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Coronavirus: Was die Nachrichten mit mir machen - Erfahrungsbericht

Corona-Angst in NRW : Hilfe, ich werde zu Sheldon Cooper

Nach den ersten Coronafällen in NRW ist vor allem die Hygiene der Hände wichtig. Hysterie ist derzeit nicht angebracht. Dennoch machen die Nachrichten über den Ausbruch etwas mit den Menschen. Auch bei dem Autor dieser Geschichte.

Das Coronavirus ist in NRW angekommen. Obwohl der Ausbruchsort in Gangelt gut 75 Kilometer von meinem Wohnort entfernt ist, sind die Auswirkungen für mich seit Tagen spürbar.

Vorab: Ich bin gesund, habe ein intaktes Immunsystem. Dennoch spüre ich, wie ich zum absoluten Desinfektions-Fanatiker werde. Bahnfahren – nur noch mit anschließender Handdesinfektion. Wenn ich nach Hause komme, führt der erste Gang direkt ins Bad zum Händewaschen. Türen auf der Arbeit bediene ich nur noch mit meinem Ellbogen, ebenso verwende ich die Fingerknochen, um am Aufzug die Etage auszuwählen. Und bei wechselnden Arbeitsplätzen ist vor Dienstbeginn eine ausreichende Reinigung für mich der beste Start in den Tag – anders geht es nicht.

Ich komme mir langsam vor wie Sheldon Cooper, den durchgeknallten Wissenschaftler und Exzentriker aus der US-Erfolgsserie „Big Bang Theory“. Er hat einen Waschzwang, ekelt sich vor öffentlichen Gebäuden und und und. Allerdings hat Sheldon kein kleines Kind, wie ich es habe. Da weht dann noch einmal ein anderer Wind. Kein Kontakt zum Kind ohne ausreichenden Abwasch der Hände.

Zuhause werde ich langsam verspottet, meine Frau bombardiert mich mit Statistiken. Die Sterberate beim Coronavirus ist bei gesunden Menschen unter einem Prozent. Ich gehöre nicht zur Risikogruppe. Der Arzt sagt, mein Immunsystem ist vollkommen intakt.

Dennoch: Irgendwas hat sich in mir verändert. In meinem Kopf. Ich achte darauf, in der Öffentlichkeit so wenige Dinge wie möglich anzufassen.

Kontakt zu mir fremden Personen – zum Beispiel unabsichtliches Touchieren in der Bahn – versuche ich zu vermeiden. Hustet jemand neben mir, gehe ich einen Schritt weg. Es sind sechs bekannte Fälle in Nordrhein-Westfalen, wahrscheinlich werden es in den kommenden Tagen noch mehr.

Kommt das Virus tatsächlich irgendwann in meine Nähe? Höchstwahrscheinlich nicht. Was würde ich tun, wenn ich in Hubei, der Region in China, in der das Virus ausgebrochen ist, leben würde?

Wahrscheinlich dürfte ich etwas mehr durchdrehen – und mir nur noch ununterbrochen die Hände waschen. Das alles ist rational nicht mehr zu erklären.