Das ist die Frau, die Höhlenforscher Johann Westhauser die Hand hielt

Rettungsaktion in 1000 Metern Tiefe : Das ist die Frau, die dem Höhlenforscher die Hand hielt

Sie war für Johann Westhauser da, begleitete ihn während des langen Weges aus 1000 Metern Tiefe nach oben: Sabine Zimmerebner gehört zu den Höhlenrettern von Berchtesgaden. Normalerweise leitet die Mutter einer 15-jährigen Tochter einen Kindergarten.

Zur Höhlenretterin eignet sie sich, "weil ich sehr viele schwere Säcke tragen kann", wie sie über sich selbst sagt.
Das sieht man Sabine Zimmerebner auf den ersten Blick nicht an. Die zierliche Frau hat bei der Rettung des schwer verletzten Höhlenforschers Johann Westhauser geholfen. Sechs Tage war sie in der Riesending-Schachthöhle — und fast ständig an der Seite Westhausers.

Im normalen Leben leitet die 43-Jährige einen Kindergarten in Salzburg. Als sie von dem Unglück erfährt, ist für sie sofort klar, dass sie hinuntersteigen wird. Angst hat sie nicht, erzählt sie. "Sonst würde man nicht hinuntergehen." Und: "Man weiß, es wird gut gehen. Man braucht eine positive Grundstimmung." Zimmerebner und Westhauser kannten sich schon vorher. Sie forscht mit ihren Kollegen auf der österreichischen Seite des Untersberg in den Berchtesgadener Alpen, er auf der deutschen.

Auch gescherzt wurde bei der Rettung

Es sei angesichts der vielen internationalen Helfer klar gewesen, dass Westhauser jemanden brauche, den er kennt, sagt die 43-Jährige. Jemanden, "der ihn mental stärkt, ihm die Hand hält, ihn begleitet", mal nur Blickkontakt hält und ihn auch warmhält. Dort unten bei etwa vier Grad droht einem Verletzten stets Unterkühlung. Mit mehreren anderen Helfern, die Westhauser persönlich kennen, war Zimmerebner ganz nah dran an dem Verletzten. Westhauser brauchte sie, obwohl er den Beschreibungen zufolge alles andere als zimperlich ist. "Er ist mental eine sehr starke Persönlichkeit", sagt Zimmerebner.

Es sei keineswegs immer todernst zugegangen bei der Rettung. Als sie unten bei Westhauser ankam, der in ihrem Verein Mitglied werden wollte, habe sie gescherzt: "Ich bin nur gekommen um dir zu sagen, dass du aufgenommen bist."

Die 15-jährige Tochter von Sabine Zimmerebner kam bei Bekannten unter. Sie kenne das schon, dass ihre Mutter gelegentlich ein paar Tage weg sei - und auf leichtere Höhlentouren komme sie mit. Zimmerebner selbst war in der Luft und auf den Höhen unterwegs, bevor es sie unter die Erde zog: Sie flog Gleitschirm und war viel in den Bergen. Die Höhlenforschung habe sie gereizt, weil sie so viele Disziplinen verbindet: alpinistische Herausforderungen und naturwissenschaftliche, etwa geologische und hydrologische Fragen.

"Ein kleines Rad in einem großen Team"

Die schwierige Situation sei vor dem Einstieg gewesen, sagt Zimmerebner. "Unten war ich ganz klar bei der Sache." Die Helfer schliefen dort unten abwechselnd: Ein paar Stunden im Biwak, dann bekam der nächste den Schlafsack. "Ich habe noch nie so viele Menschen in einer Höhle gesehen."

Trotz aller Strapazen kann sie dem Einsatz einiges abgewinnen. "Ich war ein kleines Rad in einem großen Team." Sie habe interessante Kollegen dort unten getroffen, es habe immenser Teamgeist geherrscht.
Das berichten alle, die dabei waren. Am Mittwoch stieg sie aus der Höhle - jeder muss seine Grenzen kennen. Sie sei einfach übermüdet gewesen. Es war nicht einmal ihr längster Höhleneinsatz - der dauerte zehn Tage.

Dass die Höhle jetzt geschlossen werden soll, um neugierige Besucher abzuhalten und mögliche weitere Unglücke zu verhindern, versteht sie. Aber: "Ich finde es wichtig, dass die Forschung hier weitergemacht wird."

(dpa)
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