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"Big Brother"-Provokation: NS-Symbolik soll für Aufmerksamkeit sorgen

„Provokation Teil des Konzepts“ : „Big-Brother“-Kampagne löst Debatte aus

Eine umstrittene Werbekampagne von Sat.1 für die kommende „Big-Brother“-Staffel ist nach Einschätzung der Hamburger Medienwissenschaftlerin Joan Kristin Bleicher eine bewusste Provokation, stellt aber keinen neuen Tabubruch dar.

Für die Realityshow sei bereits in der Vergangenheit mit NS-Symbolik geworben worden, was zu Recht scharf kritisiert worden sei, sagte Bleicher am Montag dem Evangelischen Pressedienst (epd). „Die Provokation ist Teil des Konzepts, um Aufmerksamkeit zu erregen“, erklärte sie.

Das gelte auch für andere Reality-Formate. So seien die nun bei „Big Brother“ kritisierten gelben Bewertungssterne auch schon in der als „Dschungelcamp“ bekannten RTL-Sendung „Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!“ eingesetzt worden.

Sat.1 hatte am Wochenende einen Werbespot für die 13. „Big-Brother“-Staffel veröffentlicht, die am 10. Februar startet. Unter anderem wurden darin der Slogan „Wie viel ein Mensch wert ist, bestimmst Du“ und gelbe Sterne zur Bewertung der Kandidaten eingeblendet. In sozialen Medien wurde die Kampagne als geschichtsvergessen angeprangert, eine Nutzerin warf den Verantwortlichen vor, die Opfer des Nationalsozialismus zu verhöhnen. Einige Zuschauer fühlten sich nach eigenen Worten an die gelben Sterne erinnert, die Juden in der NS-Zeit tragen mussten. Auf Kritik stieß auch der Song zu der Staffel mit dem Titel „Follow the Leader“ („Folge dem Führer“).

Bleicher sagte, die Werbeaktion sei möglicherweise bewusst um den Holocaust-Gedenktag am Montag platziert worden. „Big Brother“ sei aktuell besonders auf Aufmerksamkeit angewiesen, da das Format seit Jahren krisele, erklärte die Expertin für Reality-Fernsehen. Eine neue Qualität der Grenzüberschreitung sehe sie bei der aktuellen Kampagne aber nicht. Die Kritik an der Sendung als „Menschenzoo“ existiere schon seit der ersten Staffel in Deutschland im Jahr 2000.

Sat.1 verteidigte die Kampagne. Es sei mittlerweile „normal“ geworden, in Online-Portalen Produkte oder auch Personen zu bewerten, auch mit gelben Sternen, sagte eine Sendersprecherin dem Evangelischen Pressedienst (epd). Vorwürfe des Antisemitismus bezeichnete der Sender in einer Erklärung als „absurd“. „Für und bei SAT.1 hat jegliches antisemitisches Gedankengut keinen Platz“, hieß es. „Big Brother“ sei schon immer „ein Sozialexperiment“.

Der Sender bringt „Big Brother“ nach fünf Jahren Pause auf die deutschen Fernsehbildschirme zurück. Zuletzt war das umstrittene Format in Deutschland 2015 in der elften Staffel beim Sender Sixx gelaufen, Sat.1 hat seit 2013 den Ableger „Promi Big Brother“ im Programm. Zum Start im Jahr 2000 lief die Show noch bei RTL II, später dann auch beim Pay-TV-Sender Premiere beziehungsweise dessen Nachfolger Sky. Ursprünglich stammt die Show aus den Niederlanden.

(ala/epd)