Änderungen des Transplantationsgesetzes: Bürger werden künftig nach Organspende-Bereitschaft befragt

Änderungen des Transplantationsgesetzes : Bürger werden künftig nach Organspende-Bereitschaft befragt

Alle Bürger über 16 Jahren sollen künftig regelmäßig zu ihrer Organspende-Bereitschaft befragt werden. Vertreter aller Fraktionen einigten sich am Donnerstag in Berlin auf eine entsprechende Änderung des Transplantationsgesetzes, wie die Vorsitzende des Gesundheitsausschusses Carola Reimann (SPD) sagte.

Eine erste Bürgerbefragung soll bereits in diesem Jahr erfolgen. Bislang müssen die Deutschen selbst aktiv werden, um sich einen Organspendeausweis zu besorgen. Mehr als 12.000 Menschen warten in Deutschland derzeit auf ein Spenderorgan. Nach Angaben der Techniker Krankenkasse (TK) sterben jedes Jahr rund 1000 Menschen aufgrund fehlender Spenderorgane.

Neben einer ersten Befragung in diesem Jahr sollen die Behörden künftig bei der Ausgabe amtlicher Ausweise - zum Beispiel Reisepass oder Führerschein - Informationen zur Organspende verteilen, sagte CDU-Gesundheitsexperte Jens Spahn. Wichtig sei, dass die Erklärung in jedem Fall freiwillig erfolge. "Es geht nicht um Zwang, sondern darum die Menschen von der Notwendigkeit zur Organspende zu überzeugen", betonte Spahn.

74 Prozent der Deutschen zu Organspende bereit

Laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung sind derzeit 74 Prozent der Deutschen zu einer Organ- und Gewebeentnahme nach ihrem Tod bereit. Allerdings besitzen nur 25 Prozent einen entsprechenden Spenderausweis. Die meisten Ausweise sind in der Gruppe der 26- bis 55-Jährigen mit 27 Prozent zu finden, die kleinste Gruppe ist mit 21 Prozent die der 56- bis 75-Jährigen.

Auch auf den elektronischen Gesundheitskarten der Krankenkassen soll ab 2017 eine Speicherung der Daten möglich sein, wie Reimann sagte. Über diesen Punkt habe es zuletzt noch Streit zwischen den Fraktionen gegeben. Der gemeinsame Antrag sei jetzt "ein wichtiges Zeichen". Er soll noch vor der Sommerpause in den Bundestag eingebracht werden.

Wie läuft die Befragung ab?

Alle Erwachsenen in Deutschland sollen ab Sommer von ihrer Krankenkassen - sei es eine gesetzliche oder eine private - Post bekommen. Sie werden damit nach ihrer Bereitschaft zur Organspende nach dem Hirntod gefragt und über das Thema aufgeklärt. Entscheiden muss sich niemand. Man soll die Aufforderung auch ungelesen wegwerfen können. Man kann auch wie bisher schon auf dem Spendeausweis nur für bestimmte Organe die Spendebereitschaft erklären.

Alle zwei Jahre soll dann erneut ein solcher Brief kommen. Die Entscheidung soll wie bisher auf dem Organspendeausweis dokumentiert werden. Wenn dies technisch möglich ist, soll sie auch in einem eigenen elektronischen Fach auf dem Chip der elektronischen Gesundheitskarte gespeichert werden können. Die Versicherten selbst, ihre Ärzte oder die Kasse sollen dies dort eintragen können.

(APD)
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