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Coronavirus in NRW: Neuinfektionen im Kreis Coesfeld weit über Obergrenze

Nach Ausbruch in Fleischbetrieb : Corona-Neuinfektionen im Kreis Coesfeld liegen weit über Obergrenze

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen im Kreis Coesfeld liegt laut einer Übersicht des Robert Koch-Instituts vom Samstag bei 76 pro 100.000 Einwohner und Woche - und damit weit über dem Grenzwert.

Am Freitag hatte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) diesen für die Aufrechterhaltung der Corona-Beschränkungen wichtigen Durchschnittswert noch mit 66 angegeben. Allerdings weist das RKI darauf hin, dass es unter anderem durch einen Verzug bei Datenübermittlungen zu Diskrepanzen zwischen seinen Angaben und den tatsächlichen lokalen Zahlen kommen kann.

Außer dem Kreis Coesfeld lagen alle anderen Kreise und kreisfreien Städte in Nordrhein-Westfalen deutlich unter dem Grenzwert von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen. Bund und Länder hatten am Mittwoch eine deutliche Lockerung der Corona-Auflagen vereinbart, zugleich aber beschlossen, dass sofort wieder ein konsequentes Beschränkungskonzept umgesetzt wird, wenn in Landkreisen oder kreisfreien Städten der Grenzwert überschritten wird.

Nach dem Ausbruch des Coronavirus in einem Fleischbetrieb in Coesfeld hatte der Kreis in Abstimmung mit der Landesregierung die eigentlich von Montag an landesweit geplanten Lockerungen der Corona-Auflagen teilweise um eine Woche verschoben. Der Betrieb wurde vorübergehend geschlossen. Mehr als 150 Mitarbeiter der Firma Westfleisch hatten sich mit dem Coronavirus angesteckt.

Alle 1200 Beschäftigten des Standortes sollten auf das Virus getestet werden. Die Verläufe der Krankheit bei den Betroffenen seien vergleichsweise mild, erklärte ein Firmensprecher. Alle Infizierten, die nicht im Krankenhaus liegen, und ihre Kontaktpersonen befänden sich in häuslicher Quarantäne.

Angesichts der hohen Corona-Infektionszahlen in dem Schlachtbetrieb fordern die Gewerkschaften schärfere Kontrollen und grundlegend bessere Arbeitsbedingungen. DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel sagte am Samstag: „In Schlachthöfen muss deutlich mehr unternommen werden, um die Risiken für Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten zu reduzieren.“ Die Branche falle seit Jahren immer wieder mit miserablen Arbeitsbedingungen auf. Gerade jetzt komme es aber auf verstärkten Arbeitsschutz an, der für alle Beschäftigten gelten müsse - auch für entsandte Kräfte in Gruppenunterkünften.

(dtm/dpa)