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Der Zirkus ist sein Leben - Roncalli-Chef Paul wird 75​

Viele Pläne : Der Zirkus ist sein Leben - Roncalli-Chef Paul wird 75

Die Corona-Pandemie hat den Circus Roncalli zwar ausgebremst - aber Direktor Bernhard Paul hat die Zwangspause für andere Projekte genutzt. Seinen Geburtstag feiert er mit seiner Zirkusfamilie in Köln. Paul möchte noch einen großen Traum verwirklichen.

Sein Leben ist der Zirkus. „Ruhestand - was ist das?“, fragt Roncalli-Chef Bernhard Paul. Daran verschwende er keinen Gedanken - auch nicht in Hinblick auf seinen 75. Geburtstag an diesem Freitag, 20. Mai. „Ich habe noch so viele Pläne. Da habe ich a bisserl Angst, dass ich am Ende nicht mehr alles schaffe, was ich noch machen will“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur in Köln.

Der weltberühmte Circus Roncalli, den Paul 1976 gegründet hat, darf erst seit wenigen Wochen wieder seine Zelte aufschlagen. Wegen der Corona-Pandemie herrschte zwei Jahre lang Stillstand. „Dass wir das überlebt haben, ist ein Wunder“, meint Paul - und denkt mit Grausen zurück. „Wir hatten in Recklinghausen alles aufgebaut - da kam auf einmal der Bürgermeister und sagte, ihr dürft morgen eure Premiere nicht machen.“

Es folgte eine schier endlos erscheinende Salami-Taktik seitens der Politik, wie Paul es empfand. „Das war, wie wenn man mit einem Düsenjet fliegt und plötzlich fällt die Anzeige aus. Wir wussten nicht, wie es weitergeht.“ Nach dem Ende der Corona-Zwangspause startete Roncalli im März dann wie ursprünglich geplant mit seinem neuen Programm in Recklinghausen. Seit sechs Wochen gastiert der Zirkus noch bis Sonntag, 22. Mai, in Köln - „und wir sind immer ausverkauft“, sagt Paul stolz.

Der gebürtige Österreicher war schon als Kind ein leidenschaftlicher Zirkusfan. 1975 kaufte er einen alten Zirkuswagen und arbeitete von da an beharrlich an der Verwirklichung seines Traums von einem eigenen großen Zirkus. Zusammen mit dem Multimedia-Künstler André Heller entwarf er ein neuartiges Konzept aus konventionellen Zirkus-Elementen, Poesie und absurdem Theater. Nach der Trennung von Heller schaffte Paul in den 80er-Jahren mit dem Programm „Reise zum Regenbogen“ den Durchbruch.

Tier-Nummern hat Paul vor einigen Jahren komplett abgeschafft, Roncalli konzentriert sich vor allem auf Artistik. Unter den internationalen Künstlern sind auch ukrainische und russische. „Bei uns spielt das keine Rolle“, betont Paul. Es gebe da keinerlei Ressentiments untereinander.

Hin und wieder steht der Direktor noch selbst als Clown „Zippo“ in der Manege. Allerdings komme er immer seltener dazu. Denn die Corona-Zeit habe er genutzt, um mit dem Schreiben seiner Memoiren zu beginnen. Außerdem arbeite er an einem Buch über die Geschichte Roncallis: „Das kann außer mir ja niemand machen.“

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Und dann ist da noch sein langgehegtes Ziel, endlich in Köln, wo Roncalli sein Winterquartier hat, ein Museum eröffnen zu können. Paul besitzt eine riesige Sammlung, die unter anderem historische Kaufmannsläden, Karussells und Plakate umfasst. Auch ein passendes Grundstück hat er im Auge, aber die Genehmigungsverfahren kommen nicht recht voran.

Seinen 75. Geburtstag wird Paul ebenfalls in Köln verbringen - und zwar „natürlich da, wo ich hingehöre: im Zirkus“, sagt der Vater von drei Kindern. „Da feiere ich mit meiner Großfamilie, die aus 150 Leuten besteht.“

(axd/dpa)