Abiturnoten in Deutschland werden immer besser

Kritiker befürchten „Entwertung“ : Abiturnoten in Deutschland werden immer besser

Im Sommer 2018 erzielten Schüler im Schnitt eine Abschlussnote von 2,38. Dies ist erneut eine Verbesserung. Über die Gründe dieser Entwicklung wird kontrovers diskutiert. Kritiker sehen eine Entwertung des Abiturs.

Über die aktuellen Zahlen berichtet das "Handelsblatt" am Dienstag unter Berufung auf eine Umfrage unter den Schulministerien der Länder. Im Vergleich zu 2017 habe sich die Durchschnittsnote damit um 0,1 verbessert.

Im Langzeittrend verbesserten sich die Abschlussnoten demnach deutlicher. Im Schuljahr 2005/2006 habe das durchschnittliche Ergebnis noch bei 2,5 gelegen. Für das Jahr 2019 hätten die meisten Länder noch keine Daten.

"Möglicherweise gibt es in den Ländern gewisse Bewertungstraditionen, die hier mehr durchschlagen, als man vielleicht vermuten würde", sagte der Präsident der Kultusministerkonferenz (KMK), Hessens Kultusminister Alexander Lorz (CDU). Es müsse sich dabei allerdings die "Frage nach der Qualität des Abiturs stellen - dies vor allem vor dem Hintergrund, dass heute von vielen alle Abschlüsse unterhalb des Abiturs gering geschätzt werden". Dies sei keine gute Entwicklung.

Die Vorsitzende des Philologenverbands, Susanne Lin-Klitzing, kritisierte eine schleichende Entwertung des Abiturs und machte abgesenkte Anforderungen dafür verantwortlich. Um die Vergleichbarkeit zwischen den Ländern zu erhöhen, habe die KMK zunehmend gemeinsame Regeln erlassen. "Diese legen jedoch nicht den höchsten Bewertungsmaßstab an."

Dass im Abitur mit 45 Prozent der geforderten Leistung eine glatte Vier vergeben werde, habe "das Niveau in manchen Ländern gesenkt", sagte Lin-Klitzing. In der Mittelstufe gelte, dass für eine Vier 50 Prozent der Leistung nötig seien. Ähnlich sei es bei den Einsernoten. Statt bei 85 Prozent eine Eins minus zu vergeben, sollten Schüler erst ab 90 Prozent der erforderten Leistung mit dieser Note belohnt werden. Eine glatte Eins solle es ab 95 Prozent geben.

(csi/AFP)
Mehr von RP ONLINE