Nach Bombenfund in Bonn: Bahn und Polizei streiten über fehlende Videobilder

Nach Bombenfund in Bonn : Bahn und Polizei streiten über fehlende Videobilder

Nach dem versuchten Anschlag im Bonner Hauptbahnhof führen verschiedene Spuren in die rheinische Islamistenszene. Wie mehrere Medien am Wochenende unter Berufung auf Sicherheitskreise berichteten, wurde ein Tatverdächtiger inzwischen identifiziert. Derweil stritten die Deutsche Bahn und die Bundespolizei darüber, warum Videobeweise vom Tatort fehlen.

Die Bombe soll am Montag am Bonner Hauptbahnhof abgestellt worden sein, sie löste keinen Schaden aus. Seit Freitag führt die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe die Ermittlungen. Ein Sprecher der Ermittlungsbehörde wollte am Sonntag keine neuen Angaben zum Stand der Ermittlungen machen und auch die Medienberichte vom Wochenende nicht weiter kommentieren.

Bei dem den Berichten zufolge identifizierten Verdächtigen handelt es sich um den aus Somalia stammenden Extremisten Abdirazak B., der auch über Kontakte zum Terrornetzwerk Al-Kaida verfügen soll. Wie die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" berichtete, erkannten Ermittler in B. den dunkelhäutigen Mann, der die Bombe am Montag in Bonn deponiert haben soll. Er werde der radikalislamischen Szene in der Bundesstadt zugeordnet.

Auch der WDR berichtete, einer der drei Tatverdächtigen in Verbindung mit dem Bonner Anschlagsversuch sei identifiziert worden. Allerdings verwies der Sender dabei nicht auf B. Die Rede war von einem Mann aus dem nordrhein-westfälischen Langenfeld. Gesucht wird den Berichten zufolge auch ein hellhäutiger Mann mit Bart, der die Tasche mit der Bombe am Bahnhof an seinen dunkelhäutigen Komplizen übergeben haben soll. Berichten zufolge soll die auf dem Bonner Hauptbahnhof deponierte Bombe gezündet worden seien. Nur aufgrund technischer Probleme erfolgte demnach keine Detonation.

Die Deutsche Bahn und die Bundespolizei stritten derweil über die Verantwortung dafür, warum von den sechs Überwachungskameras am Bonner Hauptbahnhof keine Videobilder aufgezeichnet wurden. Ein Bahnsprecher sagte der "Bild am Sonntag": "Die Bundespolizei beauftragt die Deutsche Bahn, an welchen Bahnhöfen unsere Kamerabilder für sie aufgezeichnet und gespeichert werden. Am Bonner Bahnhof hatten wir von der Bundespolizei keinen Auftrag für Video-Aufzeichnungen."

Ein Sprecher der Bundespolizei sagte dem Blatt dagegen, bei der Bahn habe es an "Aufzeichnungskapazitäten" gefehlt. "In Bonn waren diese nicht vorhanden, somit liefe eine Anforderung auf Grund fehlender Speicherkapazität ins Leere." Dies wiederum wies eine Bahnsprecherin gegenüber AFP zurück: "Wir schaffen überall die nötigen Kapazitäten, wenn die Bundespolizei uns beauftragt", sagte die Sprecherin. Die Gewerkschaft der Polizei forderte, dass die Bundespolizei selbst die Videoanlagen betreiben und entscheiden soll, wo Bilder aufgezeichnet werden.

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) forderte als Konsequenz aus dem Anschlagsversuch die Ausweitung der Videoüberwachung. Mit einer besseren Technik ließen sich "Gewalttäter abschrecken und geplante Anschläge aufklären", sagte Friedrich dem "Spiegel".

FDP-Generalsekretär Patrick Döring lehnte den Vorschlag ab. "Wir brauchen jetzt keine neue Debatte über Strafverschärfungen oder mehr Videoüberwachung", sagte Döring den Zeitungen der WAZ-Gruppe (Montagausgaben). "Vielmehr sind effektive Sicherheitsbehörden nötig, die den Fall aufklären." Auch Vertreter von SPD und Grüne lehnten in Interviews ein Mehr an Videoüberwachung ab.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Versuchter Bombenanschlag auf Bonner Hauptbahnhof

(lnw/felt/csr/nbe)
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