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Schärfere Kontrollen im deutschen Flugverkehr: Al Qaida bekennt sich zu versuchtem Terroranschlag

Schärfere Kontrollen im deutschen Flugverkehr : Al Qaida bekennt sich zu versuchtem Terroranschlag

Frankfurt/Main (RPO). Die Terrororganisation Al Qaida hat sich zu dem vereitelten Bombenanschlag auf ein US-Flugzeug bekannt. Unterdessen müssen sich Fluggäste nach dem versuchten Terroranschlag auf schärfere Kontrollen und längere Wartezeiten einstellen.

Al Qaida auf der Arabischen Halbinsel hat sich am Montag zu dem versuchten Anschlag auf ein US-Passagierflugzeug vom Freitag bekannt. Es handele sich um Vergeltung für eine US-Aktion gegen die Organisation im Jemen, hieß es in einer im Internet veröffentlichten Erklärung. Der 23-jährige Nigerianer Umar Farouk Abdulmutallab habe sich mit Mitgliedern der Organisation abgesprochen. Er hatte bereits unmittelbar nach der Tat erklärt, im Auftrag von Al Qaida zu handeln.

Jemenitische Truppen haben mit Unterstützung des US-Geheimdienstes im Dezember zwei Luftangriffe gegen Al-Qaida-Kämpfer geflogen. Der zweite von ihnen erfolgte einen Tag vor dem versuchten Anschlag auf das Flugzeug. Al Qaida erklärte, der 23-Jährige habe Sprengstoff verwendet, der von Mitgliedern der Organisation hergestellt worden sei. Al Qaida auf der Arabischen Halbinsel ist ein Bündnis militanter Kämpfer aus Saudi-Arabien und dem Jemen.

Verstärkte Leibesvisitationen

Unterdessen kündigte die Bundespolizei am Montag verstärkte Leibesvisitationen an. Auch die Lufthansa verschärfte ihre Sicherheitsvorkehrungen. Zudem wird der Einsatz von sogenannten Nacktscannern an Flughäfen diskutiert.

Die Lufthansa riet Passagieren mit Flugziel USA, mindestens drei Stunden vor Abflug am Flughafen zu sein und so wenig Handgepäck wie möglich mitzunehmen. Die US-Behörde für die Sicherheit im Luftverkehr (TSA) habe neue Vorgaben gemacht, etwa dass die Passagiere eine Stunde vor der Landung ihren Platz nicht mehr verlassen dürften, sagte LH-Sprecher Peter Schneckenleitner der Nachrichtenagentur DAPD. Auch ihre eigenen Sicherheitsmaßnahmen habe die Lufthansa verschärft, sagte der Sprecher, ohne Details zu nennen.

"Wir testen hinter verschlossenen Türen"

Die Bundespolizei teilte mit, die Kontrollen an deutschen Flughäfen seien verstärkt worden. Zum Einsatz von sogenannten Nacktscannern, der nach dem Vorfall in den USA von Experten gefordert wird, sagte der Sprecher: "Wir testen hinter verschlossenen Türen und arbeiten einen Anforderungskatalog ab." Es gebe noch keine konkreten Ergebnisse und auch keine Zeitschiene für den möglichen Einsatz.

Das Bundesinnenministerium erklärte dazu, bevor eine mögliche Verletzung von Persönlichkeitsrechten und Gesundheitsgefährdungen nicht ausgeschlossen werden könnten, würden die Scanner nicht eingesetzt. Getestet werde unter anderem auch die Möglichkeit, gefährliche Gegenstände wie etwa Sprengstoff sichtbar zu machen, ohne dass Körperkonturen erkennbar werden.

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Erste Probeläufe mit Scannern 2010 erwartet

Den Einsatz der umstrittenen Nacktscanner befürwortete der Leiter des Essener Instituts für Terrorismusforschung und Sicherheitspolitik, Rolf Tophoven. "Ich bin grundsätzlich für jede Maßnahme, die geeignet ist, Flugzeuge vor Anschlägen zu schützen", sagte er der "Mittelbayerischen Zeitung" (Dienstagausgabe). Der CDU-Sicherheitsexperte Wolfgang Bosbach sagte der "Bild"-zeitung, er erwartet erste Probeläufe mit Scannern bereits im Jahr 2010.

Der CSU-Europaabgeordnete Manfred Weber sieht den Einsatz der Scanner skeptisch. In der EU werde derzeit diskutiert, die Geräte als freiwillige Alternative zum Abtasten anzubieten, sagte der Vizefraktionschef der EVP der Nachrichtenagentur DAPD. Es gebe allerdings andere technische Möglichkeiten, auch kleinste Mengen von Sprengstoffen aufzuspüren.

Bessere Vernetzung der Behörden gefordert

Mehrere Politiker forderten eine bessere Vernetzung der Polizeibehörden. "Wenn jemand, der unsere Sicherheit gefährden könnte, in die EU oder unser Land ein- oder ausreist, so müssen wir darüber informiert sein", sagte der innenpolitischen Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion, Hans-Peter Uhl (CSU).

Der niedersächsische Innenminister Uwe Schünemann drang auf eine Überprüfung der Sicherheitssysteme an Flughäfen. Der "Neuen Osnabrücker Zeitung" sagte der CDU-Politiker: "Es scheint offensichtlich eine Sicherheitslücke zu geben, die geschlossen werden muss."

Kritik an den Rahmenbedingungen für die Beschäftigten im Sicherheitsdienst äußerte der bei der Gewerkschaft der Polizei (GdP) für die Bundespolizei zuständige Josef Scheuring. Seit der Privatisierung der hoheitlichen Luftsicherheitsaufgabe hätten sich diese deutlich verschlechtert. "Diese hochsensible, hoheitliche Sicherheitsaufgabe gehört ausschließlich in die Hand des Staates", sagte Scheuring. Für einen Wettbewerb um immer billigere Sicherheitsleistungen sei diese Aufgabe "vollkommen ungeeignet".

(AP/tim)