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Coronavirus: Drei weitere Fälle in Bayern bestätigt

Lungenkrankheit aus China in Deutschland : Drei weitere Coronavirus-Fälle in Bayern bestätigt

Befürchtet wurde es seit Tagen, nun ist der Nachweis da: Das Coronavirus aus China ist in Deutschland angekommen. Es bleibt nicht bei einem infizierten Patienten. Aus Wuhan werden weitere 25 Todesfälle gemeldet.

In Bayern sind drei weitere Menschen mit dem neuartigen Coronavirus infiziert worden. Sie stünden in Zusammenhang mit dem ersten bestätigten Fall der neuen Lungenkrankheit in Deutschland, teilte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums in München am Dienstagabend mit. Auch die drei neu angesteckten Patienten seien Mitarbeiter der Firma Webasto aus dem Landkreis Starnberg, bei der der erste Betroffene beschäftigt ist.

„Es wurde entschieden, dass auch die drei neuen Patienten in der München Klinik Schwabing stationär aufgenommen und dort medizinisch überwacht und isoliert werden“, teilte das Ministerium mit. „Bei einigen weiteren Kontaktpersonen läuft derzeit ein Test, ob auch hier eine Infizierung mit dem Coronavirus vorliegt.“

In der zentralchinesischen Provinz Hubei sind unterdessen weitere 25 Menschen durch die Infektion mit dem Coronavirus gestorben. Dies teilten die Behörden am Mittwoch mit. Die Gesamtzahl der in China offiziell verzeichneten Todesfälle durch den Erreger stieg damit auf 131.

Der erste Infizierte in Deutschland hatte sich am 21. Januar während einer Fortbildungsveranstaltung bei einer chinesischen Kollegin angesteckt. Die Frau flog am 23. Januar nach China zurück, fünf Tage später informierte die Firma das Gesundheitsamt über die Erkrankung der Frau. Während ihres Aufenthalts in Deutschland hatte sie deutschen Behörden zufolge keinerlei Krankheitssymptome. Die Frau stammt aus Shanghai, hatte kurz vor ihrer Deutschlandreise aber Besuch von ihren Eltern aus Wuhan.

Kostenpflichtiger Inhalt Wegen der vier mit dem Virus infizierten Mitarbeiter schließt der Automobilzulieferer Webasto seinen Stammsitz im oberbayerischen Gauting bis Sonntag. Webasto stellt unter anderem Cabriodächer und Sitzheizungen her und beschäftigt weltweit 13.000 Menschen. Etwa 1.000 arbeiten in der Zentrale in Stockdorf, dort sind auch alle vier bisher vom Virus Betroffenen tätig. Das Unternehmen teilte mit, es sei in engem Austausch mit den Behörden und orientiere sich an den Empfehlungen des Roland-Koch-Instituts.

Webasto hatte nach Bekanntwerden des ersten Falls alle Dienstreisen nach und von China abgesagt und den Mitarbeitern am Standort Stockdorf freigestellt, diese Woche von zuhause aus zu arbeiten. Von diesem Mittwoch an soll ein Ärzte-Team des Gesundheitsamts systematisch alle Kontakte der betroffenen Personen testen.

Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) sagte der Mitteilung zufolge: „Es wurden insgesamt rund 40 Mitarbeiter der Firma ermittelt, die als enge Kontaktpersonen in Frage kommen. Die Betroffenen sollen am Mittwoch vorsichtshalber getestet werden.“ Über weitere Einzelheiten wollen das bayerische Gesundheitsministerium und das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit am Mittwoch berichten.

In einer ersten europäischen Rückholaktion sollen am Mittwoch 250 französische Staatsangehörige aus China ausgeflogen werden. Das erste Flugzeug der durch die EU ko-finanzierten Mission werde am Morgen von Paris starten, erklärte die EU-Kommission. In den kommenden Tagen solle ein weiteres Flugzeug hundert EU-Bürger anderer Nationalitäten zurück nach Europa holen. Auch Südkorea erwägt Rückholaktionen.

Das neuartige Coronavirus 2019-nCoV kann eine Lungenkrankheit auslösen, an der im Hauptverbreitungsland China bereits mehr als 100 Menschen gestorben sind – die meisten davon waren ältere Patienten mit schweren Vorerkrankungen. Die Gesamtzahl der weltweit bekannten Erkrankungen ist inzwischen auf mehr als 4500 gestiegen.

(juju/c-st/dpa)