Eltern in Untersuchungshaft An Rheinufer in Worms entdeckte 15-Jährige starb durch Ertrinken

Mainz/Worms · Im Fall der toten 15-Jährigen, die am Dienstag am Rheinufer in Rheinland-Pfalz gefunden wurde, liegt nun das Obduktionsergebnis vor. Die Jugendliche ist demnach ertrunken. In Untersuchungshaft sitzen ihre Eltern. Der Vater ist der Justiz bereits bekannt.

Die Kriminalpolizei Mainz am Dienstag im Einsatz am Rheinufer im Wormser Stadtteil Rheindürkheim.

Die Kriminalpolizei Mainz am Dienstag im Einsatz am Rheinufer im Wormser Stadtteil Rheindürkheim.

Foto: dpa/Michael Deines

Eine tot am Rheinufer im rheinland-pfälzischen Worms gefundene 15-Jährige ist ertrunken. Das habe die Obduktion ergeben, teilte das Polizeipräsidium Mainz am Mittwoch mit. Das mutmaßlich getötete Mädchen war am Montagabend am Ufer im Wormser Stadtteil Rheindürkheim gefunden worden. Als tatverdächtig gelten die Eltern der 15-Jährigen.

Die beiden Beschuldigten sitzen seit Dienstag wegen des Verdachts des Totschlags in Untersuchungshaft. Nach Angaben der Polizei vom Mittwoch äußerten sie sich zu den Vorwürfen. Den Ermittlern zufolge besteht der Verdacht, dass Eltern sich zur Tötung der Tochter entschlossen hätten, „weil sie mit deren Lebenswandel nicht einverstanden waren“.

Die 34-jährige Mutter hatte der Polizei zuvor ihren Verdacht mitgeteilt, dass ihre Tochter getötet worden sei. Demnach soll die Tat bereits am Samstagabend begangen worden sein. Eine Suche führte die Ermittler am Montagabend schließlich zu der Leiche.

Ermittler durchsuchten die Wohnungen der Beteiligten und das Auto des 39-jährigen Vaters. Der Mann und die Frau sind laut Polizei an unterschiedlichen Adressen in Pirmasens, etwa 90 Kilometer von Worms entfernt, gemeldet. Die Tochter war bei der Mutter gemeldet.

Was die Eltern möglicherweise am Leben ihrer Tochter gestört haben könnte, dazu gab es zunächst keine näheren Angaben von den Ermittlern. Nur so viel: Es handele sich um „eine Gesamtwürdigung verschiedener Details und Hinweise“, die die Ermittler zu der Einschätzung veranlasst hätten, teilte Oberstaatsanwalt Alexander Fassel in Mainz mit. Diese Indizien müssten nun sorgfältig geprüft werden.

Ein Femizid steht als Motiv im Raum

Die mutmaßliche Tötung eines Kindes durch seine beiden Elternteile sei ungewöhnlich, sagte der Direktor des Instituts für Kriminologie der Universität Tübingen, Professor Jörg Kinzig, am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. Wenn als Motiv im Raum stehe, dass diese mit dem Lebenswandel ihrer Tochter nicht einverstanden gewesen seien, könnte dies auf eine ehrbezogene Tötung hindeuten, wobei teilweise auch von einem Femizid gesprochen werde. Allerdings sei es im vorliegenden Fall noch zu früh für eine abschließende Bewertung.

Femizid bedeutet, dass Frauen aufgrund ihres Geschlechts getötet werden – also weil sie Frauen sind. Als häufigste Form gilt die Tötung von Frauen durch Partner oder Ex-Partner. Darüber hinaus spricht man von Femiziden auch dann, wenn Frauen wegen ihrer sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität, vermeintlich im Namen der „Ehre“, als Folge von Genitalverstümmelung, wegen angeblicher Hexerei oder gezielt bei bewaffneten Konflikten getötet werden.

Vater ist bei Justiz kein Unbekannter

Im Fall der getöteten 15-Jährigen in Rheinland-Pfalz ermitteln Beamte noch zu vielen Aspekten. Etwa dazu, ob der Fundort der Leiche auch der Tatort sei, teilte die Polizei mit. Konkrete Anhaltspunkte, dass sich der Tatort nicht im Bereich des Fundortes befindet, lägen aber nicht vor. Vater und Mutter hätten sich gegenüber der Polizei zu dem Tatvorwurf eingelassen. Wie, könne wegen der laufenden Ermittlungen nichts mitgeteilt werden, hieß es.

Der Vater ist bei der Justiz kein Unbekannter. Bei der Staatsanwaltschaft Zweibrücken sind laut Anklagebehörde drei Verfahren gegen ihn anhängig: wegen Körperverletzung sowie Vergehen nach dem Gewaltschutzgesetz - etwa häusliche Gewalt.

(ckoe/dpa/AFP)