Mutmaßliche russische Spione: Agentenpaar in Deutschland festgenommen

Mutmaßliche russische Spione : Agentenpaar in Deutschland festgenommen

Hamburg (RPO). Die deutschen Sicherheitsbehörden haben Berichten zufolge ein mutmaßliches russisches Agentenpaar festgenommen, das seit mehr als 20 Jahren in der Bundesrepublik aktiv gewesen sein soll. Ein Einsatzkommando des Bundeskriminalamts (BKA) habe die Eheleute mit deutschen Namen im baden-württembergischen Balingen und im hessischen Marburg in Gewahrsam genommen, berichteten am Samstag mehrere Magazine.

Das am Dienstag festgenommene Ehepaar stehe im Verdacht, für Russlands Auslandsgeheimdienst SWR gearbeitet zu haben, berichtete der "Spiegel". Worauf es die mutmaßlichen Agenten abgesehen hatten, ist demnach unklar. Beide bestritten demnach die Vorwürfe.

Die zuständige Generalbundesanwaltschaft in Karlsruhe bestätigte lediglich die Festnahme "zweier Personen" in Hessen und Baden-Württemberg. Die von Beamten des BKA und der Sondereinheit GSG9 Festgenommenen seien "dringend verdächtig", seit längerer Zeit in Deutschland für einen ausländischen Nachrichtendienst tätig gewesen zu sein, hieß es in einer auf der Internetseite der Bundesanwaltschaft veröffentlichten Erklärung. Die Beschuldigten seien bereits am Mittwoch dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs vorgeführt worden, der Haftbefehle gegen sie erlassen und Untersuchungshaft angeordnet habe. Das BKA ermittele.

Der russische Geheimdienst wollte nicht Stellung nehmen. "Wir kommentieren diese Berichte nicht", sagte ein Sprecher des Geheimdienstes SWR der Nachrichtenagentur Interfax.

Laut "Spiegel" überraschte das BKA die verdächtige Frau bei einer Durchsuchung dabei, wie sie vor einem Funkempfänger verschlüsselten Agentenfunk hörte. Bei beiden mutmaßlichen Spionen hätten die Ermittler österreichische Pässe gefunden, denen zufolge der Verdächtige in Argentinien und seine Frau in Peru geboren wurden. Recherchen der deutschen Sicherheitsbehörden in Lateinamerika ergaben demnach jedoch, dass die Angaben nicht der Wahrheit entsprechen.

Der Fall ist dem Bericht zufolge der erste seiner Art in Deutschland seit der Wiedervereinigung. Die Ermittler vermuten demnach, dass die mögliche Geheimdiensttätigkeit der Eheleute noch zu Zeiten des früheren russischen Auslandsgeheimdiensts KGB begann. Der Verdächtige sei im Jahr 1988 nach Westdeutschland gezogen. Die mutmaßlichen Spione waren dem Bundesamt für Verfassungsschutz demnach aufgefallen, nachdem die US-Bundespolizei FBI im vergangenen Jahr einen Agentenring des SWR in den USA aufgedeckt hatte.

Das Magazin "Focus" berichtete am Samstag vorab, es handele sich um einen schweren Fall von Industriespionage. Demnach reiste das verdächtige Ehepaar im Jahr 1990 im Auftrag Russlands mit falscher Identität über Mexiko nach Deutschland ein. Mit einem Kurzwellensender hätten die beiden jahrelang verschlüsselte Nachrichten nach Moskau abgesetzt. Der Mann spähte dem Bericht zufolge bei seinem Arbeitgeber, einem Autozulieferer, Betriebsgeheimnisse aus.

Auf die Spur der Verdächtigen brachte die Ermittler laut "Focus" ein Geheimdiensthinweis aus den USA. Die beiden pflegten offenbar intensiven Kontakt mit der im Jahr 2010 in den USA enttarnten russischen Agentin Anna Chapman. Regelmäßig sei ein Kurzwellenkanal belegt gewesen, den Chapman und das in Deutschland tätige Paar genutzt hätten. Die falsche Identität habe den mutmaßlichen Spionen ein österreichischer Standesbeamter vermittelt.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Schöne Spionin: Anna Chapman modelt mit Pistole

(AFP/felt)
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