minus 37 Grad Celsius. Die gefühlten Temperaturen lagen wegen eisiger Winde weit darunter.

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Bei den nördlichen Nachbarn sah es nicht besser aus: In Montréal, Toronto und Ottawa bibberten sogar die kälteerprobten Kanadier angesichts des ungewöhnlich heftigen Temperatursturzes, zu dem Stromausfälle hinzukamen. In den drei Städten waren die Straßen mit schwarzem Eis überzogen: Am Montag hatte es bei ungewöhnlich milden Temperaturen geregnet, bevor der Schlamm während des arktischen Kälteeinbruchs gefror.

Selbst für Eisbären zu kalt

Selbst für Polartiere war es am Dienstag zu kalt: Die Eisbärin des Lincoln-Park-Zoos von Chicago wurde in ihre Unterkunft gebracht, weil ihr Fettpolster - anders als bei den Artgenossen in der Wildnis - nicht für die Kälte gewappnet war. In Chicago herrschten am Dienstag minus 14 Grad Celsius, gefühlt waren es minus 28 Grad.

Im südlichen Bundesstaat Kentucky durchkreuzte die Eiseskälte die Flucht eines Straftäters. Der 42-jährige Robert V., der am Sonntag aus dem Gefängnis von Blackburn geflohen war, meldete sich tags darauf bei den Behörden, wie die Polizei mitteilte. Der Ausbrecher habe die Temperaturen von minus 20 Grad Celsius nicht mehr ausgehalten, sagte Polizeisprecherin Sherelle Roberts. Am späten Montagnachmittag sei er an der Rezeption eines Motels in Lexington vorstellig geworden und habe gebeten, die Polizei zu verständigen. Er wurde nach einer medizinischen Beobachtung zurück ins Gefängnis gebracht.

Der Flugverkehr war auch am Mittwoch stark beeinträchtigt. Insgesamt wurden laut der Webseite flightaware.com 551 Flüge gestrichen, 206 weitere verspäteten sich. Seit vergangenem Donnerstag fielen aufgrund von Schneestürmen und der anschließenden Kältewelle rund 18.000 Flüge aus.

Ein gigantischer arktischer Luftwirbel drückte seit Wochenanfang eiskalte Polarluft bis tief in die Südstaaten der USA. Besonders betroffen war der Mittlere Westen der USA mit gefühlten Temperaturen von minus 50 Grad. Mehr ein ein Dutzend Menschen sind durch die Kältewelle bereits ums Leben gekommen.

(dpa/AFP)