#DeinKindauchnicht: Bloggerin macht mobil gegen Babyfotos im Netz

Sabbernd, schreiend, auf dem Topf : Bloggerin macht mobil gegen Babyfotos im Netz

Baby auf dem Topf, Baby mit voller Windel, Baby vollgesaut mit Brei - viele solcher Fotos sind auf Instagram für jeden öffentlich sichtbar. „Muss das sein?“, fragt eine Berliner Bloggerin.

Kennen Sie das noch? Die Pubertät, die erste feste Beziehung, das erste Treffen mit den Eltern und dann kramt einer das alte Fotoalbum hervor. Darin festgehalten sind alle Stationen der frühen Kindheit: Das erste Bad, die erste Mahlzeit, das erste Mal auf dem Töpfchen. Man kann es ewig weiterführen. Und wer kann es den stolzen Eltern übel nehmen? Das sind ihre Erinnerungen. Trotzdem, etwas peinlich war es allemal. Das Gute daran damals: Dieses Album bekam nicht jeder zu sehen.

In Zeiten von Social Media – von Instagram und Facebook – ist das etwas anderes. Unter zahlreichen Hashtags finden sich, für jeden öffentlich sichtbar, Babyfotos aller Art. Baby mit Brei um den Mund, Baby auf dem Klo, schreiendes, sabberndes, schlafendes Baby. Klar, vieles davon ist irgendwie süß, manches irgendwie abstoßend. Die Frage ist nur: Muss man das mit der ganzen Welt teilen?

Die Bloggerin Toyah Diebel findet: Nein! Um darauf aufmerksam zu machen, dass auch Kinder eine Privatsphäre haben, die von ihren Eltern respektiert und geschützt werden muss, hat sie das Projekt #DeinKindauchnicht ins Leben gerufen. „Eltern, die Fotos ihrer Kinder posten, ignorieren, missbilligen und missbrauchen deren Recht auf Privatsphäre“, sagte sie dem Online-Magazin „zett“. Dabei sei ihr bewusst, dass die Eltern ihrem Kind keineswegs schaden wollen. Sie würden die Fotos posten, weil sie ihre Kinder zuckersüß finden. Ihrer Meinung nach fehlt es oft an Medienkompetenz und Weitsicht, was achtlos gepostete Bilder der eigenen Kinder anrichten oder wozu sie missbraucht werden können.

Deswegen will die Berlinerin Eltern mit einer radikalen Art und Weise darauf aufmerksam machen. Sie stellt Babyfotos mit Erwachsenen nach. Prominente Unterstützung hat sie dabei von Wilson Gonzalez Ochsenknecht. Wer würde schon ein Bild von sich selbst posten, auf dem er sich gerade erbrochen hat, auf dem Klo sitzt oder im Schlaf genüsslich sabbert? „Überraschung! Dein Kind auch nicht!“, sagt Diebel in ihrer aktuellen Instagram-Story.

Die Bilder sind unfreiwillig komisch, etwas unangenehm, treffen aber genau den Punkt. Auf einem sitzt Ochsenknecht auf einem rosa Töpfchen, auf einem anderen ist er mit Brei vollgeschmiert. Ein anderes Bild zeigt Toyah Diebel selbst, wie sie an einer Brustwarze nuckelt. Das Bild wurde von Instagram übrigens sofort wieder entfernt. Diebel regt sich darüber in ihrer Story auf. „Auf Instagram gibt es massenhaft Bilder, auf denen Kinder gestillt werden“, sagt sie.

Es gehe ihr nicht ums Stillen. Jede Frau solle überall da stillen können, wo sie will und könne das auch gerne fotografieren. Die Frage sei: Warum man dabei das Gesicht des Kindes sehen müsse. „Es steht alles Mögliche in den Richtlinien, aber die Privatsphäre eines Kindes ist scheißegal.“ Jeder Mensch habe das Recht auf Privatsphäre. „Und jetzt kommt die schockierende Nachricht: Kinder sind auch Menschen“, sagt die gebürtige Nürnbergerin.

Auf der Webseite des Projekts kann übrigens jeder selbst Fotos von sich hochladen, die er so nie hochladen würde. So kann sich jeder an der Aufklärungskampagne von Toyah Diebel beteiligen.

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