Spendenaktionen wie Ice Bucket Challenge: "Das Internet ist ein Segen für die Spendenlandschaft"

Spendenaktionen wie Ice Bucket Challenge: "Das Internet ist ein Segen für die Spendenlandschaft"

Das Durchschnittsalter der Spender in Deutschland liegt bei über 60 Jahren. Jugendliche lassen sich vor allem durch Aktionen wie die "Ice Bucket Challenge" in sozialen Netzwerken zum Spenden bewegen.

Junge Menschen seien besser vernetzt und könnten oft mehr Unterstützer erreichen, wenn sie selbst Spenden sammelten. Auch wenn nicht immer hohe Summen zusammenkommen, glaubt Joana Breidenbach, Gründerin der Online-Spendenplattform Betterplace. "Das Internet ist ein Segen für die Spendenlandschaft.", sagt sie.

Die Trends des vergangenen Sommers haben gezeigt, wie schnell sich Spendenaufrufe über die Netzwerke junger Menschen verbreiten. Sängerin Helene Fischer ließ sich einen Kübel Eiswasser über den Kopf kippen, genauso Fußballer Bastian Schweinsteiger, unzählige weitere Promis, Nachbarn, Studienkollegen, Chefs. Alles für den guten Zweck. Ice Bucket Challenge hieß das Phänomen. Das Prinzip: Vor laufender Kamera zum begossenen Pudel werden, für die Nervenkrankheit ALS spenden, Freunde im Internet zur gleichen Aktion bewegen. Nun wollen weitere Organisationen die Trendwelle erwischen.

Kinderhilfswerk startet Challenge

Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen Unicef versucht es mit der Wake Up Call Challenge. Promis posten Bilder direkt nach dem Aufstehen und spenden für Kinder in Syrien. Bei der Welthungerhilfe ist es die Lemon Face Challenge. Das YouTube-Comedytrio Y-Titty fordert auf, vor laufender Kamera eine Zitrone zu essen - und fünf Euro gegen den Hunger zu spenden.

Deutsche spendeten im vergangenen Jahr mindestens 4,7 Milliarden Euro

Am Dienstag stellt der Deutsche Spendenrat seine vorläufigen Trends und Prognosen für das Spendenjahr 2014 vor. Im vergangenen Jahr spendeten die Deutschen rund 4,7 Milliarden Euro. Laut einer anderen Berechnung des Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) waren es rund 6,3 Milliarden. Eines ist für die Experten klar: "Der Trend, sich von Freunden über soziale Netzwerke zu einer Spende anstoßen lassen, wird sich vermutlich fortsetzen", sagt die Geschäftsführerin des Spendenrats, Daniela Felser.

Eine Hoffnung für Spendenorganisationen, die dringend ein jüngeres Publikum mobilisieren wollen. Denn überwiegend ist es die Generation 60plus, die nach Angaben von Spendenrat und DZI höhere Geldbeträge in Deutschland spendet. Die Menschen dieser Altersgruppe haben größere Investitionen bereits getätigt, Kinder benötigen oft keine Finanzspritzen mehr und Haus oder Wohnung sind abbezahlt. "Da ist dann eher Geld für Spenden vorhanden als bei jungen Leuten", sagt Felser.

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Doch was animiert junge Menschen zum Spenden und Helfen? Bei der Hochwasserkatastrophe 2013 in Deutschland oder dem Taifun Haiyan auf den Philippinen haben die Medien nicht nur Not und Elend gezeigt, sondern über die Hilfsaktionen berichtet. "Viele scheinen sich dadurch motiviert gefühlt zu haben", und manche seien sogar "selbst losgefahren, um zu helfen - besonders junge Leute", sagt Felser.
Statt Geld gaben sie Zeit.

"Wenn nur die Katastrophe gezeigt wird, kann man auch in eine Art Ohnmacht fallen und denken: "Wo fang ich da nur an?" Das ist eher kontraproduktiv", findet Felser. Die Freunde am Helfen zu zeigen, aktiviere viel mehr - wie bei der Ice Bucket Challenge.

Junge Spender informieren sich mehr

Vor allem seien junge Spender sensibler, sie recherchierten online und hinterfragten, meint Felser. In Katastrophenzeiten steigen laut DZI die Spenden, die online über Webseiten geleistet werden. Das lässt "sicher auch auf junge Spender schließen", sagt die Leiterin der Spendenberatung beim DZI, Christel Neff. Denn junge Menschen spendeten stärker über Online-Spendentools oder mit dem Handy per SMS. Im Durchschnitt mache der Anteil dieses Wegs am Spendenaufkommen allerdings bislang nicht mehr als zehn Prozent aus.

Den größten Anteil an Spenden bringe immer noch der klassische Werbebrief, der mit dem Überweisungsformular per Post kommt, heißt es beim DZI. Laut Spendenrat lag der Anteil schon mal bei einem Drittel der Spendeneinnahmen, heute ist es nur noch gut ein Fünftel.

Junge Leute "werfen die Briefe weg", vermutet die Mitbegründerin von der Online-Spendenplattform Betterplace, Joana Breidenbach. "Sie unterstützen eher kleinere Initiativen, bei denen man das Gefühl hat, die eigene Spende bewegt tatsächlich was. Sie möchten sehen, wo und wofür ihr Geld eingesetzt wird und was die Spende vor Ort bewegt." Bei Angeboten wie betterplace.org oder helpdirect.org können Privatpersonen oder Organisationen gezielt für soziale Projekte werben und via Online-Fundraising Geld- und Zeitspenden sammeln.
Durchschnittliches Spendenalter bei betterplace.org: 38 Jahre.

"Der persönliche Bezug ist den Spendern besonders wichtig", sagt Breidenbach. "Junge Leute reisen ja auch viel mehr und werden dabei auf Projekte in der ganzen Welt aufmerksam. Dieses persönliche Erleben ist oft der Auslöser, um sich zu engagieren. Das ist etwas ganz anderes, als wenn zum Beispiel auf einer Golf-Charity-Veranstaltung Geld gesammelt wird."

Hier geht es zur Infostrecke: Deutsche Promis machen sich nass

(dpa)
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