Beißattacke in Hannover: Hundetrainerin stufte Hund 2011 als "Waffe" ein

Hundetrainerin von Chico nach Beißattacke: "Der Hund war eine Waffe"

Hundetrainerin Wiltrud Remstedt hat die Behörden nach eigenen Angaben schon 2011 vor Staffordshire-Terrier-Mischling Chico gewarnt. Genutzt hat das nicht viel. Sie macht der Stadt Hannover Vorwürfe. Und die kündigt Konsequenzen an. Und für Chico gibt es Hoffnung.

Gleich bei ihrem ersten Treffen mit dem Hund war Remstedt klar: "Der ist massiv aggressiv. Er sah mich, tobte, versuchte sich zu befreien, um mich anzugreifen", sagt sie. "Kein Staffordshire-Terrier ist von Geburt an aggressiv." Sie war sofort überzeugt, dass "Chico von Menschenhand zu solch einer Kampfmaschine abgerichtet worden ist".

Ihre Einschätzung: "Der Hund war eine Waffe in der Wohnung der Familie". Ihren Bericht übergab sie nach eigenen Angaben dem Sozialarbeiter, der für die Halterfamilie zuständig war und den Termin mit ihr vereinbart hatte. Er leitete diesen an die Stadt weiter. Doch es passierte nichts. Das war 2011. Vergangenen Dienstag biss der Hund seinen 27-jährigen Halter und dessen 52-jährige Mutter tot.

Chico landete bei Remstedt, weil Nachbarn Alarm geschlagen hatten. Er belle permanent, niemand würde mit ihm Gassi gehen und er mache sein Geschäft auf dem Balkon. "In der Wohnung war der Hund in einem Zwinger eingesperrt", sagt Remstedt. "Die Mutter war pflegebedürftig. Das Pflegepersonal hat sich nur in die Wohnung getraut, wenn der Hund im Zwinger eingesperrt war."

"Der Hund wurde nie sozialisiert und nie geprägt", sagt die Hundetrainerin. "Die Familie war einfach nicht in der Lage, den Hund zu halten." Das schrieb sie auch in ihren Bericht, der ihrer Aussage nach seit 2011 dem Veterinäramt vorliegt. "Ich bin erschüttert über den Vorfall", sagt sie. "Der Sozialarbeiter hat sich an die Stadt gewandt und stand vor verschlossenen Türen. Die Stadt hat nicht gehandelt."

Stadt prüft personelle Konsequenzen

Am Montagnachmittag gab die Stadt Hannover bekannt, dass der Vorfall für Mitarbeiter der Stadt personelle und strafrechtliche Konsequenzen haben könnte. Das kündigte Ordnungsdezernent Axel von der Ohe an. Dabei geht es um Versäumnisse beim Veterinäramt: Bereits im Jahr 2011 habe die Behörde durch das Amtsgericht Hinweise erhalten - sowohl auf eine gesteigerte Aggressivität des Hundes wie auf eine mangelnde Eignung des Halters.

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Dieser Halter sei einer angeordneten Begutachtung aber nicht nachgekommen. Dass ihm der Hund darauf nicht entzogen wurde und die Veterinärbehörde die Sache auf sich beruhen ließ, ist nach den Angaben des Ordnungsdezernenten ein gravierender Mangel. Der Sachverhalt werde nun der Staatsanwaltschaft vorgelegt und arbeitsrechtliche Schritte würden geprüft, so von der Ohe.

Wie es für Chico weitergehen könnte

Außerdem prüft die Stadt, ob Chico in eine Spezialeinrichtung kommt. Das Tierheim, in dem Chico derzeit untergebracht ist, habe vorgeschlagen, den Hund in einer speziell gesicherten besonderen Einrichtung für auffällig gewordene Tiere unterzubringen. Ursprünglich wollte die Stadt den Hund einschläfern. Die spezielle Einrichtung befinde sich außerhalb Niedersachsens. Ob diese Alternative gewährleisten kann, dass der Hund keinem Menschen mehr Schaden zufügt, werde geprüft.

Mit dem Tierheim solle erörtert werden, wie es mit Chico weitergeht, erklärte Stadtsprecher Udo Möller. Der Hund bleibe bis zu einer Entscheidung im Tierheim. Tierschützer hatten in einer Petition dazu aufgerufen, den Hund nicht zu töten. "Bitte lasst Chico leben! Er hatte nie ein gutes Hundeleben!", hieß es online in einem Aufruf.

Mit Agenturmaterial

(eler / felt)