Spritpreise, Staus und Pkw-Maut: 2012 - Rekord-Frustjahr für Autofahrer

Spritpreise, Staus und Pkw-Maut : 2012 - Rekord-Frustjahr für Autofahrer

2012 hatten Autofahrer allen Grund, sich zu ärgern: Es war das Jahr der Rekord-Spritpreise. Wieder einmal. Viele Straßen sind in einem desolaten Zustand und sanierungsbedürftig. Ein ähnliches Bild geben hunderte marode Brücken ab.

Auf den Autobahnen der Republik werden die Staus aufgrund zahlreicher Baustellen immer länger. Nein, die Wandlung zum Verkaufsschlager hat der arg gescholtene Biosprit E10 noch immer nicht vollzogen, und die zyklisch aufflammende Diskussion zur Einführung einer Pkw-Maut ist für die meisten Autofahrer allenfalls ein nervtötender CSU-Dauerbrenner.

Die Liste der Ärgernisse ist lang. Und sie scheint von Jahr zu Jahr länger zu werden. Vielen Autofahrern vergeht mittlerweile schon vor dem Einstieg ins Auto der Spaß. Bisher kippte die Stimmung erst bei der Fahrt zur Tankstelle und beim anschließenden Blick auf die Preistafeln. Inklusive chronischer Bauchschmerzen und leerer Portemonnaies.

Rekord-Spritpreise

Bei den Preisen für Diesel und Benzin vermeldete der Mineralölwirtschaftsverband in diesem Jahr erneut einen Rekord. Noch nie waren Selbstzünder und Ottokraftstoff so teuer. Im Tankstellen-Netz der Aral lag der Durchschnittspreis für einen Liter Superbenzin der meistgetankten Sorte E5 bei 1,643 Euro, für Diesel 1,49 Euro. Im Spitzen-Monat September stiegen die Preise gar auf mehr als 1,70 Euro (Super) und 1,55 Euro.

Kritik kam wie so oft vom ADAC. Dessen Präsident Peter Meyer sagte kürzlich: "Es ist für die Autofahrer eine bittere Erkenntnis, dass die Kraftstoffpreise praktisch jedes Jahr neue Höchststände erklimmen. Das jetzt zu Ende gehende Jahr ist das mit Abstand teuerste Tankjahr aller Zeiten, auch wenn die Preise zuletzt wieder gesunken sind."

Vielfältige Faktoren beim Benzin

Der Chef der Autofahrerlobby empfiehlt, die großen Markentankstellen zu meiden und bei den freien und privaten Anbietern zu halten. "Würden Autofahrer (…) konsequent günstigere Tankstellen ansteuern, dann würde sich das auf das gesamte Preisniveau positiv auswirken." Nach Darstellung des ADAC haben die Autofahrer es also mit in der Hand, die Preise am Markt zu steuern.

Keinen Einfluss haben Autofahrer indes auf die globale Marktsituation, auf die Notierungen für Rohöl, die weltweite Nachfrage nach Kraftstoff, den Währungsverfall des Euro in Bezug auf den Dollar und die sicherheitspolitische Lage in den Krisenregionen des Nahen Ostens. Die Faktoren, die für die Zusammensetzung des Spritpreises verantwortlich sind, sie vielfältig und nicht immer beherrschbar.

Steigt der Frust-Pegel 2013 weiter?

Die Einschätzung des ADAC-Präsidenten: "Sieht man vom Jahr 2009 ab, als die Kraftstoffpreise infolge der Wirtschaftskrise niedriger waren als im Jahr zuvor, ist Benzin seit 1998 noch in jedem Jahr im Schnitt teurer gewesen als im Jahr zuvor. Generell sind die Kraftstoffpreise deutlich stärker gestiegen als die allgemeinen Lebenshaltungskosten."

Nicht ausgeschlossen, dass der Frust-Pegel für Autofahrer im kommenden Jahr neue Höchstwerte erklimmt. Der Grund: Schon jetzt gerät der Verkehrsfluss auf deutschen Autobahnen aufgrund hunderter Baustellen ins Stocken. Hier wird die Fahrbahn saniert, dort die Brücke instandgesetzt, die Mittelleitplanke erneuert oder der Rastplatz modernisiert. Die Gesamt-Staulänge wird nach Erhebung des ADAC von 450.000 Kilometern (2011) auf rund 600.000 (2012) steigen.

Härtnäckiger Ramsauer

Die milliardenschweren Maßnahmen zur Verbesserung der Infrastruktur sind dringend notwendig. Das Problem: In der Haushaltskasse von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) fehlt das Geld. Der findige Oberbayer liefert die Lösung indes gleich mit: Pkw-Maut. Das Lieblingsprojekt der bayerischen Regionalpartei war auch in diesem Jahr ein Dauerbrenner. Nicht nur an den Stammtischen der Republik.

Ob CSU-Chef Horst Seehofer oder Ramsauer selbst, immer wieder setzten die hartnäckigen Bayern die große Schwesterpartei CDU und den liberalen Koalitionspartner unter Druck, ihr Veto gegen die Autobahn-Abgabe endlich aufzugeben und neue Einnahme-Quellen zu erschließen.

"Müssen uns die Frage stellen"

Wenige Tage vor Weihnachten unternahm Ramsauer einen letzten Versuch. Die nächste Regierung werde zwingend sagen müssen, wie die Unterfinanzierung des Verkehrsetats anpackt werden solle, sagte er mit Blick auf die Bundestagswahl im September 2013.

"Wer sich der Maut verweigert, muss mit Blick auf die Instandhaltung und den Ausbau der Verkehrswege andere Lösungswege aufzeigen. Bund, Länder, Kommunen: Alle müssen sich diese Frage stellen", sagte Ramsauer.

Auf der Intensivstation

Nach Ansicht der "Daehre-Kommission", einem Bund-Länder-Gremium, liegt der Patient "Verkehrsinfrastruktur" auf der Intensivstation. Den Städten und Gemeinden fehlen jedes Jahr 7,2 Milliarden Euro zum Erhalt von Straßen, Brücken und Wasserwegen."

"Eine Gefahr für den Wirtschaftsstandort für Deutschland." Dies zeigt der Bericht der Kommission, der vergangene Woche veröffentlicht wurde. Die Maut ist nach Ansicht der Experten eine von mehreren Optionen, die Lücke zu verkleinern.

Im Interview mit der Zeitung "Welt" kommt ADAC-Präsident zu einem vernichtenden Urteil: In der Politik sollten, so Meyer, endlich alle begreifen, dass "Deutschland beim Straßenunterhalt auf der letzten Rille fährt." Wenn das die Autofahrer lesen...

Hier geht es zur Infostrecke: Ostern 2013: Das kosten Benzin und Diesel in Europa

(nbe)