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Doppelmordprozess in Bayern: Angeklagter will aus Notwehr gehandelt haben

Doppelmordprozess in Bayern : Angeklagter will aus Notwehr gehandelt haben

Notwehr oder kaltblütiger Doppelmord? Ein 44-Jähriger hat seinen Schwiegervater und seinen Schwager erstochen. Jetzt begann in Bayern der Prozess gegen ihn wegen Doppelmordes.

Wegen Doppelmordes muss sich seit Dienstag ein 44-Jähriger vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth verantworten. Vor einem Jahr erstach er seinen 65 Jahre alten Schwiegervater und dessen 26-jährigen Sohn in einem Haus im bayerischen Neumarkt. Im Prozess machte er Notwehr geltend - laut Anklage dagegen rächte er sich an der Familie seiner Frau, die ihn verlassen hatte. Die Trennung habe er als Ehrverletzung betrachtet, sagte Staatsanwältin Elisabeth Böhmer am ersten Prozesstag.

Der Angeklagte äußerte sich zu den Vorwürfen nicht selbst, sondern ließ seinen Verteidiger eine Erklärung verlesen. Demnach soll der Angriff von den beiden Männern ausgegangen sein. Er sei damals zu seinem Schwiegervater gefahren, um ihn um Hilfe zu bitten. Nach der Trennung habe er seinen Sohn nicht mehr sehen dürfen - er habe gehofft, der Schwiegervater vermittle. Aber der 65-Jährige habe ihm Reizgas in die Augen gesprüht, und der Schwager habe mit einem Küchenbeil auf ihn eingeschlagen.

Polizeibeamte sagten am Dienstag aus, sie hätten den Angeklagten stark blutend und regungslos im Treppenhaus vorgefunden. Außerdem sei ihnen ein beißender Geruch aufgefallen, weshalb sie zunächst auch eine Gasexplosion für möglich hielten. Die Feuerwehr fand dann die beiden Leichen in der Wohnung.

Der 44-Jährige will mit dem Messer auf die Männer eingestochen haben, um sich zu verteidigen. "Es war aus unserer Sicht ein Fall von Notwehr", sagte Verteidiger Jürgen Schwarz vor Beginn des Prozesses.
Staatsanwältin Böhmer dagegen sagte, der Angeklagte habe die Tat geplant und das Messer bereits bei sich gehabt. Der mittlerweile geschiedene Mann beantwortete keine Fragen.

Die Kammer will sich mit Indizien, einem psychiatrischen Gutachten und den Aussagen von mehr als einem Dutzend Zeugen ihr Urteil bilden. Einen Tag vor der Bluttat hatte sich der 44-Jährige in der Bezirksklinik Regensburg psychiatrisch behandeln lassen. Direkt nach seiner Entlassung am nächsten Tag soll er den Ermittlungen zufolge nach Neumarkt zu seinem Schwiegervater gefahren sein. Das Urteil soll voraussichtlich nach sieben Verhandlungstagen Ende Januar verkündet werden.

(dpa)