Dekra-Test: Sicherheitslücken bei mobilen Anti-Terror-Sperren aus Beton

Tests von MDR und Dekra: Sicherheitslücken bei Anti-Terror-Sperren

Die in Deutschland verwendeten mobilen Anti-Terror-Sperren aus Beton halten einem Angriff mit einem Lastwagen nicht stand. Das ergaben zwei Tests der Dekra im Auftrag des MDR-Magazins "Umschau".

Wie der Mitteldeutsche Rundfunk in Leipzig mitteilte, habe bei den Tests jeweils ein Lkw die Absperrung durchbrochen. Die Versuche hatte die Prüfgesellschaft Dekra für den MDR am 22. März im schleswig-holsteinischen Neumünster durchgeführt. Getestet wurden zwei Szenarien jeweils mit einem beladenen Lkw mit einem Gesamtgewicht von zehn Tonnen - ein Modell, das etwa beim Anschlag in Nizza zum Einsatz kam.

Bei den Tests fuhr ein Lastwagen mit Tempo 50 auf die Betonsperren auf. Einmal standen die Quader quer zur Fahrtrichtung, einmal schräg. Scheinbar mühelos habe der Lkw die 2,4 Tonnen schweren Betonblöcke beiseite geschoben und die Absperrungen durchbrochen, hieß es in einem MDR-Hörfunkbeitrag. Zwar sei der Lkw beim Aufprall beschädigt worden. Aber die Aufhaltewirkung sei "relativ gering" gewesen, sagte Dekra-Testleiter Marcus Gärtner.

Die überprüften Betonblöcke würden bundesweit eingesetzt, so der MDR. Poller wie die im Test verwendeten wurden nach dem Anschlag von Nizza zum Schutz von Großveranstaltungen genutzt. Unter anderem wurden sie beim Tag der Deutschen Einheit 2016 in Dresden eingesetzt, um die Besucher vor Terroranschlägen zu schützen.

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Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU) erklärte, Betonsperren seien nur ein Teil eines Sicherheitskonzeptes. "Niemand behauptet, sie garantierten absolute Sicherheit. Betonsperren senken allerdings das Schadensrisiko", sagte Ulbig der Deutschen Presse-Agentur. "Grundsätzlich gilt: Es gibt keinen hundertprozentigen Schutz vor terroristischen Angriffen."

Die im MDR-Test verwendeten Betonsperren kamen vom Hersteller Becker Boden Baustoffe. Dessen Geschäftsführer Tobias Becker sagte, die Ergebnisse des Tests seien für ihn nicht überraschend gewesen. Sein Unternehmen liefere keine Sicherheitskonzepte, sondern Steine. Wie diese dann eingesetzt werden, sei Sache der Kommunen. Einfach nur Poller zu ordern, um Sicherheit zu erzielen, sei jedoch "ein bisschen Augenwischerei".

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(kess/dpa)