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Studie belegt Zwei-Klassen-Medizin: Ärzte wehren sich

Studie belegt Zwei-Klassen-Medizin : Ärzte wehren sich

Berlin (RPO). Deutschlands Ärzte wehren sich gegen den pauschalen Vorwurf, Kassenpatienten gegenüber privat Versicherten zu benachteiligen. Eine Studie war zu dem Ergebnis gekommen, dass bei den gesetzlichen Kassen Versicherte dreimal so lange auf einen Termin warten müssen wie privat Versicherte. Der Ärzteverband räumt lediglich Serviceunterschiede ein.

"Die Kollegen vergeben Termine unter medizinischem Gesichtspunkt, unabhängig davon, ob der Patient privat oder gesetzlich krankenversichert ist", sagt nun der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Köhler.

Ärzte seien nicht dazu verpflichtet, "jeden Patienten immer sofort oder so schnell wie möglich dranzunehmen. Vor allem gebe es aber keine Qualitätsunterschiede in der Behandlung. Die Qualitätssicherung der Leistung sei in der gesetzlichen Krankenversicherung sogar fortgeschrittener als in der privaten Krankenversicherung, sagte Köhler. Allerdings seien Serviceunterschiede möglich. "Es gibt keinen Anspruch darauf, dass jeder sofort drankommt", ergänzte KBV-Sprecher Roland Stahl.

Mit der Studie der Universität Köln ist nach Darstellung der Wissenschaftler erstmals der empirische Beweis erbracht, dass Kassenpatienten bei der Terminvergabe in Arztpraxen benachteiligt würden, sagt hingegen der kommissarische Leiter des Instituts für Gesundheitsökonomie und klinische Epidemiologie, Markus Luengen.

Die Wissenschaftler hatten bei insgesamt 189 Facharzt-Praxen im Raum Köln, Bonn Leverkusen telefonisch um Termine für verschiedene Untersuchungen gebeten - wie einen Allergietest, einen Lungenfunktionstext, eine Augenuntersuchung, eine Magenspiegelung, eine Hörtest oder eine Magnetresonanztomographie des Knies Dabei gaben sie sich mal als Kassen- und mal als Privatpatient aus.

Ärzte können bei Privaten mehr verdienen

Das Ergebnis: Privatpatienten wurden eindeutig bevorzugt - egal um welche Untersuchung es sich handelte. Am gravierendsten waren die Unterschiede bei Allergietests und Magenspiegelungen. Auf einen Termin für einen Allergietest mussten die Privatversicherten nur 8,4 Arbeitstage warten, Kassenpatienten durchschnittlich 26 Tage. Eine Magenspiegelung wurde bei Privatversicherten nach 11,9 Arbeitstagen vorgenommen. Gesetzlich Krankenversicherte mussten sich 36,7 Tage gedulden.

Die Ursache für die Vorzugsbehandlung der Privatversicherten ist für die Kölner Forscher eindeutig. Bei der Behandlung eines Privatpatienten verdienen die Ärzte nach ihren Angaben 20 bis 35 Prozent mehr als bei der Behandlung gesetzlich Versicherter.

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(afp)