Diakonie-Stiftung in Düsseldorf: Autistische Kinder sollen misshandelt worden sein

Diakonie-Stiftung in Düsseldorf: Autistische Kinder sollen misshandelt worden sein

Düsseldorf (RPO). Misshandlungsverdacht bei der Diakonie: Mit zweifelhaften Therapie-Methoden sollen Mitarbeiter einer Einrichtung des evangelischen Sozialwerks über Monate autistische und verhaltensauffällige Kinder in Düsseldorf gequält haben.

Ermittelt wird laut Staatsanwaltschaft gegen 17 frühere Angestellte der Educon, die Schulen für lern- und geistigbehinderte Kinder betreibt. Grundlage der Ermittlungen seien Videoaufzeichnungen, die zum Teil sehr erschreckend seien und einen extrem rüden Umgang mit den Kindern zeigten, sagte der Sprecher der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft, Johannes Mocken, am Dienstag.

Die Mitarbeiter des psychologischen Bereichs sollen die neun bis 15 Jahre alten Kindern unter anderem eingesperrt, fixiert und ihnen bei Gegenwehr Essen vorenthalten haben. Autistische Kinder, die körperlichen Kontakt nur schwer ertragen, seien zum Teil stundenlang umklammert und damit in Panik versetzt worden, erklärte Mocken. Ermittelt wird dem Sprecher zufolge bereits seit Herbst vergangenen Jahres wegen Misshandlung, Freiheitsberaubung und Nötigung.

Die "Behandlungsmethoden" seien offenbar zu Dokumentationszwecken auf Video festgehalten worden. Nach Angaben des Berufsverbands Deutscher Psychologen handelt es sich bei den Praktiken um eine verhaltenstherapeutische Modifikation der Festhaltetherapie, die Bindungsstörungen lösen soll. Von den Maßnahmen in der Diakonie-Einrichtung distanziere sich der Therapie-Erfinder aber, hieß es. Wie viele Kinder in der Diakonie von den mutmaßlichen Misshandlungen betroffen sind, blieb zunächst unklar.

Selbst Anzeige erstattet

Die Geschäftführung der Educon, ein Tochterunternehmen der evangelischen Graf-Recke-Stiftung, hatte im vergangenen Jahr selbst Anzeige bei der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft und dem Landesjugendamt erstattet. Nach Angaben der Stiftung waren bereits Mitte 2008 erste Vorwürfe gegen die Leitung einer Wohngruppe bekannt geworden. Die Geschäftsleitung hatte sich daraufhin von der zuständigen Gruppenleitung getrennt.

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Als im Sommer 2009 weitere Vorwürfe bekannt geworden seien, folgten die Strafanzeigen, erklärte Educon. Die betroffenen Mitarbeiter und die verantwortliche Bereichsleitung seien in Abstimmung mit den zuständigen Behörden sofort vom Dienst suspendiert worden. Die Anstellungsverhältnisse seien inzwischen gekündigt.

Arbeitsgruppe soll Geschehen aufarbeiten

Eine Arbeitsgruppe beschäftigt sich der Stiftung zufolge nun mit der Aufarbeitung des Geschehens und soll Maßnahmen ausarbeiten, "um derartige Fehlentwicklungen in Zukunft frühzeitig zu erkennen und zu vermeiden". Die zügige und umfassende Aufklärung aller Vorwürfe sei der Educon ein besonderes Anliegen, hieß es weiter. Laut Staatsanwaltschaft dürfte die Aufklärung der Vorfälle wegen der Auswertung der umfangreichen Videoaufnahmen aber noch einige Monate andauern. "Wir müssen uns mit der Therapie-Methode genau beschäftigen und schauen, ob das Ganze aus dem Ruder gelaufen ist", sagte Mocken.

Die Graf-Recke-Stiftung ist nach eigenen Angaben eine der ältesten diakonischen Einrichtungen Deutschlands. 1822 gründete Graf von der Recke-Volmerstein ein "Rettungshaus" für Straßenkinder in Düsselthal. Zur Kinder- und Jugendhilfe kamen 1986 die Behindertenhilfe und 1995 die Altenhilfe hinzu. Die Stiftungstochter Educon betreut und berät an mehreren Standorten im Großraum Düsseldorf mehr als 650 Kinder, Jugendliche und ihre Familien.

(DDP/csr)