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Coronavirus: Innenminister Seehofer kündigt „Aussteigerkarten“ für Bus- und Bahnreisende aus dem Ausland an

Vorsorge gegen Coronavirus : Seehofer kündigt „Aussteigerkarten“ für Bus- und Bahnreisende aus dem Ausland an

Bundesinnenminister Horst Seehofer erwartet nach dem Anstieg der Corona-Erkrankungen in Deutschland vorläufig keine weitreichenden Konsequenzen für Großveranstaltungen. Die Behörden nehmen jetzt aber verstärkt Einreisende in den Blick.

Wenn sich bei einer Veranstaltung besonders viele Menschen aus Krisengebieten aufhalten, sei das anders zu beurteilen als ein Fußballspiel zwischen dem SC Ingolstadt und Unterhaching, sagte Seehofer am Donnerstag in Berlin. So sei der am Mittwoch eingesetzte Krisenstab der Bundesregierung gebeten worden, eine Einschätzung zur Tourismusmesse ITB abzugeben, die am 4. März in Berlin beginnen soll.

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Bei dieser Messe gelte es, Gesundheitsschutz und wirtschaftliche Interessen abzuwägen. Im Zweifel werde immer der Gesundheitsschutz Vorrang haben, sagte Seehofer, der aber zugleich darauf hinwies, dass Aktionismus vermieden solle und nur Maßnahmen geplant würden, die wirksam zur Eindämmung des Virus beitragen.

Zusammen mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) erläuterte Seehofer, dass der Krisenstab von Gesundheits- und Innenministerium nahezu alle weiteren Bundesministerien in seine Arbeit einbeziehe. Zuvorderst gehe es darum, Infektionsketten innerhalb Deutschlands zu unterbinden und die Übertragung des Virus nach Deutschland einzudämmen.

Eine Prognose, wie sich der Coronavirus weiter ausbreiten wird, lehnten beide Minister ab. Spahn wiederholte indes seine Einschätzung, wonach Deutschland am Beginn einer Epidemie stehe. Seehofer ergänzte, dass damit klar sei, dass es eine „weitere Entwicklung nach oben“ geben wird, die Lage habe sich „deutlich verschärft“.

Die Behörden nehmen nun verstärkt das Geschehen bei der Einreise nach Deutschland in den Blick: Menschen, die etwa mit dem Bus oder dem Zug nach Deutschland kämen, sollten besondere „Aussteigerkarten“ ausfüllen müssen, sagte Seehofer. Damit solle gewährleistet werden, dass die Eingereisten beim Auftreten eines Corona-Falls kontaktiert werden können.

Die Übergabe von Asylsuchenden von und nach Italien ist laut Seehofer wegen des Coronavirus bis auf Weiteres ausgesetzt. Betroffen seien sogenannte Überstellungen im Rahmen der Dublin-Verordnung. Er begrüße auch sehr, dass Italien Passagiere von Schiffen mit Zuwanderern in Quarantäne nehme, um sicherzustellen, dass auf diesem Weg keine Infektionen ins Land kommen, sagte Seehofer weiter.

Zudem seien die Bundesländer gebeten, bei Asylbewerbern neben der bisherigen Gesundheitsuntersuchung auch Tests auf das Coronavirus durchzuführen, erklärte Seehofer. Monatlich kämen rund 10.000 Schutzsuchende, die auf ihrem Weg nach Deutschland durch „Problemländer“ wie Afghanistan, Pakistan, Irak oder Iran gekommen seien. Man müsse alles tun, um frühzeitig festzustellen, ob Asylbewerber erkrankt seien.

Bei einem weiteren Anstieg der Infektionen stelle sich die Frage, ob erkrankte Schutzsuchende gemeinsam in Quarantäne untergebracht werden müssten, sagte Seehofer. Man könne Menschen nicht einfach nach dem bisherigen Schlüssel auf die Bundesländer verteilen, wenn sie das Virus in sich trügen.

(hebu/AFP/epd/kna)