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Clueso ist gegen Promi-Werbung für Parteien

„Künstler sind keine gute Reklame“ : Clueso ist gegen Promi-Werbung für Parteien

Im Wahljahr 2021 scheint das Volk so gespalten wie selten, wenn man die Verteilung auf die Parteien in den Umfragen als Stimmungsbild nimmt. Viele Prominente rufen dazu auf, wählen zu gehen, manche werden dabei parteipolitisch konkret. Sänger Clueso steht dem skeptisch gegenüber.

Im Wahljahr 2021 sind es nicht nur die üblichen Verdächtigen wie Sänger, die öffentlich nicht nur dazu aufrufen, überhaupt wählen zu gehen, sondern direkt eine konkrete Partei unterstützen. Neben SPD-Urgestein Roland Kaiser, FDP-Fan Wigald Boning, die Unions-Unterstützer Leslie Mandoki und Uschi Glas oder der Grünen-Unterstützer Igor Levit, sind es nun auch Promis wie der Bestsellerautor Frank Schätzing, die Schauspielerinnen Jasna Fritzi Bauer, Nora Tschirner, Corinna Harfouch und Katharina Thalbach sowie Ex-Box-Star Vitali Klitschko, der jetzt Bürgermeister von Kiew ist.

„Du bestimmst, wer auf dem Thron sitzen soll. Geht wählen!“, sagt die Schauspielerin Sibel Kekilli in einem vom Bundespräsidenten veröffentlichten Video. Mit der Thronformulierung spielt sie auf ihre Rolle in der Serie „Game of Thrones“ an. Ebenfalls in dem Clip zu sehen sind etwa der Fußball-Star Toni Kroos und Lukas Rieger. Der 22 Jahre alte Sänger appelliert vor allem an junge Leute. Das Video schließt mit Präsident Frank-Walter Steinmeier selbst: „Es geht um so vieles – es geht um die Zukunft unseres Landes. Jede Stimme zählt!“

Wie in diesem Clip rufen Promis immer wieder zum Wählengehen auf. Der Kölner Rapper Eko Fresh sagt: „Steh auf, geh raus, setz dein Kreuz!“ Und rappt in seinem Youtube-Video: „Demokratie ist zerbrechlich; siehst du sie als selbstverständlich, Digga, das rächt sich.“

Beim Verein „Laut gegen Nazis“ engagieren sich etwa der Schauspieler Peter Lohmeyer, die Band Culcha Candela oder Smudo von den Fantastischen Vier. Die Organisation ONE, die sich für das Ende extremer Armut und vermeidbarer Krankheiten einsetzt, ließ Annette Frier das personifizierte Gewissen der Grünen-Kandidatin Annalena Baerbock spielen, Michael Mittermeier das des Unions-Kandidaten Armin Laschet und Carolin Kebekus das von SPD-Kandidat Olaf Scholz.

Apropos Scholz: Roland Kaiser ist wieder für die Sozialdemokraten im Einsatz und sagte in einem Video: „Und ich wünsche mir von der SPD und Olaf Scholz, dass sie die Dinge, die sie den Wählerinnen und Wählern vorher versprochen haben, hinterher einlösen.“ Natalia Wörner, die Lebensgefährtin von Außenminister Heiko Maas, ist auch für die Sozialdemokraten im Einsatz.

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Für die Union und Laschet setzten sich derweil schon Sophia Thomalla ein oder der ehemalige Profiboxer Vitali Klitschko, der in Hannover während einer Wahlkampfveranstaltung der Jungen Union (JU) für den Kanzlerkandidaten Laschet klatschte.

Gemäß dem Klischee, dass sich Kultur- und Medienschaffende gern grün engagieren, haben Baerbock und ihre Partei tatsächlich besonders viele Fürsprecher: Promis rund um den Musiker Bela B (Die Ärzte) sprachen eine Wahlempfehlung aus. Mehr als 30 Künstlerinnen und Künstler unterzeichneten den Aufruf, darunter die Schauspieler Steffi Kühnert und Milan Peschel, Bestsellerautor Frank Schätzing, Regisseur Leander Haußmann, BAP-Musiker Wolfgang Niedecken, die Musikerin Judith Holofernes (Wir sind Helden) und der Musiker und Autor Sven Regener (Element of Crime, „Herr Lehmann“).

Auf Wahlkampfveranstaltungen der Grünen ließen sich zudem auch schon die Schauspielerin Nora Tschirner sehen oder der Musiker Henning May von der Band AnnenMayKantereit, der ein Lied für Baerbock dichtete. TV-Gesichter wie Jasna Fritzi Bauer und Jochen Schropp bekannten sich ebenfalls online. Im „Spiegel“ hat auch der viermalige Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel angekündigt, grün zu wählen.

Bei der Alternative für Deutschland, sagt ein Sprecher, gebe es keine Testimonials (Prominenten-Empfehlungen), weil Anhänger und Amtsträger „stigmatisiert“ und „angegriffen oder wirtschaftlich geschädigt“ würden. Es sei leicht nachvollziehbar, dass das kein Promi wolle.

Auf Landesebene in Berlin unterstützten einen Wahlaufruf für die Linke und ihren Spitzenkandidaten Klaus Lederer Schauspieler wie Corinna Harfouch, Katharina Thalbach, Sophie Rois, Alexander Scheer, Fabian Hinrichs, Walther Plate, Robert Stadlober und Martin Wuttke sowie der Maler Norbert Bisky und die Schriftstellerin Sibylle Berg.

Bei der Bundestagswahl gibt es auch Promis, die ihren Zweifel an den Kandidaten der großen Parteien äußern. Die drei Musiker der Band Silly antworteten auf die Frage, wen sie von Laschet, Scholz und Baerbock gern als nächstes an der Spitze hätten: „Keinen von den dreien.“

Sänger Clueso (41) hingegen findet Parteiwerbung von Prominenten generell wenig prickelnd. „Ich persönlich würde es nicht machen“, sagte der Musiker dem „Zeit Magazin“. „Künstler sind keine gute Reklame, weder für Gott noch für sonst irgendwas. Sie sind alle Egoisten. Deswegen würde ich meinen Mund nicht so voll nehmen“, sagte der 41-Jährige mit Blick auf Musikerkollegen wie Die Ärzte oder Sven Regener von Element of Crime, die zum Wählen der Grünen aufriefen. Er wolle allerdings nicht den Eindruck erwecken, etwas gegen Politiker zu haben, sagte Clueso. „Ich rede mit denen, treffe mich mit denen, nur eben nicht öffentlich.“

(ala/dpa)