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Prozess wird heute fortgesetzt: Befangenheitsanträge gegen Kachelmann-Gutachter

Prozess wird heute fortgesetzt : Befangenheitsanträge gegen Kachelmann-Gutachter

Mannheim (RPO). Im Vergewaltigungsprozess gegen den TV-Moderator Jörg Kachelmann will die Staatsanwaltschaft Mannheim heute Befangenheitsanträge gegen zwei von Kachelmann beauftragte Gutachter stellen. Der Prozess um den Vergewaltigungsvorwurf gegen Kachelmann wird heute fortgesetzt.

Beide Gutachter haben nach Medienberichten Zweifel, dass die Aussagen des mutmaßlichen Vergewaltigungsopfers der Wahrheit entsprechen. Die Staatsanwaltschaft zweifelt wiederum an der Neutralität der beiden von Kachelmann beauftragten Gutachter.

Dem 52-jährigen Schweizer wird vorgeworfen, seine langjährige Freundin am 9. Februar 2010 in ihrer Wohnung mit einem Messer bedroht und vergewaltigt zu haben. Der Meteorologe bestreitet die Tat und spricht von einer Falschanschuldigung. Da Aussage gegen Aussage steht, wird den medizinischen und psychologischen Gutachten hohe Bedeutung beigemessen.

Bei den beiden Professoren handelt es sich um den psychologischen Gutachter Tilman Elliger (Köln) und den Rechtsmediziner Bernd Brinkmann (Münster). Staatsanwalt Lars-Torben Oltrogge nannte deren im Ermittlungsverfahren abgegebenen schriftlichen Stellungnahmen als Grund, an ihrer Neutralität zu zweifeln. Außerdem sei Elliger am Abend von Kachelmanns Haftentlassung mit ihm und anderen im Restaurant gewesen.

Kachelmanns Medienanwalt Ralf Höcker weist den Vorwurf der Befangenheit zurück. Elliger sei am Abend von Kachelmanns Entlassung aus der Untersuchungshaft im Restaurant vorbeigekommen, habe einen Espresso getrunken und sei dann wieder gegangen. "Das ist kein Befangenheitsgrund," so Höcker zur Nachrichtenagentur dapd. Es sei normal, dass ein Gutachter mit dem Mandanten seines Auftraggebers spreche.

Weiter sollen am vierten Verhandlungstag vor dem Landgericht Mannheim Hotelangestellte vernommen werden, bei denen Kachelmann wenige Stunden nach der angeblichen Vergewaltigung eincheckte. Er übernachtete im Hotel, weil er am Folgetag von Frankfurt aus zu den Olympischen Spielen nach Vancouver flog, wo er Wettervorhersagen für die Winterspiele machte. Nach seiner Rückkehr am 20. März 2010 wurde er in der Tiefgarage des Flughafens verhaftet.

Hier geht es zur Infostrecke: Chronik: Der Fall Jörg Kachelmann

(apd/sdr)