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Bremen: Stromschlag lässt 14-Jährigen brennend von Bahnmast fallen

Bremen : Stromschlag lässt 14-Jährigen brennend von Bahnmast fallen

Obwohl ein Anwohner zwei Jugendliche noch vor dem Klettern auf einen Bahnstrommast warnt, nehmen beide den Mann nicht ernst. Ein 14-Jähriger erhält einen Schlag von der 15.000 Volt starken Oberleitung in Bremen und stürzt brennend aus fünf Metern Höhe zu Boden.

Ein Zufall: Der 57 Jahre alte Nachbar ist von Beruf Notarzt und eilt dem Verunglückten professionell zu Hilfe. Der Junge kommt mit schweren Verbrennungen in eine Spezialklinik und kämpft um sein Leben.

An einem Bahnübergang hätten die beiden Jugendlichen mit ihren Handys Fotos an den Gleisen aufgenommen und seien auf den Strommasten geklettert, sagt der Sprecher der Bundespolizei, Holger Jureczko. Kurz darauf gibt es einen lauten Knall sowie mehrere Lichtblitze, mit brennender Kleidung fällt der Junge nach unten. Unklar ist, ob der 14-Jährige die Leitung überhaupt berührt hat. Der 13 Jahre alte Freund erleidet einen Schock.

Bundespolizei und Bahn warnen seit langem mit Schockvideos und Kampagnen in Schulen vor Klettertouren und Selfies an Bahnanlagen - dennoch sind Unfälle wie der am Sonntag in Bremen kein Einzelfall. Bei Klettereien auf abgestellten Zügen kommt es schon seit vielen Jahren zu Stromschlägen mit meist tödlichen oder lebensbedrohlichen Folgen.

Für den Schlag muss die Leitung nicht berührt werden

Oft unterschätzten Kinder und Jugendliche schlicht die Gefahr, die von der Oberleitung ausgeht, vermutet die Bundespolizei. Etwa 65 Mal mehr Strom als in der Steckdose zu Hause fließt durch die Leitungen. Und wie bei dem Bremer Unglück ist es oft schon fatal, sich der Leitung zu nähern. Für einen Stromschlag muss man sie noch nicht einmal berühren.

Rund 50 Unfälle durch das Klettern auf Masten oder Waggons registrierte die Bahn in den vergangenen fünf Jahren. Zuletzt erlitt ein 27-Jähriger Ende Januar in Brandenburg beim Klettern auf einem Güterwagen einen tödlichen Stromschlag.

In Soest in Nordrhein-Westfalen wurde ein 19-Jähriger im Dezember bei einer ähnlichen Aktion lebensgefährlich verletzt, im Oktober starb ein 17-Jähriger in Leipzig nach schweren Verbrennungen. Auf einen Strommast kletterte ein 14-Jähriger im September in Recklinghausen, ehe er vom Schlag getroffen zu Boden fiel. Nur zwei Tage zuvor erlitten in Hamm zwei 11- und 14-Jährige beim Klettern auf Waggons Verletzungen.

Mit dem Selfie-Trend gerade auch junger Mädchen sind Selbstporträts auf Bahngleisen inzwischen ebenfalls zu einer Gefahrenquelle geworden. Weil Notfälle und damit auch Schreckmomente für die Lokführer sich häuften, griff die Bahn bei der Prävention 2015 zu drastischen Mitteln: Ein Schockvideo zeigt zwei Mädchen zunächst beim Tratschen und Nägellackieren, beide machen Fotos miteinander und laden sie hoch. Dann geht es für Selfies auf eine Bahnstrecke. Den von hinten kommenden Zug hören beide nicht. Als letzte Kameraeinstellung ist das in den Schotter geschleuderte Handy zu sehen.

Kommt die Warnung an? Anscheinend nicht bei allen, denn im Oktober etwa erlitten im südhessischen Riedstadt zwei 14-Jährige beim Anfertigen von Selfies auf einem Güterwaggon einen Stromschlag. Im März zwang eine Selfie-Aktion einer Gruppe Jugendlicher einen Zug im sächsischen Freital zu einem Notstopp. Nur dank einer Notbremsung überlebte zuvor in Baden-Württemberg eine Frau eine Selfie-Pose zwischen den Schienen. Sie rannte anschließend davon. Diese Möglichkeit hatte der 14-Jährige in Bremen nicht mehr.

(felt/dpa)