Knut-Pfleger Thomas Dörflein ist tot: Der Notarzt kämpfte um sein Leben

Knut-Pfleger Thomas Dörflein ist tot : Der Notarzt kämpfte um sein Leben

Düsseldorf (RPO). Knut-Pfleger Thomas Dörflein ist tot. Kollegen, Freunde und Angehörige zeigen sich bestürzt. Erst nach und nach verbreitete sich am Montag in Berlin die Nachricht. Zwei Stunden lang soll der Notarzt um Dörfleins Leben gekämpft haben. Vergeblich. Später brannte an Knuts Gehege eine Kerze.

Dörflein war Berliner Medienberichten nach zu Besuch bei einer Freundin in Berlin-Wilmerdorf. Dort brach er zusammen. Warum, bleibt weiterhin rätselhaft. Der herbeigeeilte Notarzt kämpfte noch zwei Stunden um Dörfleins Leben, berichtet die B.Z. Um 14.31 Uhr sei er tot gewesen.

Die Polizei wird gerufen. Dörfleins Leichnam soll obduziert werden. So ist es in derartigen Fällen vorgeschrieben. Darüberhinaus hüllt sich die Polizei in Schweigen. Angeblich habe es weder Kampfspuren in der Wohnung noch Hinweise auf einen Suizid gegeben. Die Leiche soll obduziert werden. Der Körper des 44-Jährigen werde vermutlich noch in dieser Woche untersucht, sagte ein Polizeisprecher am Dienstag. Man verspreche sich davon Aufklärung über dessen plötzlichen Tod.

Schreckensnachricht

Die Zoo-Mitarbeiter erfuhren erst am Abend vom Tod ihres Kollegen, berichten Berliner Zeitungen. Die Kollegen hatten Dörflein bislang nicht vermisst. Er hatte gestern seinen freien Tag. Auch Dörfleins Vorgesetzter ist schockiert. "Thomas Dörflein war einer meiner besten Mitarbeiter", sagte Bärenkurator Heiner Klös der Berliner Zeitung. Er sei ein aufmerksamer und guter Beobachter gewesen, der alles für seine Tiere getan habe. Und das nicht erst seit Knut.

Zoo-Direktor Bernhard Blaszkiewitz ist betroffen: "Das ist ein schlimmer Verlust für uns." Sein Mitgefühl gehöre all denen, die um Dörflein trauern, dessen Familie, dessen Kindern, dessen Lebensgefährtin, dessen Freunden, sagt Dörfleins Chef.

Auch Dörflein hatte Fans

Auch Knut-Pate Sigmar Gabriel (SPD) reagierte unmittelbar nach Bekanntwerden des Todesfalls. Er habe Dörflein bewundert, "wie intensiv und ausdauernd er sich um Knut und die anderen ihm anvertrauten Tiere gekümmert hat", sagte Gabriel. Der Berliner Zoo verliere einen sehr sympathischen und engagierten Mitarbeiter.

Dörflein war Deutschlands bekanntester Tierpfleger. In den Hoch-Zeiten der Knut-Begeisterung riefen die Zoobesucher auch "Thomas, Thomas".
Dörfleins Karriere als Bären-Ersatzpapa begann am 5. Dezember 2006. Da erblickte ein 810 Gramm leichtes, schneeweißes Kuschelwese das Licht der Zoowelt. Später gab Dörflein ihm den Namen Knut.

Intensive Zeit

Seine Mutter Tosca hatte ihn nach der Geburt verstoßen. Dörflein, der seit 1980 im Berliner Zoo arbeitet und dort die Bärengehege betreut, sprang mit Babyöl und Nuckelfläschchen ein. 150 Nächte lang verbrachte der Tierpfleger bei seinem Schützling. Die Bilder des kleinen, mit seinem bärtigen Ziehvater raufenden und im Becken herumplanschenden Eisbären gingen um die Welt. Diese Zeit, sagte Dörflein einmal, sei intensiver gewesen als die, die er mit seinen eigenen, inzwischen 17 und 21 Jahre alten Kindern erlebt habe. Während der ersten Knut-Monate zog Dörflein mit seiner Lebensgefährtin zusammen. Mehrfach klagte er, dass auch sein Privatleben das Interesse der Öffentlichkeit fand.

Kurz vor Knuts erstem Geburtstag verbot die Zooleitung das Herumtollen mit dem damals schon über 100 Kilo schweren Eisbären. Der Pfleger soll sich der Anordnung heimlich widersetzt und Knut weiterhin heimlich besucht haben. Erst im Februar 2008 wurde dem erfahrenen Pfleger der Bär zu gefährlich.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Thomas Dörflein - was war er für ein Mensch?

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