Tag der offenen Tür: Der „Stern“ zeigt falsche Hitler-Tagebücher

Tag der offenen Tür: Der „Stern“ zeigt falsche Hitler-Tagebücher

Der „Stern“ feiert seinen 70. Geburtstag und will dabei auch ein besonderes Kapitel nicht unter den Teppich kehren. Beim Tag der offenen Tür zeigt er sieben der falschen Hitler-Tagebücher, die vor 35 Jahren für einen Skandal sorgten.

Das Hamburger Magazin „Stern“ lädt zu seinem 70. Geburtstag an diesem Samstag zu einem Tag der offenen Tür in die Redaktionsräume am Hafenrand ein. Erstmals zeigt der Verlag dabei aus seinen Beständen öffentlich auch sieben der gefälschten Hitler-Tagebücher, die 1983 einen der großen Medienskandale der Nachkriegszeit auslösten. Die Kladden stehen allerdngs nicht im Mittelpunkt der Veranstaltung, sondern sind nur einer unter zahlreichen Programmpunkten. „Wir wollen uns öffnen und Transparenz zeigen“, sagte eine Sprecherin am Freitag.

Den gesamten Tag bietet der Verlag Gruner + Jahr Führungen an, bei denen die Produktion des Blattes erklärt wird. Reporter, Fotografen, Grafiker und Karikaturisten des „Stern“ berichten über ihre Arbeit und diskutieren über aktuelle Themen aus Politik und Journalismus. Geplant sind auch Live-Schalten in die Korrespondentenbüros in Athen, London, New York, Rio de Janeiro und Shanghai sowie Lesungen und Filmvorführungen. Erwartet werden bislang rund 1000 Besucher, die eine Eintrittskarte zum Preis von acht Euro erworben haben.

Die gefälschten Hitler-Tagebücher waren einer der größten Skandale der Mediengeschichte der vergangenen Jahrzehnte. „Die Geschichte des Dritten Reiches muss in großen Teilen neu geschrieben werden“, hieß es im April 1985 großspurig im Editorial des Magazins - über die angeblich aus der Feder des Nazi-Diktators stammenden Aufzeichnungen, die ein „Stern“-Redakteur aufgetrieben haben wollte.

Zwei Wochen später war klar, dass das kein Scoop war, im Gegenteil. Hitlers angebliche Tagebücher wurden als Fälschung entlarvt, und der „Stern“ hatte sich weltweit zum Gespött gemacht. Es dauerte Jahre, bis er sich von dem Imageschaden erholte. „Das ist ein Schandfleck unserer Geschichte“, sagte der frühere „Stern“-Chefredakteur Thomas Osterkorn dazu.

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Der „Stern“ hatte die Bände von dem Fälscher Konrad Kujau angekauft und dafür Millionen gezahlt. Seitdem lagern die Kladden im Safe des Verlagshauses. Dort sollen sie auch bleiben und nicht - wie früher schon einmal angekündigt - an das Bundesarchiv in Koblenz abgegeben werden. Sie dienen der Redaktion auch zur Mahnung - „schließlich haben wir sie teuer bezahlt“, sagt mit einem Augenzwinkern Chefredakteur Christian Krug.

Von den 62 Bänden wurden einzelne abgegeben, zum Beispiel an die Stiftung Haus der Geschichte und das Hamburger Polizeimuseum und waren dort auch schon öffentlich zu sehen. Von einigen wenigen der „Tagebücher“ ist unklar, wo sie geblieben sind. Beim Tag der offenen Tür wird sich der stellvertretende Chefredakteur Thomas Ammann unter anderem mit dem Autor Michael Seufert über das Thema unterhalten, der damals dabei war.

Der Journalist und langjährige Chefredakteur des Magazins, Henri Nannen, hatte seine oft „Wundertüte“ genannte Illustrierte am 1. August 1948 auf den Markt gebracht. Zu Hochzeiten hatte sie eine Millionenauflage. Aufgrund veränderter Lesegewohnheiten durch die Digitalisierung und mobile Endgeräte verzeichnet das Heft wie viele andere Zeitschriften Auflagenrückgänge. Im zweiten Quartal lag die verkaufte Auflage des „Stern“ bei 528 860 Exemplaren.

(dpa/heif)