Antisemitischer Vorfall an internationaler Schule in Berlin

Vorfall an Schule in Berlin : Jüdischer Schüler soll gemobbt worden sein

An einer Schule in Berlin sollen Schüler einen jüdischen Jungen immer wieder antisemitisch beleidigt und drangsaliert haben. Die Schulleitung räumt Versäumnisse ein und bedauert den Vorfall.

Erneut ist es an einer Berliner Schule zu einem antisemitischen Vorfall gekommen. Über Monate hinweg soll ein jüdischer Schüler einer 9. Klasse an der als weltoffen geltenden, internationalen, bilingualen John-F.-Kennedy-Schule in Berlin-Zehlendorf antisemitisch beleidigt und gemobbt worden sein. Die Schule räumte in einer Erklärung ein, „Ausmaß und Ernsthaftigkeit“ des Vorfalls unterschätzt zu haben. Die Berliner Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) forderte am Mittwoch eine umfassende Aufklärung. Der Zentralrat der Juden mahnte, solche Fälle ernst zu nehmen, weil Antisemitismus ein gesamtgesellschaftliches Problem sei.

Zuerst hatte die „Berliner Zeitung“ über den neuen Antisemitismus-Fall berichtet. Demnach sollen mehrere Mitschüler den jüdischen Neuntklässler immer wieder drangsaliert haben. Ein Mitschüler soll ihm Zigarettenrauch ins Gesicht geblasen und dabei gesagt haben, der jüdische Schüler solle an seine vergasten Vorfahren denken, heißt es in dem Bericht. Zudem sollen ihn Mitschüler mit Zetteln tyrannisiert haben, auf denen Hakenkreuze aufgemalt waren. Konflikte habe es offenbar auch mit einer ebenfalls jüdischen Mitschülerin gegeben. Weil der Neuntklässler im Nahostkonflikt nicht nur die palästinensische Seite kritisierte, soll ihm die Mitschülerin vorgeworfen haben, kein guter Jude zu sein.

Bildungssenatorin Scheeres sagte: „Ich frage mich, wie solche gravierenden Vorfälle über so lange Zeit unbemerkt blieben.“ Vor rund drei Wochen hätten sich die Eltern des Schülers an die Antidiskriminierungsbeauftragte der Senatsbildungsverwaltung gewandt. Da es sich um mehrere Taten handele, müsse jede einzeln und gründlich aufgearbeitet werden. „So etwas darf sich nicht wiederholen“, sagte Scheeres. Unter anderem sollten das Meldesystem der Schule auf den Prüfstand und die Maßnahmen zur Vorsorge, Intervention und Nachsorge untersucht werden.

Die bilinguale John-F.-Kennedy-Schule wird dem Bericht zufolge unter anderen von zahlreichen Diplomatenkindern besucht. Zudem hat die Schule demnach einen US-amerikanischen und einen deutschen Direktor. Die Schule bedauerte in einer am Dienstag veröffentlichen Erklärung den Vorfall. Man sei sofort aktiv geworden und befinde sich derzeit im Prozess der Aufarbeitung, schrieb die Schulleitung.

Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, mahnte am Mittwoch, antisemitische Vorfälle an Schulen ernst zu nehmen und nicht zu vertuschen. Es handele sich um ein gesamtgesellschaftliches Problem. „Solche Vorfälle finden an allen Schulformen und überall in Deutschland statt“, sagte Schuster. Religiöses Mobbing gehe häufig von muslimischen Schülern aus, aber nicht nur. Der Zentralrat bekräftigte Überlegungen, ein bundesweites Meldesystem für antisemitische Vorfälle einzuführen. Zudem müssten Lehrer durch Fortbildungen in die Lage versetzt werden, auf antisemitische Vorfälle in Schulen angemessen zu reagieren.

Zuletzt hatte Ende März ein antisemitischer Vorfall an einer Berliner Grundschule für Aufsehen gesorgt. Dabei war eine Grundschülerin mit einem jüdischen Elternteil in Berlin-Tempelhof von muslimischen Mitschülern mit dem Tode bedroht worden, weil sie nicht an Allah glaube. Der Fall hatte eine gesellschaftliche Debatte über religiöses Mobbing an Schulen ausgelöst.

(wer/epd/KNA)
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