Beschluss der Unesco: Deutschland hat zwei neue Welterbestätten

Unesco-Beschluss : Deutschland hat zwei neue Welterbestätten

Die deutsch-tschechische Montanregion Erzgebirge/Krusnohori und das historische Augsburger Wassermanagement-System sind von der Unesco in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen worden.

Damit verzeichne Deutschland insgesamt 46 Welterbestätten, teilte das in Aserbaidschans Hauptstadt Baku tagende Welterbekomitee am Samstag mit. Der Beschluss zur Welterbe-Bewerbung des sogenannten Donaulimes wurde dagegen vertagt. Das Komitee tagt noch bis 10. Juli.

Zum Augsburger Wassermanagement-System hieß es, die Stadt zwischen den Flüssen Lech und Wertach habe sich über acht Jahrhunderte zu einem Innovationszentrum des Wasserbaus und der Wasserkraft entwickelt, was sich in zahlreichen Architektur- und Technikdenkmälern widerspiegele. Mit dem Eintrag in die Unesco-Liste würden jedoch nicht nur Wasserbau- und Brunnenkunst gewürdigt, „sondern auch der nachhaltige Umgang mit unserer wertvollsten Ressource seit über 100 Jahren“, würdigte Michelle Müntefering, Kultur-Staatsministerin im Auswärtigen Amt, in Berlin die Entscheidung.

Die Augsburger Bewerbung umfasste insgesamt 22 Objekte des Wasserbaus, der Wasserkraft, der Trinkwasserversorgung und der Brunnenkunst. So gehören etwa die Kanäle, die die Stadt durchziehen, ebenso zum Wassersystem wie zwei Wassertürme aus dem 15. Jahrhundert, Prachtbrunnen aus dem 16. Jahrhundert, ein historisches Wasserwerk aus dem 19. Jahrhundert und die olympische Kanustrecke von 1972. „530 kleine und große Brücken führen über Bäche und Kanäle der Stadt - damit zählt Augsburg mehr Brücken als Venedig“, hebt die Unesco hervor.

Die deutsch-tschechische Montanregion Erzgebirge/Krusnohori gelte als herausragendes Zentrum wissenschaftlich-technologischer Bergbauinnovation und als einzigartige montane Kulturlandschaft, erklärte das Welterbekomitee. Die Montanregion ist die zweite Welterbestätte in Sachsen. Der Fürst-Pückler-Park in Bad Muskau (Landkreis Görlitz) hatte bereits 2004 als sächsisch-polnisches Projekt den Status erhalten.

„Das sächsisch-böhmische Erzgebirge war seit dem 12. Jahrhundert Impulsgeber für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung in Bergbauregionen auf dem gesamten Kontinent“, betonte Maria Böhmer, Präsidentin der Deutschen Unesco-Kommission. „Durch die Auswanderung gut geschulter Bergleute wurde Wissen weithin exportiert. Im Erzgebirge etablierten sich Verwaltungsstrukturen und Finanzsysteme, die maßgeblichen Einfluss auf Bergbauprojekte in ganz Europa hatten.“ 800 Jahre Bergbau prägten noch heute das Gesicht der Region.

Dagegen vertagte das Unesco-Welterbekomitee die Beschlussfassung zur transnationalen Welterbe-Bewerbung des Donaulimes. Der Weltdenkmalrat Icomos habe dem Unesco-Komitee ursprünglich empfohlen, die gemeinsame Nominierung Deutschlands, Österreichs, der Slowakei und Ungarns in die Welterbeliste aufzunehmen, hieß es dazu. Kurz vor der Komiteesitzung habe Ungarn aber ein Teilstück der Stätte im Norden von Budapest, den Statthalterpalast in der archäologisch erhaltenen römischen Stadt Aquincum, aus der Nominierung gestrichen. Laut Icomos ist der Palast von besonderer Bedeutung für die gesamte Bewerbung.

Der bayerische Kunstminister Bernd Sibler (CSU) bedauerte die Verschiebung. Durch den gemeinsamen Antrag sollte der Donaulimes als „Nasser Limes“ an den bereits als Weltkulturerbe eingestuften Obergermanisch-Raetischen Limes anschließen. Beide stehen unter dem Thema „Grenzen des römischen Reiches“. Während der Obergermanische Limes in Bayern über Land von Unterfranken bis Niederbayern führt, setzt sich der Donaulimes fort von Bad Gögging im Landkreis Kelheim über Regensburg und Straubing bis nach Passau und führt dann über Österreich und die Slowakei bis Ungarn.

Das vom 30. Juni bis 10. Juli im aserbaidschanischen Baku tagende Unesco-Welterbekomitee setzt sich aus 21 gewählten Vertragsstaaten der Welterbekonvention zusammen. Das Komitee entscheidet jährlich über die Einschreibung neuer Kultur- und Naturstätten in die Welterbeliste und befasst sich mit Bedrohungen eingeschriebener Stätten. Auf der Liste des UNESCO-Welterbes stehen derzeit mehr als 1.100 Kultur- und Naturstätten in 167 Ländern.

(mro/epd)
Mehr von RP ONLINE