Beschädigte Dächer, festsitzende Zugreisende Das hat Sturmtief "Ulli" angerichtet

Düsseldorf · Umgestürzte Bäume, herabgefallene Dachziegel, abgesagte Veranstaltungen und festsitzende Zugreisende: Das ist die Bilanz nach dem Orkan "Ulli" für Nordrhein-Westfalen. Rund 200 Fahrgäste saßen am Dienstagabend gut zwei Stunden lang in einem Regionalzug bei Ennepetal fest, weil der Sturm einen Baum auf die Gleise gestürzt hatte.

Wuppertal: Baum zerstört Hausdach
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Die Feuerwehr musste eine Behelfsbrücke bauen, um ihnen ungefährlichen Ausstieg zu ermöglichen. Die Fahrgäste blieben unverletzt und wurden mit Bussen zum Hauptbahnhof Hagen gebracht, wie die Bahn am Mittwoch berichtete.

Lok und Oberleitung wurden beschädigt. Die Strecke musste gesperrt und vom Stromnetz genommen werden, um den Baum von den Gleisen zu schaffen, teilte die Feuerwehr mit. Sie hatte 50 Kräfte im Einsatz. Der Zug war gegen 19.00 Uhr in den umgestürzten Baum gefahren. Gegen 22.00 Uhr war die Strecke geräumt. Die Oberleitung war um 3.00 Uhr wieder repariert.

Weitere Behinderungen gab es nach Bahnangaben durch große Äste auf den Schienen. Es sei aber zu keinen weiteren Zwischenfällen gekommen. Betroffen waren vor allem Güterzugstrecken.

Aber auch in anderen Teilen Nordrhein-Westfalen sorgte "Ulli" für Schäden und Chaos.

Auch unsere Leser berichten auf unserer Facebook-Seite von stürmischem Wetter - so etwa in Moers, Mönchengladbach, in der Gegend um den Düsseldorfer Hafen oder auch in Duisburg.

Am stärksten betroffen war der Norden Deutschlands. Im Rest der Bundesrepublik blieb es hingegen verhältnismäßig ruhig, wie die Polizeidienststellen mitteilten. "Es hat zwar gestürmt, aber alles halb so wild", sagte ein Sprecher der Polizei Gera. Lediglich im Harz in Sachsen-Anhalt pustete "Ulli" noch etwas kräftiger.

Geschwindigkeiten bis zu 112 Stundenkilometer

Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes DWD wurden an der Nordseeküste auf der Insel Helgoland und in St. Peter-Ording (Kreis Nordfriesland) Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 112 Stundenkilometer gemessen. Im Binnenland war es mit Windgeschwindigkeiten bis 104 km/h (Kiel und Schleswig) nur unwesentlich ruhiger, sagte Meteorologe Robert Hausen.

Im niedersächsischen Voltlage ist ein 19-Jähriger mit seinem Auto von einer Windböe erfasst worden und seitlich gegen einen Baum geprallt, teilte die Polizei Bersenbrück mit. Der junge Mann kam ins Krankenhaus, am Wagen entstand ein Totalschaden.

In den Harzregionen Sachsen-Anhalts hatten die Beamten dank "Ulli" mehr zu tun. Einige Straßen seien immer noch wegen umgestürzter Bäume gesperrt, sagte ein Sprecher der Polizei Magdeburg. Auf der Bundesstraße zwischen Wernigerode und Ilsenburg sei ein LKW-Anhänger umgestürzt, im Salzlandkreis sorgte ein gerissenes Stromkabel für einen Stromausfall. Verletzte habe es aber auch hier nicht gegeben.

Der Deutsche Wetterdienst warnte am frühen Mittwochmorgen weiterhin vor Sturmböen und Gewittern an den deutschen Küsten.

Es bleibt stürmisch

Doch "Ulli", der am Dienstag weiten Teilen des Landes heftigen Wind brachte und an den Küsten und auf den Bergen mit Sturm- und Orkanböen Stärke 12 erreichte, ist nur der Vorgeschmack: Am Donnerstag erwarten die Meteorologen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) den nächsten schweren Sturm. Er wird "Andrea" heißen.

"Er sieht noch etwas giftiger aus als der aktuelle", sagte DWD-Meteorologe Ansgar Engel am Dienstag. Vermutlich werde es dann auch im Binnenland orkanartige Böen bis in die Niederungen geben.

(dpa)
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