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Schicksalstag für "Stuttgart 21": 21 Fakten zum Stuttgarter Milliardengrab

Schicksalstag für "Stuttgart 21" : 21 Fakten zum Stuttgarter Milliardengrab

Der 5. März könnte der Schicksalstag für Stuttgart 21 werden. Die Aufsichtsräte der Bahn müssen über die Zukunft des Projekts entscheiden. Die Grünen in Baden-Württemberg bieten wegen der Kostenexplosion bereits Gespräche über einen Ausstieg an.

Wir haben Ihnen 21 Fakten zu "Stuttgart 21" zusammengetragen.

Fakt 1 - Idee

Im Jahr 1988 war es der Verkehrswissenschaftler Gerhard Heimerl, der den Anstoß zur Entwicklung eines neuartigen Verkehrskonzepts gab.

Fakt 2 - Beginn

Im April 1994 stellten Bund, Land und Deutsche Bahn das Projekt vor. Die "Süddeutsche Zeitung" sprach von einem "Überraschungscoup", der unbemerkt von der Öffentlichkeit vorbereitet worden sei. Die Bauarbeiten begannen am 2. Februar 2010.

Fakt 3 - Bauherren

Dieses Großprojekt trägt nicht allein die Deutsche Bahn. Mit involviert sind der Bund, das Land Baden-Württemberg, der Verband Region Stuttgart, die Landeshauptstadt Stuttgart und die Flughafen Stuttgart GmbH.

Fakt 4 - Kosten I

Bei Baubeginn wurden die Kosten im Rahmen einer Machbarkeitsstudie mit 4,807 Milliarden D-Mark angegeben.

Fakt 5 - Kosten II

Mittlerweile gehen die Bauträger von einer Kostenexplosion aus und rechnen mit bis zu 6,5 Milliarden Euro.

Fakt 6 - Umbaukosten

15 Prozent der veranschlagten Kosten umfassen den Umbau des Stuttgarter Hauptbahnhofs, die S-Bahnhöfe Mittnachtstraße und Flughafen sowie den Filderbahnhof Flughafen.

Fakt 7 - Anbindungen

Außerdem sollen die Anbindungen des gesamten Stuttgarter Raums an das Schienennetz, unter anderem an den Flughafen und zur Messe sowie an die neue Neubaustrecke zwischen Wendlingen und Ulm damit finanziert werden.

Fakt 8 - Neubaustrecke

Die 60 Kilometer lange Neubaustrecke zwischen Wendlingen und Ulm soll zusätzliche 2,89 Milliarden Euro kosten.

Fakt 9 - Arbeitsplätze

Die Planer prognostizierten, dass dadurch 17.000 Arbeitsplätze neu entstehen werden, 10.000 davon dauerhaft, 7000 während der Bauzeit.

Fakt 10 - Bäume

Im Schlossgarten wurden fast 300 Bäume gefällt, an anderer Stelle werden 293 neue Bäume gepflanzt. Der Park wird um 20 Hektar erweitert.

Fakt 11 - Bauzeit

Die Bauzeit sollte etwa neun Jahre betragen. Die Inbetriebnahme war für 2019 vorgesehen, wurde mittlerweile aber um zwei Jahre auf 2021 verschoben.

Fakt 12 - Baugrund

Hany Azer, Projektleiter der Deutschen Bahn AG, bezeichnete den Baugrund in der Region Stuttgart als "schwierig". Im gesamten Streckenverlauf wurden vorab Bohr- und Erkundungsprogramme durchgeführt. Die dabei erlangten Kenntnisse unter anderem zu Anhydritvorkommen, druckhaftem Gebirge, Karsthöhlen und Mineralwasservorkommen wurden in der Planung berücksichtigt.

Fakt 13 - ICE-Haltestellen

Der Flughafen Stuttgart soll einen ICE-Halt erhalten.

Fakt 14 - Gesamtstreckenlänge

Die Gesamtstreckenlänge des Bauprojekts umfasst 57 Kilometer.

Fakt 15 - Höchstgeschwindigkeit

Die Planer des Projekts erklärten, Höchstgeschwindigkeiten von 250 Stundenkilometern seien möglich.

Fakt 16 - Proteste

Am 30. September 2010 eskalierten die Proteste der Gegner mit der Polizei. Dietrich Wagner wurde zur Symbol des Protests, als er schwer am Auge verletzt wurde. Der behandelnde Arzt sagte, sein Patient sei im Moment erblindet. Wagners Lider seien zerrissen, die Linsen zerstört.

Fakt 17 - Pro und Contra

Im Zuge des Baubeginns entstanden immer mehr Bürgerinitiativen, die einerseits das Projekt unterstützten oder vehement dagegen waren bzw. sind. Widerstand und Unterstützung formierten sich insbesondere in den sozialen Netzwerken wie Facebook oder Twitter.

Fakt 18 - Landtagswahl

Am 27. März 2011 wurde in Baden-Württemberg die schwarz-gelbe Regierung abgewählt. Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland wurde in Winfried Kretschmann ein Politiker der Grünen zum Ministerpräsidenten eines Landes gewählt. Die Ergebnis galt als Reaktion der Wähler auf den umstrittenen Bau des Projekts.

Fakt 19 - Schwaben-Streich

Die Kundgebungen gegen das Groß-Projekt wurden zu Massenveranstaltungen mit zehn Tausenden Teilnehmern. Die Proteste begannen mit dem lautstarken "Schwabenstreich", bei dem die Teilnehmer eine Minute lang mit Trillerpfeifen und Topfdeckeln so viel Lärm wie möglich machten.

Fakt 20 - Volksentscheid

Am 27. November 2011 waren die Bürger Baden-Württembergs aufgerufen, über die Kostenbeteiligung des Landes abzustimmen, das sogenannte Kündigungsgesetz. 58,9 Prozent der Abstimmenden sprachen sich gegen den Ausstieg des Landes aus der Projektfinanzierung von S21 aus, 41,1 Prozent stimmten für den Ausstieg.

Fakt 21 - Einsparungen

Durch Stuttgart 21 sollen pro Jahr 310 Millionen Pkw-Kilometer im Fernverkehr sowie 67 Millionen Pkw-Kilometer im Nah- und Regionalverkehr eingespart werden.

Hier geht es zur Infostrecke: Chronik zu "Stuttgart 21"

(rpo/nbe/csi)