Bands und Büttenredner: Das kosten die Stars im Karneval

Bands und Büttenredner: Das kosten die Stars im Karneval

Drei bis fünf Milliarden Euro werden werden durch den Karneval bundesweit umgesetzt. Ganze Branchen leben davon – und das nicht schlecht. Anfänger in der Bütt' zum Beispiel bekommen in Köln 400 Euro für einen Auftritt, Top-Verdiener sind nicht unter 1500 Euro zu haben.

Drei bis fünf Milliarden Euro werden werden durch den Karneval bundesweit umgesetzt. Ganze Branchen leben davon — und das nicht schlecht. Anfänger in der Bütt' zum Beispiel bekommen in Köln 400 Euro für einen Auftritt, Top-Verdiener sind nicht unter 1500 Euro zu haben.

Paul Hegemann ist Vorsitzender des Neudorfer Karnevalclubs in Duisburg. Zum Lachen ist ihm derzeit nicht zumute. Schweren Herzens musste er die Prunksitzung seines Vorortvereins absagen. "Die Gagen, die karnevalistische Künstler heutzutage verlangen, stehen denen von Popstars kaum noch nach. Dazu hat die Stadt uns Ärger mit zahlreichen Auflagen gemacht. Deshalb gibt es in diesem Jahr keine Sitzung", sagt Hegemann.

Karneval ist nicht nur Spaß an der Freud — sondern auch ein Millionengeschäft. Allein in der Feierhochburg Düsseldorf haben die zwei Millionen Besucher, mit denen die Düsseldorf Marketing und Tourismus auch in dieser Saison rechnet, zuletzt 235 Millionen Euro ausgegeben. In Köln liegen die jährlichen Einnahmen sogar bei 380 Millionen Euro. Bundesweit, so wird geschätzt, spült der Karneval drei bis fünf Milliarden Euro in die Kassen von Unternehmern.

Hunderte Büttenredner und Musiker leben davon. "Anfänger in der Bütt' bekommen 400 Euro für einen Auftritt, ein Top-Verdiener wie Bernd Stelter dagegen ist nicht unter 1500 Euro zu haben", berichtet Hubert Koch, Vorsitzender des Kölner Literatenstammtischs. Karnevalskenner wissen jedoch, dass Stelter auch schon 1800 Euro gefordert und bekommen hat. Im Vergleich dazu nehmen sich die Gagen für Musikkapellen geradezu bescheiden aus. Rund 2500 Euro kostet ein 25-Minuten-Gig von den Höhnern, Bläck Fööss, Paveiern, Räubern oder Brings. "Bei uns müssen davon neun Leute leben", sagt Michael Brand, Manager der Räuber. Bis zu sieben Auftritte absolvieren die Räuber pro Tag, weit über 200 während des Karnevals.

Auch in Mönchengladbach machten die Räuber im Verlauf dieser Session bereits Station. Zwischen 100.000 und 110.000 Euro muss die dortige Karnevalsgesellschaft "Immer lustig Holt" pro Jahr für Gagen ausgeben. Aber die Rechnung geht auf. "Wir haben noch nie so viele Karten verkauft wie in diesem Jahr", sagt Immer-lustig-Vorsitzender Günter Claßen. 17 Euro kostet der Eintritt, 2,10 Euro das 0,3-Liter-Bier. Da können sich auch Normalverdiener einen Abend im Holter Festzelt leisten. Aber Claßen weiß auch, dass der Rekordbesuch zum Teil der Not der kleinen Karnevalsgesellschaften geschuldet ist: "Die machen in diesem Jahr weniger Sitzungen; so kommen eben mehr Leute zu uns." Der Kölner Hubert Koch von den traditionsreichen Altstädtern bestätigt den Befund: Bei den kleinen Gesellschaften bleiben viele Plätze leer, "da könnte es Zukunft sogar zu Insolvenzen kommen", sagt Koch.

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Aber noch hat die Wirtschaftskrise den Karneval nicht erreicht. "Wir haben ein paar Sponsoren verloren, dafür andere gewonnen", berichtet Jürgen Rieck, Geschäftsführer des Comitees Düsseldorfer Carneval. 1,1 Millionen Euro hat der Zug 2008 gekostet. Mit einer ähnlichen Summe kalkuliert Rieck auch in diesem Jahr. Allein die 62 Gesellschaftswagen kosten eine halbe Million Euro. Das Geld muss durch die Vermarktung des Zugweges am Kö-Sonntag und am Rosenmontag, die Zahlungen von Sponsoren und die bezahlten Firmenwagen im Zug wieder hereinkommen. "Unter dem Strich bleibt da nicht viel übrig", sagt Rieck, "aber bislang haben wir noch nie Verluste gemacht."

Andere Branchen rechnen weiterhin mit Gewinnen. Die Karnevalssparte der Spielwarenindustrie etwa hat in der Saison 2007/2008 unter anderem 3,6 Millionen Kostüme und 5,4 Millionen Schminksets verkauft und so 277 Millionen Euro umgesetzt. Erwartungen für die laufende Saison: 300 Millionen Euro. Die begründet Dieter Tschorn vom Deutschen Verband der Spielwarenindustrie nicht nur damit, dass die Saison 106 Tage dauert — drei Wochen länger ist als beim letzten Mal. "In schwierigen Zeiten feiern die Menschen einfach mehr."

So geht der Deutsche Fleischer-Verband NRW davon aus, dass die Caterer während der aktuellen Saison wieder 15 Prozent mehr Häppchenbuffets ausrichten als sonst. Und die trinkfreudigen Karnevalisten, mit denen der Hotel- und Gaststättenverband NRW rechnet, dürften Taxi Düsseldorf auch 2009 an Altweiber "das Geschäft des Jahres" bescheren, wie es dort heißt.

Für andere geht das Geschäft erst nach Karneval los. Kleine Instandsetzungsarbeiten bringen den Handwerkern Zusatzaufträge, meist für unter 1000 Euro, sagt Heiner Pistorius, Obermeister bei der Maler- und Lackierer-Innung Düsseldorf, aber immerhin. Für alle, die nach Karneval eine Fassade streichen lassen müssen: Ein Malermeisterstunde kostet rund 40 Euro.

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(RP)