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Kirchenaustritt: Bischofskonferenz verteidigt harte Linie

Kirchenaustritt : Bischofskonferenz verteidigt harte Linie

126 000 Deutsche sind 2011 aus der katholischen Kirche ausgetreten. Das schmälert die Kirchensteuer-Einnahmen. Bischöfe wollen damit auch den Zugang zum Kirchenleben versperren. Reformer halten dagegen nichts von "Pay und Pray".

126 000 Deutsche sind 2011 aus der katholischen Kirche ausgetreten.
Das schmälert die Kirchensteuer-Einnahmen. Bischöfe wollen damit auch den Zugang zum Kirchenleben versperren. Reformer halten dagegen nichts von "Pay und Pray".

Die Deutsche Bischofskonferenz bleibt bei ihrer harten Linie im Umgang mit Kirchenaustritten. Wenn sich Menschen in einem öffentlichen Akt von der Kirche distanzierten, müsse das Konsequenzen haben, sagte Erzbischof Robert Zollitsch (Freiburg) zum Auftakt der Herbst-Vollversammlung am Montag in Fulda. Ein am Donnerstag veröffentlichtes und vom Vatikan bestätigtes Dekret stellt klar, dass es nicht möglich ist, aus der Kirche auszutreten und zugleich gläubiges Mitglied zu bleiben. Damit macht die katholische Kirche die Mitgliedschaft von der Zahlung der Kirchensteuer abhängig.

Kritik an der Botschaft der Bischöfe

Die Reformbewegung "Wir sind Kirche" sprach von einer Drohbotschaft an das Kirchenvolk. ""Pay und Pray!" (Zahle und bete!) ist ein völlig falsches Signal zum falschen Zeitpunkt", sagte Christian Weisner von den Reformern. Der Beschluss sei keine Motivation, der Kirche treu zu bleiben oder ihr beizutreten.

Die Kirchenbewegung glaubt, dass die deutschen Bischöfe und der Vatikan große Angst haben vor weiteren erheblichen Einnahmeverlusten bei der Kirchensteuer. 2011 sind mehr als 126 000 Menschen in Deutschland aus der Kirche ausgetreten. Fraglich sei außerdem, welche Rechtskraft das Dekret habe, kritisierte "Wir sind Kirche".

Präzedenzfall

Am Mittwoch verhandelt das Bundesverwaltungsgericht dazu einen wichtigen Fall. Der Kirchenrechtler Hartmut Zapp hatte 2007 seinen Austritt aus der Kirche als Körperschaft des öffentlichen Rechts erklärt und keine Kirchensteuern mehr gezahlt. Er erklärte jedoch, er sei weiterhin gläubiges Mitglied der Kirche. Dagegen klagt das Erzbistum Freiburg. Zollitsch zeigte sich siegessicher. Er sei überzeugt, dass die Entscheidung zugunsten der Kirche ausfalle.

Die Vollversammlung steht im Zeichen mehrerer Reformvorstöße aus dem Kreis der Bischöfe. Sie wollen Wiederverheirateten unter bestimmten Umständen die Teilnahme an der Kommunion ermöglichen und Frauen mehr Einfluss in der Kirche geben.

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"In der Frage der Beteiligung der Frau sehe ich einen großen Spielraum", sagte Zollitsch. Ihnen könnte ebenso wie Laien mehr Verantwortung in der Kirche übertragen werden könne. Zum Umgang mit Wiederverheirateten sagte Zollitsch: "Wir müssen an die Details." Es wurden kontroverse Debatten erwartet.

(dpa)