Deutschland erstmals unter Top 3 bei Klima-Risiko-Index

Hitze, Dürre, Stürme : Deutschland erstmals unter Top 3 bei Klima-Risiko-Index

Seit 2006 stellt Germanwatch den Klima-Risiko-Index immer auf der Weltklimakonferenz vor. Die aktuellen Ergebnisse dürften auch manchem Bundesbürger den Schweiß auf die Stirn treiben.

Das vergangene Jahr war zwischen Flensburg und Passau das zweitwärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Von April bis Juni 2018 lagen die Temperaturen gar 2,9 Grad über dem Durchschnitt. Zugleich fiel im Sommer nur 61 Prozent der üblichen Niederschlagsmenge. Die Folgen: mehr als 1.000 Hitzetote und Ernteausfälle. Im Oktober waren rund 70 Prozent des Bodens ausgedörrt. Für den am Mittwoch am Rande der Weltklimakonferenz in Madrid zum 15. Mal vorgelegten Klima-Risiko-Index von Germanwatch bedeutet das: Erstmals belegt Deutschland in der Negativ-Rangliste einen Platz unter den Top 3.

Nur in Japan auf Platz eins und auf den Philippinen - Rang zwei - fiel die Bilanz noch verheerender aus. Japan litt erst unter extrem heftigen Regenfällen, dann folgte eine Hitzewelle, bei der mit 41,1 Grad ein nationaler Temperaturrekord aufgestellt wurde - bevor im September der stärkste Taifun seit 25 Jahren über das Land fegte. Ein Wirbelsturm sorgte auch auf den Philippinen für zahlreiche Tote und Verletzte. Mit Spitzengeschwindigkeiten von 270 Stundenkilometern war "Mangkhut" der stärkste 2018 registrierte Taifun.

Für ihren Index wertet die Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch Daten des Rückversicherers Munich Re sowie des Internationalen Währungsfonds (IWF) aus. Neben einer Bestandsaufnahme für das Vorjahr zieht der Index immer auch eine Zehn-Jahres-Bilanz. Die Ergebnisse dieser Langzeit-Auswertung ähneln denen anderer Rankings. Egal, ob der Weltrisikobericht vom "Bündnis Entwicklung hilft" oder der Welthunger-Index der Welthungerhilfe: Meist trifft es die Entwicklungsländer - die zugleich am wenigsten Ressourcen haben, um den Herausforderungen zu begegnen.

Beim Klima-Risiko-Index sieht das Tableau für die Jahre 1999 bis 2018 wie folgt aus: Auf Rang eins der Länder, die am stärksten von Stürmen, Überflutungen und Dürren heimgesucht werden, steht Puerto Rico, das in der Karibik gelegene Außengebiet der USA. Es folgen Myanmar, Haiti, die Philippinen und Pakistan. In den letztgenannten drei Staaten sei zu beobachten, dass extreme Wetterlagen in so kurzen Abständen auftreten, "dass diese Länder kaum Gelegenheit haben, sich nach Wetterkatastrophen zu erholen", hieß es bei der Präsentation des Index.

Die Autoren räumen ein, dass ihre Statistik Unschärfen aufweist. So fehle es etwa in Teilen Afrikas bisher an umfassenden Informationen über Hitzeschäden. Außerdem seien keine direkten Aussagen darüber möglich, welchen Anteil die Erderwärmung an den aufgeführten Schäden habe. Allerdings bestätigten Studien einen Zusammenhang mit der Anzahl sowie der Intensität von Hitzewellen. Angesichts der laufenden Verhandlungen bei der Weltklimakonferenz macht Germanwatch vor allem auf die Belange der ärmeren Länder aufmerksam. Diese hätten bisher kaum Hilfe für die bereits erlittenen Schäden und Verluste von den Hauptverursachern des Klimawandels, den Industriestaaten, erhalten.

Weltweit forderten 12.000 extreme Wetterereignisse in den vergangenen zwei Jahrzehnten rund 500.000 Todesopfer, wie Germanwatch zusammenfasst. Die dadurch entstandenen Schäden beziffert die Organisation auf 3,5 Billionen US-Dollar (3,17 Billionen Euro). Schon jetzt ist absehbar, dass sich dieser Trend 2019 fortsetzen wird. Zu Wochenbeginn traf der Taifun "Kammuri" mit Windgeschwindigkeiten von über 200 Stundenkilometer auf die Philippinen. Mehr als 225.000 Menschen wurden daraufhin im Süden der Insel Luzon evakuiert. Es ist der 20. Wirbelsturm, der in dieser Saison über den südostasiatischen Inselstaat zieht. Und Deutschland? Erlebte abermals Hitze und Dürre. Ende Juli stieg das Thermometer in Lingen (Ems) auf 42,6 Grad - eine neue Höchstmarke.

(zim/kna)