1. Panorama
  2. Deutschland

Alexej Nawalny wird in Charité behandelt – Zustand angeblich stabil

Kreml-Kritiker in Deutschland : Alexej Nawalny wird in der Charité behandelt – Zustand angeblich stabil

Der Kreml-Kritiker Alexej Nawalny gelangte nach einem Tauziehen mit seinen russischen Ärzten schließlich in einem Spezialflug nach Berlin. Er liegt nach einer möglichen Vergiftung nach wie vor im Koma, sein Zustand soll aber stabil sein.

Eine Sprecherin des Berliner Krankenhauses erklärte, erst nach Abschluss der Untersuchungen und nach Rücksprache mit der Familie würden sich die behandelnden Ärzte zu der Erkrankung und weiteren Behandlungsschritten äußern. Jaka Bizilj von der Organisation Cinema For Peace, die den Transport Nawalnys aus einem Krankenhaus in der sibirischen Stadt Omsk nach Berlin organisiert hatte, sagte aber, der 44-Jährige sei in stabilem Zustand.

Unklar ist nach wie vor, warum Nawalny auf einem Flug von Sibirien nach Moskau plötzlich zusammengebrochen und ins Koma gefallen war. Seine Anhänger vermuten, dass er vor dem Flug einen vergifteten Tee getrunken habe und dass der Kreml dafür verantwortlich gewesen sei und dann auch noch seine Überstellung nach Berlin verzögert habee, damit das Gift in seinem Blut nicht mehr nachweisbar sei. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow wies das zurück. Dass seine russischen Ärzte ihn zunächst nicht ausfliegen lassen wollten, sei eine rein medizinische Entscheidung gewesen. Sie hatten argumentiert, er sei nicht transportfähig, hatten dann aber schließlich doch eingelenkt.

Nawalny hat in Russland immer wieder Ärger mit der Justiz. Die Aufnahme stammt aus dem Jahr 2017. Foto: dpa/Evgeny Feldman

Das Gesundheitsministerium in Omsk teilte am Samstag mit, dass bei keinem der bisherigen Tests Gift gefunden worden sei. Weder sogenannte Oxybutyrate noch Barbiturate, Strychnin oder synthetische Gifte seien im Körper Nawalnys festgestellt worden, hieß es. In seinem Urin waren demnach lediglich Alkohol und Koffein.

Bizilj, der Filmproduzent, der Nawalnys Transport organisiert hatte, sagte, er sei nicht qualifiziert über die Gründe von dessen plötzlicher Erkrankung zu spekulieren. Aber es sei offensichtlich, dass er Ziel eines Attentats geworden sei. „Er ist ein gesunder, starker Mann in guter Verfassung - am Abend vor dem Angriff war er in einem Fluss schwimmen“, sagte Bizilj.

Die Nachrichtenseite NGS55 in Omsk veröffentlichte eine Videostellungnahme des Chefarzts des örtlichen Krankenhauses, Alexander Murachowski. Dieser sagte, eine Stoffwechselstörung sei die wahrscheinlichste Diagnose. „Sie könnte durch einen starken Abfall des Blutzuckers im Flugzeug angestoßen worden sein, was den Verlust des Bewusstseins verursacht hat“, sagte er. Eine andere Ärztin, die Nawalny nahesteht, Anastasia Wasiljewa, sagte, die Diagnose sage nichts über die Ursache der Stoffwechselstörung aus. Diese könnte trotzdem in einer Vergiftung liegen.

Auch einige Toxikologen zeigten sich skeptisch, wie man so schnell eine Vergiftung ausschließen könne. So etwas brauche Zeit, sagte Alastair Hay, ein emeritierter Professor und Experte von der Universität von Leeds. Besonders wenn es eine hochgiftige Substanz sei, wäre diese nur in geringer Konzentration im Blut und deshalb durch Tests nicht so leicht nachweisbar.

Nawalny wäre nicht der erste Kremlkritiker, der mutmaßlich vergiftet wurde. Der an radioaktivem Polonium-210 verstorbene, frühere KGB-Agent Alexander Litwinenko, die später erschossene Investigativjournalistin Anna Politkowskaja, der Oppositionsaktivist Wladimir Kara-Mursa, der frühere russische Spion Sergej Skripal und Pjotr Wersilow von der Protestgruppe Pussy Riot, sie alle wurden Opfer eines möglichen Giftanschlags.

(csi/dpa)