1. Panorama
  2. Deutschland

Zeugin im Kachelmann-Prozess: Alice Schwarzer verweigert Aussage

Zeugin im Kachelmann-Prozess : Alice Schwarzer verweigert Aussage

Mannheim (RPO). Im Verfahren gegen den Wettermoderator Jörg Kachelmann wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung hat die als Zeugin geladende Alice Schwarzer die Aussage verweigert. Außerdem haben zwei Gutachter die Aussagen des angeblichen Opfers zum Tathergang als unglaubwürdig dargestellt. Ihre Angaben würden vom Verletzungsbild nicht eindeutig gedeckt, sagten die Gutachter am Mittwoch vor dem Landgericht Mannheim.

Der mit Spannung erwartete Auftritt Alice Schwarzers als Zeugin in dem Prozess fiel dann am Nachmittag kurz und unspektakulär aus. Schwarzer, die über ihre Kontakte zu Günter Seidler, dem Therapeuten des mutmaßlichen Opfers, aussagen sollte, machte von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht als Journalistin Gebrauch. Daraufhin wurde sie aus dem Zeugenstand entlassen.

Schwarzer hatte als "Bild"-Reporterin über den Prozess berichtet. Am 3. Februar beantragte Kachelmanns Verteidigung ihre Vernehmung als Zeugin. Der Verteidiger wirft der "Emma"-Herausgeberin vor, einen Feldzug gegen den Angeklagten zu führen. Vor dem Gerichtssaal sagte Schwarzer anschließend: "Es ist bedauerlich, dass ein so ernster Prozess durch Nebenkriegsschauplätze andauernd verzögert wird."

Gutachter widersprechen mutmaßlichem Opfer

Die Ex-Freundin des Wettermoderators hatte Kachelmann angezeigt, weil er ihr vor einem Jahr nach einem Beziehungsstreit ein Messer an den Hals gehalten und sie vergewaltigt haben soll. Der vom Gericht bestellte Rechtsmediziner Rainer Mattern sagte dazu, er halte es "für nicht vorstellbar", dass der 34-Jährigen das Messer ununterbrochen an den Hals gedrückt worden sei. Dagegen spreche die Verletzung am Hals. Die rund zwei Zentimeter breite Rötung sei nur durch mehrfaches Andrücken des Messerrückens vorstellbar.

Ähnlich äußerte sich der von der Verteidigung bestellte Kölner Rechtsmediziner Markus Rothschild. Es sei "ausgesprochen unwahrscheinlich", dass solch eine Verletzung auf Grundlage der Angaben des mutmaßlichen Opfers entstehen könne.

Keine Gen-Spuren

Der Täter hätte den knapp einen Millimeter breiten Messerrücken dem Opfer bis zu 20 Mal nebeneinander an den Hals drücken müssen, damit solch ein Verletzungsbild entstehen könne. Rothschild zufolge hätten sich am Messerrücken dann auch Gen-Spuren des Opfers finden müssen. Doch dies war nicht der Fall. Solche Anhaftungen würden auch nicht abfallen, wenn das Messer etwa auf den Boden geworfen würde.

Dass sich das mutmaßliche Opfer die Wunde selbst beigebracht haben könnte, hielten beide Gutachter für ebenso möglich, wie bei Kratzern am Bauch sowie Blutergüssen an den Oberschenkeln der 34-Jährigen. Die Blutergüsse könnten demnach durch einen stumpfen Gegenstand wie etwa einen Hammerstil entstanden sein, aber auch durch Kneifen in die Haut.

"Schwer nachvollziehbar"

Rothschild zeigte sich zudem erstaunt, dass die 34-Jährige bei ihrer Erstuntersuchung nicht auf die Blutergüsse zu sprechen kam und sie dann damit erklärte, Kachelmann habe sich beim Geschlechtsverkehr auf sie gelegt, dabei könnten sie wohl entstanden sein. Sie habe sie aber zunächst nicht bemerkt. Rothschild bezeichnete dies wegen der Größe der Blutergüsse als "schwer nachvollziehbar".

Der Prozess vor der 5. Großen Strafkammer des Landgerichts Mannheim ist bis Ende März terminiert. Die Prozessbeteiligten werden zudem in die Schweiz reisen, um dort eine weitere Ex-Freundin zu Kachelmanns Sexualverhalten zu befragen. Die Frau hatte sich vor kurzem bei den Schweizer Behörden gemeldet und gilt als mögliche Belastungszeugin.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Alice Schwarzer als Zeugin

(apd/csi)