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Coronavirus-Epidemie: Gefahrenstufe für Deutschland erhöht

Coronavirus-Epidemie : Behörden erhöhen die Gefahrenstufe für Deutschland

Die EU und das Robert-Koch-Institut haben ihre Risikobewertung für eine Infektion mit dem Corona-Erreger hochgestuft. Aus Kliniken in NRW werden Desinfektionsmittel gestohlen.

Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat die Bewertung des neuen Coronavirus als Gefahr für die Gesundheit der deutschen Bevölkerung leicht heraufgesetzt. Die Risikoeinschätzung sei von „gering bis mäßig“ auf „mäßig“ gestellt worden, sagte RKI-Präsident Lothar Wieler am Montag in Berlin. Das RKI ist die zuständige Bundesbehörde für Infektionskrankheiten. Auch die EU-Kommission passte ihre Gefährdungslage an: von „moderat“ auf „hoch“. Das teilte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen mit.

Dem RKI zufolge liegt die Zahl der bisher bestätigten Infektionsfälle in Deutschland bei mindestens 157. Der Großteil davon, mindestens 92 Fälle, kommt aus NRW. Die Dunkelziffer wird deutlich höher geschätzt. Denn meistens verläuft die Viruserkrankung mild, weshalb sich nicht alle Infizierten bei den Behörden oder den Hausärzten melden. Bislang sind elf Bundesländer und 50 Landkreise betroffen. Weltweit beträgt die Zahl der Infizierten rund 90.000. Mindestens 3100 Menschen starben. Fast 45.500 sind bereits wieder genesen.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagte in der Bundespressekonferenz: „Wir können mit dem Virus umgehen.“ An bestimmten Stellen in Deutschland werde der Alltag aber ein Stück eingeschränkt sein müssen. Die Schließung von Grenzen oder die Absage von Großveranstaltungen sei jedoch weiterhin nicht verhältnismäßig und angemessen, sagte Spahn.

Die Lage bleibt allerdings angespannt. Die Industriestaaten-Organisation OECD warnte vor einem Einbruch der Wirtschaft. Der deutsche Börsenindex Dax rutschte um einen weiteren Prozentpunkt ab, innerhalb einer Woche ging der Index um mehr als zwölf Prozent in die Knie. Schwer getroffen ist die Lufthansa, die allein am Montag sechs Prozent verlor, weil immer mehr Flüge abgesagt und Tickets beispielsweise nach Italien storniert werden. Der Norden des Landes ist in Europa am stärksten von dem neuen Coronavirus betroffen.

In vielen Apotheken und Supermärkten sind Desinfektionsmittel und Atemschutzmasken ausverkauft. In den Kliniken kommt es deshalb zu Diebstählen. „Uns sind beispielsweise Fälle bekannt, in denen Desinfektionsmittel aus dem Spender entnommen wurde“, sagte ein Sprecher der Krankenhausgesellschaft NRW. „Die Kliniken sind angehalten, ihre Bestände wegzuschließen.“ Der Ärztliche Direktor einer Klinik in Duisburg sagte: „Bei uns wird gerade alles geklaut, von dem die Leute glauben, es könne gegen Covid-19 helfen.“

Die Städte in Nordrhein-Westfalen richten im Kampf gegen den neuen Erreger Diagnosezentren ein. So nahmen am Montag spezielle Einrichtungen in Düsseldorf und Köln die Arbeit auf, zuvor waren schon in Gangelt im Kreis Heinsberg sowie in Kleve Stellen eingerichtet worden, an denen sich Patienten auf das neuartige Virus testen lassen können. An der Uniklinik Münster ist es seit Freitag sogar möglich, sich testen zu lassen, ohne das eigene Auto zu verlassen. Durch die Zentren sollen Praxen sowie Kliniken entlastet und deren Personal geschützt werden.

In Gangelt, wo sich besonders viele Menschen angesteckt haben und unter häuslicher Quarantäne stehen, bildeten sich teils lange Schlangen vor der abgesperrten Turnhalle einer Gesamtschule, in der die Patienten getestet werden.

Der Düsseldorfer Mobilfunkkonzern Vodafone informierte seine Belegschaft in einer internen Mitteilung über den ersten Infektionsfall im Unternehmen, wie unsere Redaktion erfuhr. Der Mitarbeiter war bereits am Freitag positiv auf das Virus getestet worden. Er hatte an der Karnevalssitzung im Kreis Heinsberg teilgenommen, die als mutmaßlicher Ausgangspunkt des Virus in Nordrhein-Westfalen gilt. Weil der Mitarbeiter nach der Karnevalssitzung nicht mehr in der Düsseldorfer Vodafone-Zentrale anwesend war, wird dort auf eine Quarantäne für Beschäftigte verzichtet. Der Erkrankte befindet sich zu Hause und ist dort isoliert.

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