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Wut auf Franz-Peter Tebartz-van Elst: Bischof-Familie berichtet von Morddrohungen

Wut auf Franz-Peter Tebartz-van Elst : Bischof-Familie berichtet von Morddrohungen

Die Empörung über den als "Protz-Bischof" kritisierten Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst erlangt radikale Auswüchse. Sie trifft auch Angehörige des Bischofs. Manche schrecken offenbar selbst vor Drohungen nicht zurück. "Wir bekommen täglich Morddrohungen", sagt sein Schwager.

"Am liebsten würden wir hinschmeißen", heißt es nun aus dem Mund von Johannes Winkels, dem Schwager des Bischofs. Gegenüber der Zeitschrift "Bunte" schilderte er, wie die Affäre auch ihn und seine Familie betrifft. Auch die 87-jährige Mutter von Tebartz-van Elst bleibt demnach nicht von wüsten Beschimpfungen verschont.

Der Limburger Bischof steht seit bald zwei Wochen massiv in der Kritik. Ihm wird Protz und Verschwendungssucht vorgeworfen, weil der Umbau seines Bischofssitzes wegen diverser Extra-Wünsche Millionen verschlungen hat. Der Umbau steht im krassen Widerspruch zu der aktuell von Papst Franziskus vorgelebten neuen Bescheidenheit der katholischen Kirche. Seitdem der Fall publik wurde, treten Gläubige in Scharen aus der Kirche aus.

Ob an der katholischen Basis, in den Medien oder sozialen Netzwerken — der Fall sorgte allgemein für Fassungslosigkeit. Wie nun "Bunte" berichtet schrecken manche selbst vor konkreten Drohungen nicht zurück. Die Familie in der niederrheinischen Heimat hat Angst: "Wir bekommen täglich Morddrohungen. Per Telefon oder in Briefen", zitiert das Blatt den Schwager des Geistlichen, Johannes Winkels.

"Man will ihn noch weiter vernichten"

Aus seiner Sicht hat die Empörung jedes Maß verloren. Auch im Heimatort am Niederrhein werde die Familie beschimpft, so Winkels: "Mein Schwager liegt doch schon am Boden. Aber man will ihn noch weiter vernichten. Und seine Familie dazu. Am liebsten würden wir alles hinwerfen und Deutschland verlassen." Aber die Familie stehe weiter zu ihm.

Auch andere in Tebartz-van Elsts Heimat reagieren verhalten auf die Welle der Kritik. Sie tun sich schwer damit, weil sie den jetzigen Bischof anders in Erinnerung haben. Nämlich als bescheidenen, umgänglichen Menschen. "Er ist auf dem elterlichen Hof bestimmt nicht verwöhnt worden", erinnert sich ein alter Schulfreund. Er habe ihn mal besucht, als er im Priesterseminar war. "Da waren die Wände seiner Bude mit Sackleinen dekoriert, das ganze Umfeld machte eher einen asketischen Eindruck."

"Sehr gut verlaufen"

Seit seiner Audienz beim Papst am vergangenen Montag ist der umstrittene Bischof abgetaucht. Sein Aufenthaltsort: unbekannt. Dem Bericht der Bunten zufolge kann er mit dem Verlauf der Dinge jedoch recht zufrieden sein. Schon nach seinem Treffen mit Papst Franziskus hatte Tebartz-van Elst gute Stimmung verbreiten lassen und von einem "ermutigenden Gespräch" gesprochen.

In Rom finde der Bischof aber "Rückhalt und sachliche Hilfe", schreibt nun die Illustrierte und zitiert dazu einen namenlosen "Vatikan-Insider" mit den Worten: "Im Umfeld des Papstes ist man überzeugt davon, dass er den Bischof nicht opfern wird. Papst Franziskus ließ sich schon in Buenos Aires nicht von der öffentlichen Meinung treiben." Die Papst-Audienz am Montag sei für Tebartz-van Elst "sehr gut" verlaufen.

Eine Art Märtyrer

So namenlos die Quelle des Blattes auch ist — dass der Papst den Stab über Tebartz-van Elst brechen wird, ist tatsächlich wenig wahrscheinlich. Bis zu einer Entscheidung über Zukunft für Bistum und Bischof wird er vermutlich lieber weitere Zeit vergehen lassen. Und die Zeit arbeitet zunächst für Tebartz-van Elst. Denn es beginnt, so wird behauptet, zunehmend nach "Treibjagd" gegen einen unbequemen Hirten zu riechen. Und Gerüchte, der Bischof leide unter dem Asperger-Syndrom, könnten aus der Finanzierungs- und Führungsdebatte sogar eine Art Märtyrer-Erzählung machen.

Wann sich der Limburger Bischof auf den Heimweg macht, bleibt unklar. Medienberichte, wonach er für Dienstag einen Rückflug nach Deutschland gebucht haben soll, wurden von einem Sprecher der Diözese weder bestätigt noch dementiert.

Seine Abwesenheit schafft Probleme

Der katholische Oberhirte kommt seit Wochen wegen seiner umstrittenen Amtsführung und der mindestens 31 Millionen Euro teuren Bischofsresidenz nicht aus den Schlagzeilen. Der Vorgang stürzte die katholische Kirche in Deutschland in eine neue Krise.

Medienberichten zufolge sorgt die lange Abwesenheit des Bischofs auch für Probleme im Bistums-Alltag, da zum Beispiel wichtige Unterschriften fehlen. Der Sprecher der Diözese erklärte dazu: "Es greifen jetzt wie sonst auch die Regularien, wenn sich der Bischof nicht im Bistum aufhält."

Hier geht es zur Bilderstrecke: Bischof Tebartz-van Elst - eine Chronik der Skandale

(pst)