Brandenburg: Nach Straftaten keine weiteren Flüchtlinge mehr nach Cottbus

Angespannte Lage in Brandenburg : Wieder Konflikte zwischen Deutschen und Ausländern in Cottbus

Nach Auseinandersetzungen zwischen Syrern und Deutschen nimmt Cottbus zunächst keine weiteren Flüchtlinge auf. Aber die Lage in der brandenburgischen Stadt bleibt angespannt. Am Wochenende muss die Polizei erneut einschreiten.

Auf einer Geburtstagsfeier gerieten eine 18-jährige Deutsche und ein 18 Jahre alter Syrer aneinander, wie ein Polizeisprecher mitteilte. Die Beamten erteilten Platzverweise und nahmen zwei Personen in Gewahrsam, weil sie dem nicht folgten. Die 18-Jährige griff daraufhin die Polizisten an. Wenige Stunden später stritten sich fünf Deutsche und zwei ausländisch aussehende Personen in der Innenstadt, wie die Polizei weiter mitteilte. Es habe eine Rangelei gegeben, und einer der Beteiligten habe Reizgas versprüht. Die beiden ausländisch aussehenden Personen hätten die Flucht ergriffen.

In Cottbus hatte es in den vergangenen Monaten wiederholt Konflikte gegeben. Das Innenministerium verfügte danach, dass bis auf Weiteres keine Flüchtlinge mehr aus der Erstaufnahme des Landes nach Cottbus geschickt werden. "Wir werden bis auf Weiteres keine Verteilung aus der zentralen Erstaufnahmestelle in Eisenhüttenstadt vornehmen", sagte Ministeriumssprecher Ingo Decker nach einem Krisengipfel am Freitag. Der Zuweisungsstopp solle zur Entspannung beitragen. "Sonst wird das Klima noch schlechter." Zudem wurde die Polizeipräsenz erhöht.

Am Samstag hatte sich mehrere Hundert Menschen an einer rechten Demonstration in der Stadt beteiligt. Angaben zur Teilnehmerzahl machte die Polizei zunächst nicht, die Veranstalter sprachen im Internet von 2500 Menschen. An der Demo beteiligten sich auch Anhänger der AfD. Bei der Protestaktion wurden zwei Journalisten angegriffen.

"Solche Sachen sind bisher nicht üblich in Cottbus"

Die 100.000-Einwohner-Stadt in der Lausitz war binnen wenigen Tagen Schauplatz von zwei Übergriffen durch minderjährige Syrer. Am Mittwoch gab es in der Innenstadt Auseinandersetzungen zwischen deutschen und syrischen Jugendlichen, wobei ein Syrer einem 16-Jährigen eine Schnittwunde im Gesicht zufügte. Anlass des Streits war laut Medienberichten das Verhalten eines der Syrer gegenüber einer Mitschülerin.

Vier Tage zuvor war ein Ehepaar im Alter von 43 und 51 Jahren an einem Einkaufszentrum angegriffen worden. Einer der 14, 15 und 17 Jahre alten Syrer bedrohte das Paar aus offenbar nichtigem Anlass mit einem Messer. Ein Passant eilte dem Paar zur Hilfe und hielt die Angreifer zusammen mit dem Wachschutz fest, um sie der Polizei zu übergeben.

"Solche Sachen sind bisher nicht üblich in Cottbus", sagte Stadtsprecher Jan Gloßmann. "Das hat viele aufgeschreckt, dass so etwas am helllichten Tag bei uns passiert." Schon in den vergangenen Wochen hatte es verschiedentlich Auseinandersetzungen zwischen Deutschen und Flüchtlingen gegeben, oft unter Alkoholeinfluss.

"Cottbus braucht die Entlastung"

Dem Stadtsprecher zufolge zogen zuletzt viele anerkannte Flüchtlinge aus anderen Landkreisen in die Stadt, die den örtlichen Behörden gar nicht bekannt seien. "Mit einem Anstieg von 2,2 auf achteinhalb Prozent Ausländeranteil in zwei Jahren haben wir einen überproportionalen Zuzug erlebt." Die schnelle Veränderung auch im Stadtbild falle vielen Menschen nicht leicht.

"Die Lage ist schwierig", sagte Innenministeriumssprecher Decker nach einem Treffen von Schröter und Bildungsstaatssekretär Thomas Drescher (SPD) mit dem Cottbuser Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU) und Polizeivertretern. "Cottbus braucht die Entlastung." Zudem seien weitere Maßnahmen verabredet worden, darunter die Entsendung von Bereitschaftspolizisten, um fünf zusätzliche Polizeistreifen einzusetzen.

Außerdem sollen Beamte in Zivil in der Innenstadt tätig werden, ein zentraler Stadtplatz soll dauerhaft videoüberwacht werden. Ferner wurde eine engere Zusammenarbeit zwischen Schulen und Polizei verabredet, um mögliche Konflikte frühzeitig anzugehen. Die Stadt will zudem mit dem Ordnungsamt mehr Präsenz zeigen.

(wer)
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