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"Wir sind alle verzweifelt": Deutsche Piraten-Geiseln rufen verzweifelt um Hilfe

"Wir sind alle verzweifelt" : Deutsche Piraten-Geiseln rufen verzweifelt um Hilfe

Hamburg (RP). Der Kapitän des vor Somalia von Piraten entführten Frachters "Hansa Stavanger" hat einen dramatischen Hilferuf an die Bundeskanzlerin gerichtet. "Wir sind alle verzweifelt", schreibt er nach einem Bericht des "Spiegel" in einer E-Mail an Angela Merkel: "Wir bitten Sie höflich, aber entschieden, uns zu helfen."

Piraten hatten die "Hansa Stavanger" am 4. April in ihre Gewalt gebracht; Ende April hatte die Regierung wegen Sicherheitsbedenken einen Einsatz der Anti-Terror-Einheit GSG 9 abgebrochen. An Bord des Schiffs der Hamburger Reederei Leonhard & Blumberg sind 24 Seeleute. Fünf von ihnen sind Deutsche, auch der Kapitän.

Der Vater eines der deutschen Offiziere verklagt nach Informationen des "Hamburger Abendblatts" das Auswärtige Amt. Nach seiner Ansicht unternimmt die Bundesregierung zu wenig zur Rettung der Besatzung. Das Ministerium bestätigte der Zeitung: "Der Eilantrag einer Klage durch einen Angehörigen ist uns bekannt." Ein Krisenstab bemühe sich um die Freilassung, erklärte sie. Weitere Details würden aus Rücksicht auf das Leben der Besatzungsmitglieder nicht genannt.

Die Versorgungslage der Geiseln ist offenbar kritisch. Der "Spiegel" zitiert aus einer zweiten Mail des Kapitäns an seine Frau: "Wir haben kein Wasser, kein Essen und keine Medikamente mehr." Die Mannschaft sei am Ende. Die Piraten hätten ihnen alle Habseligkeiten geraubt. Einmal hätten die Seeräuber ihnen die Augen verklebt und knapp über ihre Köpfe hinweggeschossen.

Unions-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach forderte, die Bundeswehr müsse rasch Fähigkeiten aufbauen, um gegen Piraten vorgehen zu können. "In Wahrheit begleiten unsere Marineeinheiten die Piraten eher, als dass sie sie bekämpfen", sagte Bosbach der "Mitteldeutschen Zeitung". Merkel selbst bekräftigte ihr Vertrauen in den Krisenstab. Die Bundesregierung forderte zugleich alle Beteiligten auf, "ihrer Verantwortung gerecht zu werden". Offenbar sind die Lösegeldverhandlungen schwierig, weil die Piraten immer neue Forderungen stellen.

(RP)