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"HoGeSa"-Kundgebung in Hannover: 3000 Hooligans und Rechtsextreme auf Demo

"HoGeSa"-Kundgebung in Hannover : 3000 Hooligans und Rechtsextreme auf Demo

Mit einem Großaufgebot hat die Polizei die umstrittene Anti-Islamismus-Demonstration von Hooligans und Rechtsextremisten am Samstag begleitet. Die Polizei setzte Wasserwerfer und Räumpanzer zur Abschreckung ein.

Unter strenger Aufsicht ist am Samstag in Hannover eine Anti-Islamismus-Demonstration von Hooligans und Rechten zu Ende gegangen, zu der die Polizei insgesamt mehr als 5000 Teilnehmer erwartet hatte. Die Hooligans verliessen geordnet den Platz der Demonstration und wurden von der Polizei zu den Zügen begleitet.

Nach Angaben der Polizei waren rund 3000 Hooligans und Rechtsextremisten auf der einen Seite des Hauptbahnhofs Hannover zusammengekommen. Ihnen standen etwa 4600 Gegendemonstranten gegenüber.

Am frühen Nachmittag war es zu Rangeleien zwischen der Polizei und Gegendemonstranten gekommen. Diese versuchten nach Augenzeugenberichten, eine Polizeiabsperrung zu durchbrechen. Die Beamten setzten Pfefferspray ein, um das zu verhindern.

Polizei wollte Ausschreitungen wie in Köln verhindern

Hinter der Veranstaltung steht die Gruppe "Hooligans gegen Salafisten", die im Oktober bei einer gewalttätigen Demo in Köln in Erscheinung getreten war. Dort hatten sich einige der 4500 Demonstranten heftige Schlägereien mit der Polizei geliefert.

Eine Beschwerde der Organisatoren gegen einige der von der Polizei verfügten Auflagen hatte das Oberverwaltungsgericht in Lüneburg am Freitagabend zurückgewiesen. Zuvor waren die Organisatoren mit einem Eilantrag beim Verwaltungsgericht Hannover gescheitert.

Wegen der Ausschreitungen in Köln hatte die Polizei Hannover die Veranstaltung zunächst gänzlich verboten. Das Verwaltungsgericht hatte das Verbot jedoch nach einer Klage der Organisatoren gekippt und die Veranstaltung unter strengen Auflagen genehmigt. Anstelle eines Zuges durch die Stadt musste die Demonstration an einem Ort stattfinden - auf dem Platz des ehemaligen Omnibusbahnhofs hinter dem Hauptbahnhof.

Strenge Auflagen

Zu den Auflagen für die Kundgebung der Hooligans gehörten unter anderem ein Verbot von Alkohol und Pyrotechnik, Lärmschutz, individuelle Kontrollen aller Demonstranten und die Absage eines Konzertes der Bremer Band "Kategorie C".

Rund um den Platz hämmerten Geschäftsleute am Freitag Holzplatten vor Schaufenster und Glasfassaden. Eine Hotelkette, die zwei Häuser am ZOB betreibt, quartierte sämtliche Gäste in andere Filialen in der Stadt um.

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"Es sind zum Teil üble Gewalttäter, es sind zum Teil Neonazis, Kameradschaftsmitglieder, aber auch Menschen aus dem rechtspopulistischen Rand, die islamfeindlich eingestellt sind und alles über einen Kamm scheren", sagte Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) dem NDR. Wenn sich Ereignisse wie in Köln auch in Hannover oder anderswo wiederholten, dann stelle sich die Frage, "wer das hohe Gut der Versammlungsfreiheit vor jenen schütze, die es für Gewalt auf der Straße missbrauchten, egal von welcher Seite".

Die Demonstranten, zumeist junge Männer, trugen T-Shirts mit Aufdrucken wie "Hoolizei" oder "Anti-Sharia-Team". Andere hatten Deutschlandfahnen dabei. Der Hauptredner bei der Hooligan-Veranstaltung sagte, die Salafisten seien nur die Spitze des Eisberges. Der Terror aus Syrien und dem Irak werde nach Deutschland zurückkommen. "Wir sind die, die erkannt haben, was für eine Gefahr droht für unser geliebtes Vaterland", sagte der Redner.

Eine Festnahme in Dortmund

Seit 8.00 Uhr bestand ein Verbot von Glasflaschen, Pyrotechnik und Alkohol in Zügen und auf Bahnhöfen rund um Hannover. Bahnreisende würden stichpunktartig kontrolliert, sagte ein Sprecher der Bundespolizei.

Die Polizei in Nordrhein-Westfalen hatte schon am Samstagmorgen viel zu tun. Am Dortmunder Hauptbahnhof kontrollierten Beamte die mit dem Zug nach Hannover fahrenden Kundgebungsteilnehmer. Nennenswerte Zwischenfälle habe es nicht gegeben, teilte die Polizei mit.

Von 93 Personen seien die Personalien aufgenommen worden, 15 von ihnen gehörten zu Hooligan-Szene. Der Großteil der übrigen sei der rechten Szene in Dortmund zuzuordnen. Ein Mann, gegen den ein Haftbefehl bestand, wurde festgenommen.

Der für 11 Uhr angesetzte Kundgebungsbeginn war verschoben worden, da noch viele Hooligans auf dem Weg waren. Die Demonstration in Wuppertal, die zeitgleich unter dem selben Titel stattfinden sollte, wurde zwischenzeitlich abgesagt.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Tausende Polizisten sichern den Hooligan-Aufmarsch

(dpa)