Auftakt des Katholikentags: Christliche Werte weiter "in"

Auftakt des Katholikentags : Christliche Werte weiter "in"

Zum Auftakt des Katholikentags in Regensburg haben Vertreter aus Politik und Kirche die Bedeutung des Christentums für die moderne Gesellschaft hervorgehoben. Bei regnerischer Witterung rief der Präsident des Zentralkomitees der Katholiken (ZdK), Alois Glück, dazu auf, Vielfalt als großen Reichtum der Kirche zu verstehen.

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) bezeichnete christliche Werte als nach wie vor "in". In Anwesenheit von Bundespräsident Joachim Gauck wurde am Mittwochabend der 99. Deutsche Katholikentag eröffnet. Er steht unter dem Motto "Mit Christus Brücken bauen". Die Veranstalter rechnen mit über 30.000 Dauerteilnehmern.

Seehofer sagte, es liege an allen, Werte wie Menschenwürde, Freiheit, Vergebung und Frieden im Alltag mit Leben zu erfüllen und die Kraft des Glaubens neu zu entfachen. Er forderte ein sichtbares "Bekenntnis zu christlichen Symbolen im öffentlichen Raum". Damit reagierte der CSU-Chef auf anderslautende Forderungen des SPD-Europapolitikers Martin Schulz.

ZdK-Präsident Glück würdigte Katholikentage als "Spiegelbild der Vielfalt der Lebenssituationen und der Lebenswege, der Vielfalt der Glaubenswege und der Ausdrucksformen unserer Frömmigkeit". In der Kirche sei oft wenig davon zu spüren, dass Christen einander respektierten. Häufig gehe es um "Abgrenzung, Abwertung und Ausgrenzung"; verschiedene Wege des Glaubens und der Frömmigkeit würden gegeneinander ausgespielt, kritisierte Glück. Er warnte alle Seiten vor Selbstgerechtigkeit.

Unterdessen zeichnet sich eine neue Diskussion um den kirchlich nicht anerkannten Beratungsverein "Donum Vitae" ab. Am Dienstag hatte die Vereinsvorsitzende Rita Waschbüsch die Bischöfe aufgefordert, die kritische Haltung zu ihrer Organisation zu überprüfen. "Der Katholikentag ist ein besonderer Anlass, noch einmal darüber nachzudenken, ob der kirchliche Abgrenzungsbeschluss der Bischofskonferenz von 2006 wirklich zukunftsfähig ist", so Waschbüsch.

Kardinal Reinhard Marx sagte am Mittwoch in Regensburg, aus seiner Sicht gebe es keine Möglichkeit zu einer "Übernahme in das kirchliche Programm". Zugleich betonte er, Mitarbeiter von "Donum Vitae" dürften nicht aus der Kirche ausgegrenzt werden.

Ähnlich äußerte sich der gastgebende Bischof Rudolf Voderholzer. Es gebe ein gemeinsames Ziel: "Wir sind uns in der Sorge um das Leben einig." Er habe sich deswegen dafür ausgesprochen, erstmals eine Veranstaltung mit dem Verein im Rahmen des offiziellen Katholikentagsprogramms "zu dulden".

"Donum Vitae" wurde 1999 von Katholiken gegründet, nachdem die Kirche in Deutschland auf Weisung von Papst Johannes Paul II. aus dem staatlichen System der Konfliktberatung ausgestiegen war. Nach Überzeugung der Kirchenleitung verdunkelt der Beratungsschein, der Voraussetzung für eine straffreie Abtreibung ist, das kirchliche Zeugnis für den Lebensschutz. Seither werden in kirchlichen Stellen keine Beratungsscheine mehr ausgegeben, anders als bei "Donum Vitae".

(KNA)