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Schockierende Details: Betonleiche: Ein Angeklagter gesteht

Schockierende Details : Betonleiche: Ein Angeklagter gesteht

Stuttgart (RPO). Der Mord an dem 19-jährigen Gymnasiasten Yvan S. schockierte die Republik. Drei junge Männer und eine Frau erschienen nun in Stuttgart erstmals vor Gericht. Sie sollen den jungen Franzosen erschlagen, zerstückelt und in Blumenkübeln einbetoniert und versenkt haben. Einer der Angeklagten legte ein Geständnis ab und schilderte schockierende Details.

Die Staatsanwaltschaft wirft den 17 bis 23 Jahre alten Angeklagten vor, den Gymnasiasten mit Tritten und Schlägen umgebracht und die Leiche anschließend zerstückelt und einzementiert zu haben. Ein 18-jähriger Mitangeklagter gestand. Seine Schilderungen entsetzten das Publikum mit teilweise schockierenden Details. Er bestritt jedoch eine Tötungsabsicht.

Die Staatsanwaltschaft geht von einem gemeinschaftlichen Mord aus - heimtückisch und aus niederen Beweggründen heraus begangen. Hauptangeklagter ist ein zur Tatzeit 18-Jähriger, dem übersteigerte Eifersucht nachgesagt wird. Er soll auf seine Beziehung zu der 17-jährigen Mitangeklagten fixiert gewesen sein und im Sommer 2007 beschlossen haben, vermeintliche Ex-Freunde des Mädchens zu bestrafen oder umzubringen. Seine Freundin hatte ihm laut Anklage unter anderem erzählt, dass Yvan S. ihr erster Sexualpartner gewesen sei, was allerdings nicht stimmte.

Gemeinsam mit dem damals noch 16-jährigen Mädchen, dem 18-jährigen Mitangeklagten und einem 23-Jährigen soll der Hauptbeschuldigte beschlossen haben, den Schüler umzubringen. Das Mädchen habe den 19-Jährigen hierfür auf eine Wiese bei Kernen-Rommelshausen gelockt, wo der Hauptangeklagte und der 18-Jährige ihn mit einem Baseballschläger und Tritten zu Tode quälten. Die Leiche brachten sie laut Anklage dann nach Stuttgart, um sie dort in 14 Teile zu zerlegen und teilweise in Blumenkübeln einzuzementieren, was mehrere Tage gedauert haben soll. Die Kübel wurden im Neckar versenkt, der Torso der Leiche in einem Waldgebiet versteckt.

Der 18-jährige Mitangeklagte räumte seine Beteiligung an dem Verbrechen ein. Er sei jedoch davon ausgegangen, dass der Schüler nur geschlagen und nicht getötet werden sollte. "Ich habe nicht gedacht, dass es zu so etwas kommt - dass er stirbt", sagte der Beschuldigte. Die Eltern des Opfers, die als Nebenkläger auftraten, verließen bei der detaillierten Schilderung des Verbrechens durch den Angeklagten den Gerichtssaal. Auch viele Zuschauer zeigten sich entsetzt über die Einzelheiten.

Alle Angeklagten gelten als weitgehend geständig. Der Verteidiger des Hauptangeklagten kündigte jedoch an, dass sein Mandant zunächst keine Angaben machen wird. Er hält den inzwischen 19-Jährigen wegen einer wahnhaft-psychischen Störung und der Einnahme von Medikamenten für verhandlungsunfähig. Das Gericht sah dies allerdings nicht so. Es berief sich auf ein Gutachten, wonach der Heranwachsende zwar selbstmordgefährdet und krankhaft eingeschränkt ist, dem Verhandlungsablauf aber folgen kann.

Begleitet wurde der Prozessauftakt von einer Anti-Gewalt-Demonstration. Rund 50 frühere Freunde und Vereinskollegen des Opfers kamen vor dem Gerichtsgebäude zu einem stillen Protest zusammen. Sie trugen T-Shirts mit der Aufschrift "Gewalt hilft niemals weiter". Im Umfeld des Opfers hat sich zudem eine Initiative gebildet, die nach eigenen Angaben fast 15 000 Unterschriften für eine schärfere Bestrafung von Heranwachsenden gesammelt hat. Die Anwältin der Eltern forderte am Rande des Verfahrens jedoch einen Prozess "frei von Politik".

Alle Angeklagten konsumierten nach eigener Darstellung regelmäßig Marihuana. Die drei männlichen Angeklagten sind wegen Diebstahls-, Drogen- oder Körperverletzungsdelikten vorbestraft. Für den Prozess sind bis 5. März sechs Verhandlungstage vorgesehen. Das Gericht hat 24 Zeugen und vier Sachverständige geladen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Prozess um Betonleiche: Angeklagte vor Gericht

(ap)