Amoklauf von München Der Sonntag im Nachrichten-Protokoll

München · Der Attentäter von München hat seine Tat lange geplant und ein sogenanntes Manifest geschrieben. Die Pistole kaufte er im Darkweb. Am Abend nahm die Polizei einen 16-Jährigen als möglichen Mitwisser fest. Der Tag im Nachrichtenprotokoll.

Anschlag in München: Bilder der Ermittlungen am Tag danach
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Wer ist der Todesschütze von München?

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  • Laut Polizei 35 Verletzte
  • Täter ist 18-jähriger Deutsch-Iraner
  • Täter plante seinen Amoklauf ein Jahr lang
  • Die Glock-17-Pistole besorgte er im Darknet
  • Täter nutzte gefälschten Facebook-Account
  • Polizei nimmt mutmaßlichen Mitwisser fest
Christian Sieben
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Liebe Leser! An dieser Stelle unterbrechen wir unseren Liveblog zum Thema München. Wir bedanken uns für Ihr Vertrauen und wünschen Ihnen einen guten Start in die neue Woche!
Christian Sieben
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Die Polizei hat einen Freund des Amokläufers als mutmaßlichen Mitwisser festgenommen. Gegen den 16-Jährigen werde wegen Nichtanzeigens einer Straftat ermittelt, teilte die Polizei am Sonntagabend mit. Der Jugendliche habe sich nach der Tat vom Freitagabend mit neun Todesopfern bei der Polizei gemeldet. Bei einer erneuten Vernehmung habe er sich in Widersprüche verwickelt.
Christian Sieben
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Der Münchner Erzbischof Kardinal Reinhard Marx ruft zu mehr Achtsamkeit auf. "Der Schock sitzt tief über eine solche grausame Tat, die uns völlig unverständlich erscheint", sagt Marx bei einem Pontifikalamt im Münchner Liebfrauendom. So schnell werde man diesen Tag nicht vergessen. "Es rüttelt uns auf und wach, noch aufmerksamer zu sein." Aufgabe der Kirche sei es, "Wege der Versöhnung und des Friedens zu finden". Auch der Täter gehöre ins Blickfeld: "Er hat sich getötet. Schockierend, für uns unverständlich. Und doch sind es Menschen, Brüder und Schwestern, Abbilder Gottes."

Christian Sieben
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Vor dem Einkaufszentrum versammeln sich zur Stunde viele Menschen, um Abschied von den Opfern zu nehmen.
Christian Sieben
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Über die Rolle von Twitter, Facebook & Co. wurde an diesem Wochenende viel diskutiert. Daniel Fiene hat sich seine eigenen Gedanken gemacht.
Christian Sieben
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Im Liebfrauendom spricht zur Stunde Kardinal Reinhard Marx über den Amoklauf.
Christian Sieben
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Wäre die Polizei in NRW auf eine Lage wie in München vorbereitet? Der Polizei-Inspekteur des Landes gibt Antworten.
Christian Sieben
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Am Sonntag beginnt auch die Debatte, ob sich "die Medien" während der hektischen Lage am Freitag und Samstag richtig verhalten haben. Jan Böhmermann will da natürlich nicht fehlen. In einem Facebook-Eintrag fordert er: Vernunft.

https://www.facebook.com/jboehmermann/posts/1246533325379188
Christian Sieben
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An diesem Wochenende ist auch viel vom Begriff "Darknet" die Rede. In diesem "Dunkel-Netz" können sich Internetnutzer fast komplett anonym bewegen. Der Bereich des Internets wird etwa von Kriminellen genutzt, aber auch von Menschen, die viel Wert auf Privatsphäre legen leben. Der Zugang ist nur über eine Anonymisierungssoftware möglich. Im "Darknet" beschaffte sich der Täter die spätere Tatwaffe.

Christian Sieben
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Der Amokläufer war bis wenige Wochen vor der Tat in psychiatrischer Behandlung. Ein letzter ärztlicher Kontakt habe im Juni 2016 festgestellt werden können, teilen Staatsanwaltschaft und Landeskriminalamt mit.
Christian Sieben
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Einen Tag nach dem Amoklauf haben drei Jugendliche (zwischen 16 und 17 Jahre alt) in Königsbrunn bei Augsburg mit Spielzeugwaffen die Bluttat nachgestellt. Herbeigerufene Polizisten konnten Spiel von Ernst nicht sofort unterscheiden. Passiert ist zum Glück nichts. Die "Augsburger Allgemeine" hatte zuerst über den Fall berichtet.
Christian Sieben
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Der Kriminologe Christian Pfeiffer hält den Täter für einen "idealtypischen Amokläufer". Der "Neuen Presse" sagte Pfeiffer: "Er erfüllt alle Merkmale, die man in der Forschung als wichtige Faktoren bezeichnet." Er sei psychisch in einer Krise und sozial isoliert gewesen, habe unter Depressionen gelitten, habe massives Mobbing durch Mitschüler erlebt und er habe offenbar ein schwieriges, durchwachsendes Elternhaus gehabt.
Judith Conrady
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Damit ist die Pressekonferenz beendet. Hier noch einmal die wichtigsten Informationen aus der PK:

- Der 18-Jährige hat die Tat nach Erkenntnissen der Ermittler ein Jahr lang vorbereitet, er fuhr sogar nach Winnenden und machte dort Fotos.

- Der 18-Jährige verfasste ein "Manifest", zu dessen genauem Inhalt noch nichts bekannt ist.

- Er besorgte sich die Waffe im sogenannten Darknet. Es handelt sich um eine Waffe, die durch einen Umbau wieder schussfähig gemacht wurde.

- Er richtete eine Fake-Facebookseite ein, offenbar um Opfer zum Tatort zu locken.

- Der Vater des Täter hat seinen Sohn in einem im Netz kursierenden Video erkannt und sich daraufhin bei der Polizei gemeldet.
Judith Conrady
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Der Vater des Amokläufers habe den Sohn auf dem ersten Video, das den Täter vor dem McDonalds zeigt, erkannt. Daraufhin habe er sich bei der Polizei gemeldet, sagt Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch.
Judith Conrady
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Zu den Fähigkeiten des Täters als Schütze könne man noch nichts sagen, erklärt Heimberger auf Nachfrage.
Judith Conrady
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Auf Nachfrage erklärt Heimberger, von dem Besuch des Täters in Winnenden habe man erfahren, weil auf seiner Kamera Fotos von seinem Besuch dort gefunden wurden. Hinweise darauf, dass ihn dorthin eine weitere Person begleitet habe, gebe es nicht.
Judith Conrady
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Polizei-Vizepräsident Werner Feiler bittet um Verständnis dafür, dass es erst einmal Priorität gehabt habe, weitere Täter auszuschließen. Alle anderen Detailfragen würden erst anschließend untersucht.
Judith Conrady
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Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch antwortet auf eine Frage nach Einzelheiten zur psychischen Erkrankung des Amokläufers. "Nach unseren Unterlagen ist er im Jahr 2015 zwei Monate in einer stationären Einrichtung gewesen", sagt er. Anschließend habe sich eine ambulante Behandlung angeschlossen. Der 18-Jährige habe unter sozialen Phobien gelitten.
Judith Conrady
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Ein Reporter fragt, ob der Suizid des 18-Jährigen in seinem Tatplan vorgesehen gewesen sei. "Da müssten wir den Täter selbst fragen können", sagt Heimberger. Bisher seien auch keine Hinweise darauf gefunden worden, was der Täter in dieser Hinsicht konkret geplant habe.
Judith Conrady
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Ein Reporter fragt, wieso die Polizei davon ausgehe, dass der Täter sich seine Opfer nicht gezielt ausgesucht habe. Könne es Zufall sein, dass unter den Getöteten so viele Migranten seien? Heimberger sagt, er gehe selbst gelegentlich in den McDonalds, an dem die Schüsse fielen. Dort seien üblicherweise viele Menschen mit Migrationshintergrund zu finden.
Judith Conrady
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LKA-Chef Heimberger sagt auf eine entsprechende Frage, er wolle nicht darüber spekulieren, was die Eltern oder der Bruder des Täters hätten wissen können.
Judith Conrady
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Jetzt fragt ein Pressevertreter nach der Wahl des Tatorts und der Tatortzeit. Dazu gibt es dem LKA-Chef zufolge noch keine Erkenntnisse. Laut Heimberger hatte der 18-Jährige nach einem Besuch in Winnenden im vergangenen Jahr damit begonnen, die Tat zu planen.
Judith Conrady
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Heimberger bestätigt, dass die Waffe durch einen Umbau wieder scharf gemacht wurde.
Judith Conrady
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Jetzt wird nach der Waffe, einer Glock-17, gefragt. Die "Süddeutsche Zeitung" hatte berichtet, es handele sich um eine Theaterwaffe, die wieder schussfähig gemacht worden sei.
Judith Conrady
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LKA-Chef Heimberger sagt, das Manifest sei noch nicht ausgewertet, sondern bisher nur grob gesichtet worden. Zu genauen Inhalten könne er daher nichts sagen.
Judith Conrady
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Jetzt können Fragen gestellt werden. Ein Pressevertreter fragt nach dem Manifest, das der Täter verfasst hatte.
Judith Conrady
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Für den Abend hätten sich bis zu 3000 Teilnehmer für eine Gedenkveranstaltung angekündigt, die auch von der Polizei begleitet werde. Nach wie vor bestehe keine Anlass, Veranstaltungen aus Sicherheitsgründen abzusagen, sagt Feiler.
Judith Conrady
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Jetzt spricht Werner Feiler, der Vize-Präsident der Münchner Polizei.
Judith Conrady
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Die Eltern des Täters sind nach wie vor nicht vernehmungsfähig.
Judith Conrady
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Jetzt äußert sich Heimberger zu dem Facebook-Account, mit dem Opfer zum Tatort gelockt werden sollten. Der Account sei nicht, wie die Polizei gestern sagte, gehackt worden. Der Täter habe einen Fake-Account mit gestohlenen Foto angelegt.
Judith Conrady
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Am Tatort konnten 57 Patronenhülsen gefunden werden, die alle der Tatwaffe zuzugeordnet werden konnten. Daher könnte man weitere Tatwaffen und auch weitere Täter ausschließen, sagt der LKA-Chef.
Judith Conrady
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Der Täter sei ein "ausgeprägter Egoshooterspieler" gewesen, sagt Heimberger. Er habe Counterstrike gespielt und sei auf einer Spiele-Plattform sehr aktiv gewesen.
Judith Conrady
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Man habe einen Chatverlauf im Darknet gefunden, aus dem hervorgeht, dass er sich die Waffe mit hoher Wahrscheinlichkeit dort besorgt habe.
Judith Conrady
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Heimberger bestätigt einen Bericht der "Süddeutschen Zeitung", dass der 18-Jährige nach Winnenden gefahren sei, sich dort umgeschaut und Fotos gemacht habe.
Judith Conrady
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Der Täter habe aber ein eigenes Manifest verfasst, sagt Heimberger.
Judith Conrady
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LKA-Chef Heimberger sagt, der Attentäter habe die Tat bereits seit einem Jahr geplant. Es sei jedoch nicht richtig, dass auf seinem Rechner das Manifest von Oslo-Attentäter Breivik gefunden worden sei. Die Informationen auf dem Rechner seien aber noch nicht komplett ausgewertet.
Judith Conrady
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Der Täter habe die Schule abgeschlossen. Er habe vor Jahren drei Jugendliche beschuldigt, ihn bedrängt und gemobbt zu haben. Diese Personen hätten sich jedoch nicht unter den Opfern befunden.
Judith Conrady
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Hinweise auf eine psychische Erkrankung hätten sich bestätigt. Beim Täter seien Dokumente gefunden worden, die auf eine Angststörung und Depressionen hinweisen. Er sei sowohl stationär als auch ambulant behandelt worden.
Judith Conrady
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Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch beginnt mit dem Hinweis, dass es auch weiterhin keine Anhaltspunkte dafür gebe, dass die Tat politisch motiviert worden sein.
Judith Conrady
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Jetzt beginnt die Pressekonferenz in München.
Judith Conrady
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Vielleicht gibt es um 14 Uhr offizielle Informationen zu diesen Entwicklungen. Dann halten das bayerische LKA und die Münchner Polizei erneut eine Pressekonferenz ab.
Judith Conrady
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Die "Süddeutsche Zeitung" berichtet außerdem, ebenfalls unter Berufung auf Ermittlerkreise, der Attentäter sei nach Winnenden gefahren, habe sich dort umgesehen und Fotos gemacht. Außerdem habe er das "Manifest" des Oslo-Attentäters Breivik auf seinem Rechner gehabt. Auch diese Informationen sind nicht bestätigt.
Judith Conrady
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Die "Süddeutsche Zeitung" berichtet unter Berufung auf Ermittlerkreise, der Amokläufer habe sich die Waffe im sogenannten Darknet, einem häufig von Kriminellen genutzten, verborgenen Teil des Internets, besorgt. Es handele sich um eine ehemalige Theaterwaffe, die wieder schussfähig gemacht worden sei. Von offizieller Stelle gibt es dafür bisher keine Bestätigung.
Judith Conrady
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Bei dem Amoklauf sind nach Angaben des Landeskriminalamts vor allem Menschen mit Migrationshintergrund getötet worden. Die Opfer kommen aus der Türkei, Griechenland, dem Kosovo, Ungarn und Deutschland. Eines der Opfer war staatenlos.


Judith Conrady
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Die Münchner Polizei bittet Kamerateams, sich morgen von den Schulen fernzuhalten. An den Schulen der Opfer sind Kriseninterventionsteams im Einsatz.
Judith Conrady
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Auch Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat Deutschland sein Beileid ausgesprochen. "Israel kondoliert Deutschland nach dem Mord an unschuldigen Bürgern bei der tragischen Schießerei in München am Freitag", teilte sein Büro in der Nacht mit.
Judith Conrady
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Drei Opfer des Amoklaufs sind nach Angaben des Landeskriminalamts noch immer in Lebensgefahr, berichtet die Nachrichtenagentur dpa.
Judith Conrady
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Die Stiftung Deutsche Depressionshilfe weist in einer Stellungnahme darauf hin, dass sie eine Depression als Ursache für den Amoklauf für ausgeschlossen hält. Depressive Menschen begingen nicht häufiger Gewalttaten als andere, eher sogar seltener. "Depressiv erkrankte Menschen sind im gesunden Zustand meist besonders verantwortungsvolle, fürsorgliche Menschen. In der depressiven Krankheitsphase neigen sie zu übertriebenen Schuldgefühlen", heißt es in der Erklärung. Sie gäben sich stets selbst die Schuld, Aggressionen gegen andere seine untypisch.
Judith Conrady
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Papst Franziskus hat ein Telegramm an den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, senden lassen. Darin spricht er allen, die von dem Attentat betroffen sind, sein Mitgefühl aus und dankt den Rettungs- und Ordnungskräften für ihren "umsichtigen Einsatz".
Judith Conrady
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Im Zimmer des Amokläufers David Ali S. wurde nach Angaben der Polizei das Buch "Amok im Kopf – Warum Schüler töten" gefunden, das sich wissenschaftlich mit den Gründen für solche Taten beschäftigt. Die "Berliner Morgenpost" hat mit dem Autor des Buchs, Peter Langman, gesprochen. Der amerikanische Psychologe zeigte sich laut "Morgenpost" bestürzt über den Fund. "Das fühlt sich sehr merkwürdig an. Ich weiß natürlich nicht, warum er mein Buch gelesen hat", wird Langman zitiert.
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