TV-Doku befasst sich mit der "Bestie Mensch": Auf der Suche nach dem Code des Bösen

TV-Doku befasst sich mit der "Bestie Mensch": Auf der Suche nach dem Code des Bösen

Düsseldorf (RPO). Ganz egal ob Josef Fritzl, Marc Dutroux oder "Rhein-Ruhr-Ripper" Frank Gust. Wer sich mit solchen Serientätern befasst, blickt in seelische Abgründe. Ein TV-Doku hat sich auf die Suche nach dem Code des Bösen gemacht. Der Film ist nichts für schwache Nerven.

"Das Böse nebenan — wenn Menschen zu Bestien werden", lautet der Titel der Sendung, die Vox am Samstagabend um 20.15 ausstrahlt. Es ist ein Kabinett des Grauens, dass die Filmemacher dort vor einem ausbreiten. Sie dokumentieren Fälle von Serienmördern, perversen Entführern und Eltern, die ihre Kinder vernachlässigen und quälen. Am Ende steht immer die Frage: Wie können Menschen so etwas tun?

Psychiater und Gutachter erklären in der Doku, warum und wie Menschen zu Bestien werden. Es sind immer dieselben Fragen, die sie sich stellen: Was war zuerst: das Böse oder der Mensch? Welche Facetten hat das Böse? Was ist kriminell, was ist krank? "Tatort Gehirn" - was steckt dahinter?

Eine Erkenntnis: Allzu oft verbirgt sich das Grauen hinter einer freundlichen Fassade. Herausragendes Beispiel dafür ist der in Deutschland weniger bekannte Fall des Psychopathen Jack Unterweger. "Höflich, charmant, sehr gepflegt" - so beschrieben ihn diejenigen, die ihm Anfang der 1990er Jahre begegneten. Als "Knastpoet" feierte ihn die Wiener Schickeria, die sich nahezu geschlossen für seine vorzeitige Entlassung aus lebenslanger Haft eingesetzt hatte. Denn: Jack Unterweger schien resozialisiert. Im Knast hatte er Theater inszeniert und Lesungen gehalten.

In Freiheit avancierte der Frauenmörder zum Liebling der Kulturszene. Der "wilde, vorbestrafte Künstler" begeisterte sein Publikum. Er reiste durch das Land, im weißen Anzug mit roter Blüte im Knopfloch und einem Schäferhund an seiner Seite. Er recherchierte für TV-Sender im Rotlichtmilieu, gab Autogrammstunden und war gern gesehener Gast in Talkshows. Und ermordete fast im Wochenrhythmus Prostituierte.

Es ist nur ein Fall, den die TV-Doku beleuchtet. Unter anderem erinnern sie auch an den Inzest-Fall von Amstetten, den Kinderschänder Marc Dutroux oder den "Rostow-Ripper" Andrej Tschikatilo, der zwischen 1978 und 1990 mindestens 53 Frauen ermordete und im Film als entrückter Psychopath hinter Gittern zu sehen ist.

Besonders beeindruckend fällt die Sicht auf diejenigen aus, die dauerhaft und professionell mit dem Grauen umgehen müssen. So wie etwa die Psychiaterin Heidi Kastner, die bereits in vielen solcher Fälle Täter untersucht hat. In der Dokumentation liest sie aus ihrem selbstverfassten Märchen "Täter-Väter" vor. Sie hatte keine andere Möglichkeit, sich die Last von der Seele zu nehmen. Als Gutachterin darf sie sich nicht konkret zu einzelnen Fällen äußern.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Serientäter - TV-Doku ist dem Bösen auf der Spur

(pst/rm)