Chemnitz: Haftbefehl gegen einen mutmaßlichen Täter kursiert im Netz

Tötungsdelikt in Chemnitz : Haftbefehl veröffentlicht - sächsische Ermittler suchen nach Leck

Rechte Gruppe verbreiten im Internet den Haftbefehl gegen einen der mutmaßlichen Messerstecher aus Chemnitz. Unklar ist, ob das Dokument echt ist - und wie sie daran gekommen sein könnten. Die Polizei ermittelt.

Nachdem am Wochenende ein 35-jähriger Chemnitzer erstochen wurde, kursiert nun offenbar der Haftbefehl gegen einen der beiden Tatverdächtigen im Internet. Ein Iraker und ein Syrer stehen im Verdacht, den 35-Jährigen am Rande des Chemnitzer Stadtfestes am Wochenende erstochen zu haben. Danach hatte es rechtsextreme Krawalle in der sächsischen Stadt gegeben.

Ob es sich tatsächlich um das Original-Dokument handelt, ist unklar. Die Staatsanwaltschaft Dresden hat die Ermittlungen übernommen. „Wir gehen derzeit davon aus, dass der echte Haftbefehl im Netz verbreitet wird“, sagte Lorenz Haase, Sprecher der Staatsanwaltschaft. Am Dienstagabend war laut Polizei Chemnitz Anzeige wegen Verletzung des Dienstgeheimnisses und einer besonderen Geheimhaltungspflicht erstattet worden. Die Veröffentlichung deutet auf ein Leck innerhalb der Strafverfolgungsbehörden hin, sollte sich das Dokument als echt herausstellen.

Zuerst hatte die „Tagesschau“ berichtet. Das Dokument werde von rechten Gruppen verbreitet, teilweise ohne eine Anonymisierung. Auch Pegida-Organisator Lutz Bachmann postete ein Foto des Haftbefehls auf seiner Facebook-Seite und auf seinem Telegram-Kanal. Der Name des Tatverdächtigen ist geschwärzt, ebenso der Name des Amtsrichters, der den Haftbefehl unterzeichnet hatte.

Bundesinnenminister Horst Seehofer hat die Veröffentlichung des Haftbefehls gegen einen der mutmaßlichen Täter von Chemnitz im Internet als inakzeptabel kritisiert. „Da müssen die Justizbehörden darauf reagieren", forderte der CSU-Politiker am Mittwoch in Berlin: „Da muss man alle Möglichkeiten prüfen, die dem Rechtsstaat zur Verfügung stehen." Es könne nicht sein, das hoch persönliche Dinge und interne Abläufe der Justiz der Öffentlichkeit zugänglich gemacht würden.

(heif)
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