ICE verliert Tür in voller Fahrt: An Bord des Unglückszugs

ICE verliert Tür in voller Fahrt : An Bord des Unglückszugs

Montabaur (RP). Unser Redakteur saß im ICE 505 LH 6813, als es plötzlich knallte und der Zug in einem Tunnel zwischen Montabaur und Limburg zum Stehen kam. Eine Tür war aus der Verankerung gerissen worden.

Ein Knall unterbricht die Monotonie des Fahrgeräuschs. Nicht laut. Eher dumpf. Dann ist auch schon der Druck auf den Ohren da. Wie beim Landeanflug. Aber das hier ist ein Zug, kein Flugzeug. Im Schein der Deckenbeleuchtung flimmern aufgewirbelte Staubpartikel. Ängstliche Blicke wechseln zwischen den Anwesenden im wenige Meter entfernten Abteil, als der ICE fühlbar langsamer wird und schließlich gegen 11.40 Uhr an diesem Samstag in der Dunkelheit des Tunnels zum Stehen kommt. Sekunden später erklingt eine hysterische Frauenstimme von nebenan. "Oh, mein Gott, die Tür ist weg!"

Der ICE 505 LH 6813 ist der hintere von zwei Zügen im Verbund. Beide haben den Kölner Hauptbahnhof planmäßig um 10.55 Uhr mit dem Ziel Basel verlassen. Die Reise führt über die Hochgeschwindigkeitsstrecke Köln-Frankfurt. "Rennbahn" heißt diese im Eisenbahner-Jargon. 505 ist ein ICE der neuesten Baureihe 3, vor sechs Jahren auf den Namen "Ravensburg" getauft. Es ist die Baureihe, von der eine Zugbegleiterin noch an diesem Tag sagen wird, die habe ja von Anfang an nur Probleme bereitet.

In Wagen 26 bricht hektische Betriebsamkeit aus. Die Notbeleuchtung taucht das Abteil in ein mattes Neon-Blau. Eine Schaffnerin zählt hektisch die Reisenden durch. Der Zugführer in orangefarbener Warnweste öffnet die Deckenverkleidung an der Stelle, wo bis gerade noch eine Tür war und nun ein schwarzes Loch klafft. Auf dem Boden des Gangs liegen undefinierbare Teilchen. Die Frage "Wie kann das passieren" wechselt sich mit dem Gedanken ab "Wenn da einer gestanden hätte". Draußen begibt sich ein anderer Schaffner mit Taschenlampe auf Erkundungstour. Außerhalb von Wagen 26 ahnt niemand, warum der ICE gehalten hat. Irgendwo zwischen Montabaur und Limburg.

Zunächst ist nur klar, dass die Tür herausgefallen war, als der ICE-Verbund auf gleicher Höhe mit einem entgegenkommenden ICE (mit Ziel Dortmund) dahinraste. Erst am Abend stellt sich heraus, dass sie wie ein Geschoss in die Scheibe des Bordbistros in diesem Zug einschlug. Vier Passagiere werden durch Glassplitter verletzt, zwei erleiden einen Schock.

Um 12.19 Uhr zuckeln der ICE 505 und sein Schwesterzug 105 weiter. Bis zum Bahnhof Limburg-Süd. Wagen 26 ist zu dem Zeitpunkt schon Sperrzone. Eine Schaffnerin gibt spontan die erste Klasse frei. Über die Lautsprecher erzählt eine Männerstimme, das Eisenbahnbundesamt habe entschieden, dass in Limburg alle den Zug verlassen müssen. Vorher reicht die Deutsche Bahn aber noch Freigetränke. Nur kalte, keinen Kaffee.

Bis um halb zehn ist die Strecke gesperrt. Alle Züge werden über die Rheinschiene umgeleitet, häufen Verspätungen an. Die Tür selbst wird gegen 19 Uhr im Dickhecktunnel gefunden. Auf den Gleisen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: ICE-Zug verliert Tür während der Fahrt

(RP)