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Buchstabiertafel der Weimarer Republik kehrt zeitweise zurück

Aus D wie Dora wird wieder D wie David : Buchstabiertafel mit jüdischen Namen kehrt zeitweise zurück

Ab kommenden Herbst soll die Buchstabiertafel in der Version der Weimarer Republik zweitweise wieder gelten. Die Nationalsozialisten hatten bei ihrer Machübernahme die jüdischen Namen aus der Tafel gestrichen.

"'A' wie Anton, 'B' wie Berta": Im Zuge der Reform der offiziellen Buchstabiertafel soll ab kommendem Herbst wieder die Version der Weimarer Zeit eingesetzt werden. Das beschloss nach Informationen der Funke Mediengruppe (Donnerstag) der Arbeitsausschuss des Deutschen Instituts für Normung (DIN).

Ein Beschluss mit Symbolcharakter: Die Nationalsozialisten hatten 1934 alle jüdischen Namen aus der damaligen Buchstabiertafel getilgt. So wurde aus "'D' wie David" zum Beispiel "Dora", aus "Nathan" "Nordpol". Zwar gab es 1950 eine Überarbeitung, die aber die meisten gestrichenen Namen nicht wieder aufnahm.

Im kommenden Herbst soll ein Reformvorschlag für eine neue normierte Buchstabiertabelle vorgelegt werden, für die voraussichtlich überwiegend Städtenamen verwendet werden. Zeitgleich soll wieder die Weimarer Tabelle zum Einsatz kommen - und zwar so lange, bis die endgültige Reform im dritten Quartal 2022 in Kraft tritt.

Initiator der Aktion ist der Antisemitismusbeauftragte von Baden-Württemberg, Michael Blume. Er hatte einen Brief an das DIN geschrieben und sich für eine temporäre Rückkehr zur alten Buchstabiertafel ausgesprochen. "Mir geht es darum, dass die Tabelle der Nationalsozialisten nicht einfach weiter übernommen wird. Es ist ein schönes Signal für das Jahr, in dem wir 1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschlands feiern, deutlich zu machen, wie die Tabelle ursprünglich aussah", sagte Blume.

(bsch/kna)