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Bei Rock am Ring 2018 standen Stars wie Jared Leto im Vordergrund

Rock am Ring 2018 : Ein ganz normales Spektakel

Nach turbulenten Jahren mit Unwettern und Verletzten standen bei „Rock am Ring“ wieder die Musiker im Fokus. Rund 71.000 Menschen erlebten ein rundum gelungenes Festival. Nächstes Jahr sollen die Ärzte kommen.

Das Beste hat sich Marek Lieberberg für den Schluss aufgespart: „Wir freuen uns, im kommenden Jahr die Ärzte bei Rock am Ring und Rock im Park begrüßen zu dürfen. Nach sechsjähriger Live-Pause wird die Band bei uns ihre einzigen Deutschland-Auftritte des Jahres spielen.“ Mit dieser Ankündigung beendet der Veranstalter des größten Musikfestivals Deutschland gestern die diesjährige Ausgabe der Traditionsveranstaltung in der Eifel. Vergessen sind die Schlagzeilen, in die „Rock am Ring“ in den vergangenen Jahren gerutscht ist. Vergessen die Befürchtungen mancher Fans, das Festival komme nach all den Rückschlägen nicht mehr richtig auf die Beine: Mit den Ärzten steht schon jetzt fest, dass Rock am Ring 2019 ein großer Erfolg wird.

Das traditionsreiche Musikfestival hat unruhige Zeiten hinter sich. Nach Unstimmigkeiten mit dem neuen Eigentümer des Nürburgrings zogen die Macher im Jahr 2015 auf den 40 Kilometer entfernten Flugplatz in Mendig. Im ersten Jahr schlugen dort Blitze im Backstage-Bereich und auf Zeltplätzen ein und verletzten mehr als 30 Menschen.

Ein Jahr später zogen erneut Unwetter über Mendig hinweg, rund 70 Menschen wurden verletzt, zwei von ihnen mussten wiederbelebt werden. Marek Lieberberg brach das Festival daraufhin auf Geheiß der Behörden ab. „Die Absage ist die schlechtest mögliche Entscheidung“, sagte er damals unserer Zeitung. 2017 fand „Rock am Ring“ wieder im Schatten der Nürburg statt – und wurde am ersten Abend wegen einer Terrorwarnung während des Auftritts der Düsseldorfer Band Broilers unterbrochen, konnte aber einen Tag später fortgesetzt werden.

Das alles war in diesem Jahr kein Thema mehr am Ring. Die Fans erlebten drei Tage feinstes Festival-Feeling. Und auch die Verantwortlichen zeigten sich zufrieden: „Alles im grünen Bereich“, bestätigte Polizeidirektor Gerd Bertram die Situation auf Festivalgelände und den Campingplätzen. Kaum Einsätze für die Polizei, die Rettungskräfte mussten rund 3600 Mal aktiv werden und Verletzungen von der Blase am Fuß bis hin zum Knochenbruch behandeln. „Das liegt im normalen Bereich“, erklärt Rotes-Kreuz-Sprecher Thorsten Trütgen.

Mehr als 80 Bands hatten seit Freitagnachmittag die Eifel zum Beben gebracht. Headliner des dreitägigen Festivals waren Muse, 30 Seconds to Mars und die Foo Fighters. Außerdem gaben sich Body Count, Bullet For My Valentine und Avenged Sevenfold die Ehre. Aber auch bekannte Bands außerhalb des Rock-Genres spielten am Ring: Rapper Casper, die Crossover-Cartoon-Band Gorillaz und die Alternative-Stars von Snow Patrol standen auf den insgesamt drei Bühnen.

71.400 Fans fanden den Weg an die legendäre Rennstrecke. Viele reisten dank des Feiertags bei strahlendem Sonnenschein bereits am Mittwoch oder Donnerstag an. In der Nacht zu Freitag zog dann ein Unwetter über die Campingplätze hinweg, das viele Zelte und Pavillons beschädigte. Die Besucher mussten mitten in der Nacht in ihre Autos umziehen oder spezielle Blitzschutzzonen aufsuchen. „Ich hatte in meinem Leben noch nie so viel Angst“, sagt Jule (24) aus Dülken. Blitze schlugen überall ein, ohrenbetäubender Donner hallte durch die Eifeltäler. Eine extrem unruhige Nacht, wie auch Sebastian (18) aus Aachen berichtet: „Ich konnte kaum schlafen. Ab 3.30 Uhr donnerte es, Blitze schlugen überall ein. Mein Kumpel hat vergessen, sein Zelt zuzumachen. Das stand sofort unter Wasser.“ Am Freitag schüttete es weiter, einige Zeltplätze versanken im Schlamm. Samstag und Sonntag blieb es trocken, die Sonne ließ sich sogar immer wieder blicken.

Rock am Ring war seit vielen Jahren erstmals nicht ausverkauft: Die Veranstalter blieben auf rund 16.000 Karten sitzen. „So viel Pech, wie wir in den vergangenen drei Jahren hatten, kann man kaum haben. Daran gemessen ist die Resonanz überwältigend“, sagt Marek Lieberberg. Einige Besucher sehen den Grund aber woanders: „Das ist kein besonders gutes Line-up“, sagt Stefan (28) aus Düsseldorf. Den Grundgedanken des Festivals sieht Sebastian (18) vernachlässigt: „Vieles hat nichts mehr mit Rock zu tun. Wer braucht schon so viele Rapper...?“, fragt er sich. Auch mit seichten Popbands wie Snow Patrol hat der Hardrocker in Lederjacke und zerrissener Jeans seine Probleme. Außerdem kritisierten einige Besucher den Preis für Eintrittskarte und Zeltplatz: Ab etwa 200 Euro gab es beides im Vorverkauf, wer auf eine Stromversorgung im Zelt Wert legte, musste 60 Euro mehr auf den Tisch legen. „Das gibt es bei anderen Festivals mit vergleichbarem Line-up preiswerter“, sagt Jannik (21) aus Düsseldorf. Dennoch: Mit der Ankündigung, im kommenden Jahr die Ärzte an den Ring zu holen, hat Marek Lieberberg einen echten Coup gelandet.