Diebstähle in ganz Europa: Die erste Spur zur Nashorn-Mafia

Diebstähle in ganz Europa: Die erste Spur zur Nashorn-Mafia

Der Polizei ist ein Schlag gegen Nasenhorn-Diebe gelungen. Die Beamten nahmen in München drei Männer fest, die verdächtigt werden, in Offenburg einem Rhinozeros-Präparat die Hörner abgeschlagen zu haben. Auch im Münsteraner Allwetterzoo hatten Nashorndiebe zugeschlagen.

Der Nashornkopf mit den abgesägten Hörnern soll die Besucher des Naturkunde-Museums Offenburg von nun an sensibilisieren für den illegalen Nasenhorn-Handel und dessen Verbindungen zur organisierten Kriminalität. Karnevalssamstag fielen die Hörner des 75 Kilogramm schweren Nashorn-Präparats am helllichten Tag Museums-Wilderern zum Opfer. Sie hatten sich als interessierte Besucher ausgegeben.

Ein Pärchen lenkte die Museumsmitarbeiterin am Infoschalter ab. Ihre Komplizen schlichen in den dritten Stock, hängten aus vier Metern Höhe den Nashornkopf von der Wand ab und schlugen ihm die beiden Hörner ab. Erst nachdem die Täter geflüchtet waren, entdeckten Museumsmitarbeiter den Diebstahl auf den Überwachungskameras. Es entstand ein Schaden von bis zu 200 000 Euro. Und dies ist längst nicht der erste Vorfall dieser Art.

Im Offenburger Fall führten Phantombilder die Polizei jetzt auf die Spur der mutmaßlichen Diebe. Vier Tage nach dem Raub nahmen Polizisten in München drei Männer fest und stellten eine verblüffende Ähnlichkeit mit den Phantombildern der Offenburger Kollegen fest. "Es könnten eventuell die Nashorn-Täter sein", sagt eine Polizeisprecherin. Das Auto des Trios sei einer Streife aufgefallen, weil es in Großbritannien als gestohlen gemeldet war, sagt die Sprecherin. Die Beamten kontrollierten den Wagen und nahmen die Männer fest. Sollte sich der Verdacht gegen die Festgenommenen bestätigen, würde das aber möglicherweise nicht das Ende einer Serie von Diebstählen bedeuten.

Vieles deutet auf ein organisiertes Verbrechen hin

In den vergangenen 18 Monaten wurden Horn-Diebstähle aus Portugal, Frankreich, Großbritannien, Tschechien und Schweden bekannt. In Deutschland wurden auch das Naturkundemuseum Bamberg und das Zoologische Museum der Universität Hamburg Opfer der Museums-Wilderer.

"Deutlich über zehn Fälle" habe es im deutschsprachigen Raum gegeben, fasst der Fachgruppensprecher für Naturwissenschaftliche Museen beim Deutschen Museumsbund, Norbert Niedernostheide, zusammen. Vieles deute darauf hin, dass es sich um organisiertes, internationales Verbrechen handelt, heißt es beim Museumsbund.

Der Handel mit den Nasenhörnern gilt als äußerst lukrativ. Vor allem in Ostasien lässt sich damit viel Geld verdienen: Die Hörner werden zermahlen und als angebliches Heilmittel gegen Fieber, Kopfschmerzen, Typhus, Krebs, Malaria und Pocken verkauft.

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"Solch ein Nasenhorn ist eine enorme finanzielle Versuchung", sagt Theo Pagel, Direktor des Kölner Zoos. Auf dem Schwarzmarkt bekomme man 60 000 bis 100 000 Dollar pro Horn, vermutet der Biologe. Deshalb steht Taco nun Tag und Nacht unter Bewachung. Eine Videokamera filmt den Stall des Nashornbullen, sobald die Besucher und Pfleger den Zoo verlassen haben. So will der Kölner Zoo sicherstellen, dass niemand den Bullen nachts abschlachtet, um an das wertvolle Horn zu gelangen. "Auch der Zuchtverband hat bereits alle Zoos vor der Nashorn-Mafia gewarnt", sagt Pagel. Deshalb verschwinden jetzt auch die Ansichtsexemplare der Zooschule im Tresor, sobald sie nicht mehr benötigt werden. "Sicher ist sicher", meint der Zoodirektor.

Kunststoff-Hörner in Bonn

Der Deutsche Museumsbund warnt mittlerweile öffentlich vor den Ausstellungs-Wilderern und rät allen Museen, Sicherheitsmaßnahmen zu ergreifen. "Wo das nicht umgehend möglich ist, wird dringend empfohlen, Nashorn-Originale aus den Schausammlungen zu entfernen." Das Bonner Museum König hat auf die Warnungen reagiert.

Eine Sprecherin verrät: "Unsere Rhinozerosse tragen mittlerweile Kunststoff-Hörner. Die echten sind sicher verwahrt in einem Tresor." Ähnliches hört man aus den zoologischen Sammlungen der Universitäten und dem Museum für Naturkunde aus Münster. Wo die Hörner sind, sagt das Museum nicht, "um", wie es heißt, "keine schlafenden Hunde zu wecken". Die Unis halten sich bedeckt.

Im Münsteraner Allwetterzoo dagegen waren die Präparat-Wilderer bereits erfolgreich: Am 31. Dezember 2010 brachen Diebe in die Ausstellung ein. Und entwendeten — neben Schlangenleder, Elfenbein und Leopardenfell — auch die Nashorn-Hörner. Um seine drei lebendigen Rhinozerosse macht sich Zoodirektor Jörg Adler weniger Sorgen: "Die Tiere sind nachts gut verwahrt."

Dennoch denkt er nach dem jüngsten Fall jetzt über eine Video-Überwachung nach. "Ich bin irritiert über soviel Dreistigkeit und Dummheit", sagt er. Schließlich bestünden die Hörner lediglich aus Keratin. Da könnte man auch seine eigenen Haare oder Fingernägel kauen. "Das würde genauso viel beziehungsweise wenig bringen."

Hier geht es zur Bilderstrecke: "Nashorn-Bande" klaut wertvolle Hörner

(RP/das)
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